Call for Papers: Stadt von oben

Der Themenschwerpunkt „Stadt von oben“ fragt nach den Akteuren und Mechanismen hegemonialer Raumproduktion, nach städtischen Eliten und nach Orten der Macht und Exklusivität in Städten.

Die interdisziplinäre Stadtforschung hat sich seit ihren Anfängen primär jenen sozialen Gruppen gewidmet, die von den materiellen und sozialen Ressourcen der städtischen Ökonomie und den Verheißungen von Stadt und Urbanität ausgeschlossen wurden. Bis heute nimmt sie die Prozesse, Dynamiken und Strukturen dieses Ausschlusses in den Blick und skandalisiert sie oftmals. Ein solcher Fokus auf die Marginalisierten, auf Marginalisierung und auf das Dezentrale hat seine theoretische, politische und empirische Berechtigung und ist wesentliches Moment kritischer Wissenschaft.

Als Orte, an denen sich die gesellschaftlichen Widersprüche materialisieren, sind Städte aber zugleich und notwendigerweise auch Räume der Eliten und der Macht. Hinter den Strukturen und Mechanismen von Unterdrückung, Ausbeutung und Marginalisierung stehen die Interessen und gesellschafspolitische Positionen bestimmter, stabiler oder sich wandelnder Konstellationen mächtiger Akteure, Netzwerke und Gruppen. Besonders die Rolle ökonomisch und politisch mächtiger Akteure in Raumproduktionen wird bisher kaum untersucht. Hier sehen wir sowohl empirisch wie auch theoretisch einigen Forschungsbedarf. Deshalb widmet sich der nächste Themenschwerpunkt von sub\urban der Frage, wie, durch wen und durch welche Mechanismen Stadt „von oben“ hergestellt und gelebt wird, wie sie vererbt und geerbt wird, wie sie verfestigt, routinisiert und mobilisiert wird. Uns interessiert die Analyse der sozialen, ökonomischen und kulturellen Praktiken der urbanen Eliten und ihrer Organisationsformen. Darüber hinaus will der Themenschwerpunkt die Rationalitäten, Machtmechanismen und das Denken beleuchten, durch die die Interessen jener Akteure in politische Entscheidungsprozesse, Planungsverfahren und andere Formen der Raumproduktion eingeschrieben werden.

Willkommen sind Texte, die sich mit bestimmten Akteursgruppen/-konstellationen ökonomischer und politischer Eliten; mit machtvollen Mechanismen, die Hegemonie reproduzieren; mit Formen und Praktiken der Raumproduktion, in denen sich die „Stadt von oben“ manifestiert, beschäftigen. Auch theoretische und konzeptionelle Beiträge zu Elitenforschung und Hegemoniebildung sind sehr willkommen.

 

Zum Beispiel:

 -          Akteure: Konstellationen und Reproduktion globaler Wirtschafts-, Finanz- und Politikeliten; Rolle von Eliten-Netzwerken und Ereignissen; vermittelnde und dienende Akteure (Lobbygruppen, Banken, Consulting-Firmen, Makler)

 -          Raumproduktionen: Machtprozesse und Mittel in räumlichen Segregationsprozessen von Wohnen/Arbeiten/Konsum (Super Rich-Enklaven, Super-Rich und Hyper-Gentrification, Gated Communities, Urlaubsenklaven); räumliche Konfiguration (Sonderwirtschaftszonen, Bankenviertel, temporäre Enklaven wie politische oder wirtschaftliche Gipfeltreffen); (räumliche) Konflikte zwischen Eliten und Nicht-Eliten

 -          Mechanismen: Instrumente, Strukturen und Diskurse, die bestehende Hegemonien und Eliten erhalten (ÖPPs, Verfahren der Stadtplanung, unternehmerische Stadtpolitik, ökonomisierte Rationalitäten, Bildungsnetzwerke, Exzellenzcluster und -initiativen); Koproduktion von Machtverhältnissen durch Nicht-Privilegierte; elitäre Lebensstile und ihre Diffusion

 -          Theorie: Akteursverständnis in der Elitenforschung (1%, Super-Rich, Privilegierte, herrschende Klasse, Hegemonie etc.); Diskurse über Eliten, Elitenkritik und Kritik an der Elitenkritik.

 

Wir laden zur Einreichung in unseren Rubriken ‚Aufsätze‘, ‚Magazin‘, ‚Debatte‘ und ‚Rezensionen‘ ein.

Erläuterungen zu unseren Rubriken finden sich hier.

Für Aufsätze erbitten wir Abstracts im Umfang von 300-500 Wörtern mit Angaben zu Fragestellung, methodischem Vorgehen, theoretischem Ansatz und ggf. zur empirischen Basis bis zum 31.10.2017. Wir bitten nur um Einreichungen, für die sichergestellt ist, dass der vollständige Aufsatz bis zum 31.01.2018 nach Einladung eingereicht werden kann.

Die Aufsätze durchlaufen vor der Publikation ein Peer-Review-Verfahren. Die Veröffentlichung des Themenheftes ist für Herbst/Winter 2018 geplant.

Die Hinweise für Autor_innen finden sich hier.

Zusendungen als Word-Dateien erbitten wir an: laura.calbet@leibniz-irs.de, lisa.vollmer@uni-weimar.de  und boris.michel@fau.de.