Ende der 1960er Jahre war die Kahlschlagsanierung in Berlin-Kreuzberg in einer Hochphase, während das Märkische Viertel in peripherer Stadtlage gebaut wurde. Aus der Architekturfakultät der TU Berlin gründeten Studierende Basisgruppen, die sowohl in Kreuzberg als auch im Märkischen Viertel mit den Bewohner_innen gegen diese auf Abriss, Vertreibung und Mietpreissteigerungen basierende Berliner Baupolitik protestieren wollten (siehe dazu auch Debattenbeitrag Vollmer). Es zeigte sich jedoch relativ schnell, dass die von den Studierenden angeschobenen Proteste und Ge­gen­planungen in Kreuzberg zu dieser Zeit wenig Erfolg hatten. Die Studie­ren­den kehrten aus den ersten Versuchen mit der Stadtteilarbeit an die Uni­versität zurück und setzten dort ihre Experimente in kritischer Praxis in selbstorganisierten Lehrformaten fort (Gribat 2017). Was sich schon vor Ort, vor allem in Kreuzberg, gezeigt hatte, nahm an der Universität weiter seinen Lauf: Die Protestierenden waren gespalten in jene, die Bewoh­ner_in­nen und Studierende agitieren wollten für den Kampf gegen die allgemeine Unterdrückung, und andere, die eine konkrete Verbesserung der Lebensverhältnisse der Bewohner_innen und Studienverhältnisse der Studierenden anstrebten (Gribat/Misselwitz/Görlich 2017). Im Grunde war diese Spaltung von der Frage getragen, ob konkrete Verbesserungen und Reformen im Städtischen oder im Universitären immer automatisch zum Systemerhalt beitragen, oder ob es solche kleinteiligen Experimente und Veränderungen braucht, um letztlich auch das System zu verändern.

In diesem Debattenbeitrag sollen diese Spaltung des kritischen Lagers und die damit verbundenen Fragen hinsichtlich Systemerhalt oder Umsturz anhand von zwei damals relativ bekannten Publikationen analysiert werden: Architektur als Ideologie (Berndt/Lorenzer/Horn 1968) und Kapitalistischer Städtebau (Helms/Janssen 1971). Auf der Basis eines weitgehend geteilten Ausgangspunkts, der Kritik am funktionellen Städtebau, zeigen sich stark divergierende Problemdiagnosen und Lösungsansätze. Der funktionelle beziehungsweise funktionalistische Städtebau basiert auf der Grundidee der städtischen Funktionstrennung von Wohnen, Arbeiten, Freizeit und Transport. Damit ist eine freistehende Gebäudeanordnung verbunden, in Abkehr von der in vielerlei Hinsicht als überkommen verstandenen Block­rand­bebauung, gemäß dem Grundsatz ‚Licht, Luft und Sonne‘. In der Charta von Athen, einem von Le Corbusier im Anschluss an den CIAM Kongress von 1933 in Athen herausgegebenen Manifest, wurden diese Grundideen zusammengefasst. In Bezug auf die architektonische Gestaltung ist darin der Satz der Moderne: ‚form follows function‘ leitend. Ornamente oder anderes schmückendes Beiwerk werden abgelehnt, die wahre Form soll allein dem Zweck entsprechen. In den späten 1950er und 60er Jahren war der funktionelle Städtebau in Deutschland tonangebend. Er drückte sich in konkreten Projekten wie zum Beispiel dem Märkischen Viertel in Berlin und der Kahlschlagsanierung von gründerzeitlichen Wohnvierteln, beispielsweise in Kreuzberg, aus. Spannend an der Analyse der beiden Extrempositionen Ende der 1960er Jahre ist, neben den unterschiedlichen Rollen, die dem Planen, Bauen und Gestalten beziehungsweise dem Protest zugewiesen werden, auch der Duktus.

  • Sozialpsychologische Ideologiekritik
  • Der Ausgangspunkt der Autor_innen von Architektur als Ideologie (1968), Heide Berndt, Alfred Lorenzer und Klaus Horn, die allesamt Sozialpsycho­log_in­nen waren und bei Alexander Mitscherlich am Sigmund-Freud-Institut in Frankfurt arbeiteten, ist das Verhältnis von Architektur und gesellschaftlichen Verhältnissen: „[W]elches Bewußtsein hat die Architektur von ihrer Aufgabe und wie erfüllt sie diese? Welche gesellschaftlichen Inhalte drücken sich in der architektonischen Gestaltung aus, speziell im Funktionalismus?” (Berndt 1968: 9) So verstanden, sind die gebauten Städte ein Spiegel der gesellschaftlichen Verhältnisse. Eine Analyse der gebauten Umwelt – hier mit soziologischen und sozialpsychologischen Methoden[1] – kann demnach Erkenntnisse bezüglich der gesellschaftlichen Verhältnisse aufzeigen, in denen die jeweiligen Architekturen entstanden sind. Damit wird der Funk­tionalis­mus eingereiht beziehungsweise gleichgestellt mit anderen Stil­rich­tungen der Architektur und des Städtebaus. Die eingenommene historische Perspektive verdeutliche, „daß das Problem der räumlichen Darstellung gesellschaftlicher Beziehungen in verschiedenen Zeiten anders gelöst wird” (Berndt 1968: 9).

    Die Autor_innen stellen mit diesem Vorgehen die Grundidee der moder­nen Architektur und des funktionellen Städtebaus in Frage, durch die Ablehnung von Ornamenten und anderen repräsentativen Elementen Bauwerke und Städte zu produzieren, deren Formensprache sich rein aus technischen und funktionalen Erfordernissen ergebe – und für die behauptet wird, dass sie entgegen früheren Stilen keine gesellschaftlichen Verhältnisse mehr auszudrücke. Entgegen der Vorstellung also, dass die gewählten Formen frei seien von Repräsentation, analysiert Berndt (1968: 9) „die über die bloß technische Konstruktion hinausgehenden Ausdrucksgehalte der Architektur […], indem der Anspruch der modernen Architektur […] mit dem überprüft wird, was sich daraus entwickelt hat”.

    Leider erfolgt diese Überprüfung nicht anhand empirischer Analysen, bei denen Bewohner_innen oder Nutzer_innen des funktionellen Städtebaus be­zieh­ungs­weise der modernen Architektur hinsichtlich der Ausdrucksgehalte der von ihnen bewohnten oder genutzten Gebäude oder Stadtviertel befragt würden. Stattdessen nehmen die Autor_innen ihre eigenen Urteile zum Maßstab ihrer Thesen, die entgegen den eingangs zitierten Absichten stark von einem räumlichen Determinismus und einer generellen Ablehnung der Formsprache des Funktionalismus geprägt sind. Das drückt sich einerseits in einem „Unbehagen“ (Berndt 1968: 10) gegenüber dem funktionellen Städte­bau aus: „[W]ir halten einen Städtebau, der nichts weiter als ‚technisch korrekt‘ ist, für unbefriedigend.” (ebd.) Andererseits würden mit dem Beharren auf Zweckmäßigkeit die wesentlichen Qualitäten der Architektur aufgegeben:

    „Der Architekt als bloßer technischer Erfüllungsgehilfe der tonan­ge­benden Instanzen – das ist also keineswegs ein Wunschtraum der Soziologen und Sozialpsychologen, dieses Bild entspricht vielmehr genau der Selbsteinstufung konsequenter ‚Funktionalisten‘. Das sacrificium intellectus dieser Architekten ist die Architektur.“ (Lorenzer 1968: 51)

    Diese Kritik richtet sich also vor allem an Architekt_innen, die mit der Fokus­sierung auf Zweckmäßigkeit im funktionellen Städtebau und in der modernen Architektur zu einer Verarmung der gesellschaftlichen Verhältnisse beitragen.

    „Nur die widerspruchslose Anpassung auch an die ödesten ‚eindimensional‘[2] funktionalisierten Landschaften läßt darauf schließen, wie geschwächt und deformiert die libindinöse Energie in ihrer ‚emotionellen Ausdehnungsfähigkeit‘ bereits ist.“ (Berndt 1968: 41)

    Die Vorstellung, dass sich trotz einer modernen funktionellen Stadtgestalt ein lebendiges Gemeinwesen etablieren könne (siehe dazu auch den Debattenbeitrag Harnack), geht über die Vorstellungskraft der Autor_innen hinaus. Ob es, wie behauptet, einen so starken Zusammenhang zwischen gebauter Umwelt und den Lebensverhältnissen gibt, wird nicht weiter untersucht. Stattdessen werden die Potenziale einer anderen Architektur und eines anderen Städtebaus, die sich wieder mehr dem Symbolischen zuwenden, ausgelotet. Das Planen und Bauen könne „als eine immer neu zwischen Individuum und Gesellschaft vermittelnde Aufgabe [verstanden werden], menschlichen Bedürfnissen Raum zu schaffen, der ihnen erlaubt, sich zu entfalten, und sie nicht erstickt. Formen müssen Funktionen reflektierter Bedürfnisse bleiben.“ (Horn 1968: 141)

    Dass dies genau auch der Ansatz der modernen Architektur oder des funktionellen Städtebaus gewesen sein könnte, wird leider von keine_r der Autor_innen in Betracht gezogen. Dies wird deutlich in der Forderung: „[D]ie ästhetischen Forderungen müssen zugleich Forderungen nach neuen Formen des sozialen Zusammenlebens bewußt machen.“ (Berndt 1968: 42) Lorenzer geht noch einen Schritt weiter, indem er über die Integrationsfunktionen von symbolisch aufgeladenen Bauten wie Kirchen räsoniert:

    „Wo diese Identifikation voll gelänge, ergäbe sich ein Engagement der einzelnen wie auch eine Differenzierung des Ganzen – bis hin zur Gliederung der Stadtlandschaft in profilierte Quartiere, denen eine [emotionale] Nuancie­rung der Gruppen entspricht.“ (Lorenzer 1968: 99)

    Wenn sich Stadt nicht in Stadtviertel von mehr oder weniger Gleich­ge­sinn­ten gliedern ließe, die alle ihren jeweils ganz eigenen Charakter hätten, drohten hingegen Unordnung und zu starke Spannungen für das Individuum:

    „In einer Gesellschaft, in der eine verwirrende Vielzahl von Werten nebeneinander besteht, kann es zu ständigem Gegeneinander, min­des­tens aber zu einem schwierigen Nebeneinander von unverbundenen Identifikationen kommen. Daraus ergibt sich eine erhebliche Schwierigkeit für die synthetischen Leistungen des Ich, die die Gegen­sätze zum Ausgleich zu bringen hat.“ (Lorenzer 1968: 100)

    Das Versprechen einer Untersuchung der Relation von gebauter Umwelt und gesellschaftlichen Verhältnissen wird nicht eingelöst. Die Leser_innen erfahren stattdessen viel über die normativen Annahmen der Autor_innen. Eine oberflächliche Wahrnehmung der räumlichen Verhältnisse der modernen Architektur und des funktionellen Städtebaus wird mit Eigenschaften wie ‚eindimensional‘ und ‚verarmt‘ umschrieben. Schlimmer noch, diese Eigenschaften werden gleichgesetzt mit den sich in diesen Räumen abspielenden Lebensverhältnissen – eine als eindimensional empfundene Stadtgestalt färbt auf die darin lebenden Menschen ab. Eine bessere Gesellschaft kann sich im Umkehrschluss auch aus dem Planen und Bauen besserer Räume ergeben. Eine Annahme, die von den Vertreter_innen der als nächstes diskutierten politökonomischen Position auf das Schärfste zurückgewiesen wird.

  • Marxistische Revolutionshoffnungen
  • Die Autor_innen des Bandes Kapitalistischer Städtebau (1971), herausgegeben von Hans G. Helms und Jörn Janssen, sind Architekt_innen, Sozio­log_innen und Sozialpsycholog_innen. Sie sehen zunächst ebenfalls einen klaren Zusammenhang zwischen der gebauten Stadt und den gesellschaftlichen Verhältnissen, legen aber zugleich das Augenmerk auf spezifische Aspekte, die dieses Verhältnis kennzeichnen: „Die historisch entwickelte europäische Stadt ist ein Produkt der gesellschaftlichen Arbeitsteilung, der Klassenherrschaft, des Klassenkampfes.“ (Helms 1971: 5). Gesellschaftliche Verhältnisse sind nicht mehr nur die unmittelbaren Lebensverhältnisse, sondern umfassen auch die Produktionsverhältnisse. Am deutlichsten setzt sich Peter Neitzke, ein Architekt, der im Zweitstudium Soziologie und Philosophie studiert hatte, von den architektonischen und städtebaulichen Thesen der Sozialpsycholog_innen aus Frankfurt ab. Deswegen stelle ich seinen Aufsatz in dieser Diskussion in den Vordergrund: „Konstitutiv für das Erbe der kritischen Theorie ist die resignative Stabilisierung gesellschaftlicher und individueller Ohnmacht vor der Übermacht des organisierten Kapitalismus.” (Neitzke 1971: 163) Im Zentrum seines Interesses steht die Wirkung der Schriften der Mitarbeiter_innen des Sigmund-Freud-Instituts in Frankfurt (Mitscherlich 1965, Berndt/Lorenzer/Horn 1968) auf Architekt_innen und Stadtplaner_innen:

    „Hat einer sich die Mühe gemacht, die Konfusion zu studieren, die ihre Arbeiten und die ihres Direktors [Mitscherlich] bei Architekten und Stadtplanern angerichtet haben? Betreibt einer mit Energie die Transformation der Ausbildung, die nachhaltig und uneingeschränkt für die Ideologisierung der Architektur und des Architektenberufs sorgt?” (Neitzke 1971: 164)

    Die zentrale Rolle, die Berndt/Lorenzer/Horn (1968) Architekt_innen in der Schaffung besserer gesellschaftlicher Verhältnisse durch die Planung und den Bau besserer Stadträume zuweisen, lehnt Neitzke ab. Und er sieht auch wenig Nützliches in der Stadtteilarbeit, was über eine Agitation der Arbei­ter_in­nen hinausgeht, beziehungsweise in experimentellen Lehrformaten, die eine neue Architektur- und Planungspraxis zum Ziel hatten. Im Gegenteil: Architektur und Städtebau können laut Neitzke lediglich dazu beitragen, die kapitalistischen Widersprüche erträglicher zu machen, was letztlich die proletarische Revolution hinauszögere:

    „Im Geist des revolutionären Marxismus-Leninismus gibt es an der Architekturfront wenig zu tun. Denn solange das schöpferische Sub­jekt darauf besteht, einen Beitrag zur Auflösung gesellschaftlicher Wider­sprüche, sei es durch projektierte, sei es durch realisierte Archi­tek­tur, zu leisten, solange Architekten noch glauben, theoretische Schwie­rig­kei­ten in der Rezeption gesellschaftlicher Widersprüche im Rekurs auf das scheinbar Einfache und Positive, das Gebäude nämlich (oder struk­tu­rel­le Stadtplanung) überwinden zu können, solange wird die Bourgeoisie im Architekten den Gestalter ihrer Städte erblicken.” (Neitzke 1971: 165)

    Für Architekt_innen gäbe es im Prinzip erst dann wieder eine Aufgabe, wenn die proletarische Revolution erfolgt und der Klassenkampf gewonnen sei. Architektur selbst könne nie revolutionär sein, außer sie diskutiere die Situation der Proletarier:

    „Die Beschäftigung mit utopischen Wohnformen, die den Studenten die revo­lutionäre Seite der Architektur vorgaukelt, verkommt zur kunstgeschichtlichen Übung, wenn nicht politische Praxis und Organisation derer diskutiert werden, für die die utopischen Entwürfe des besseren Lebens in der sozialistischen Gesellschaft ersonnen werden.” (Neitzke 1971: 172)

    Grund für diese skeptische Haltung ist der als übermächtig verstandene Kapitalismus, der weder Alternativen noch ein Außen zulässt. Jegliche Arbeit an einer neuen Gesellschaft sei im Kapitalismus zum Scheitern verurteilt; Hoffnung bestehe aber angesichts der sich im Zuge von 1968 äußernden städtischen Proteste:

    „Auf dem Boden, den das Monopolkapital bereitstellt und auf welchem es sich nicht zuletzt selbst erhebt, kann die Verwirklichung einer neuen Gesellschaft […], nicht vorbereitet werden. Die großen Städte des Westens […] sind allerdings der Boden für die Konzentration der revolutionären Kräfte zur Zerschlagung des kapitalistischen Staats.“ (Neitzke 1971: 165)

    Insbesondere die städtischen Proteste der französischen Studierenden und Arbeiter_innen geben laut Neitzke einen Vorgeschmack auf das, was nach der Überwindung des Kapitalismus kommen könnte: „In den vom Kapital verwüsteten Städten werden die revolutionären Massen die sozialistische Gesellschaft errichten auf der Grundlage der Erfahrungen im Klassenkampf. Ihre Städte werden das Resultat ihrer Kämpfe sein.“ (Neitzke 1971: 165) An die Stelle der Hoffnung auf eine andersartige Gestaltung der Gesellschaft mit den Mitteln von Architektur und Städtebau, die bei den Sozialpsycholog_innen im Vordergrund steht, tritt also – relativ voraussehbar – bei den marxistischen Kritiker_innen der Klassenkampf.

  • Fazit
  • Die Spaltungen der Linken um 1968 sind schon fast zu einem zeitgeschichtlichen Klischee geworden. Und doch lohnt es sich, die Positionen in einzelnen Kontexten noch einmal näher anzusehen, denn in gewisser Weise scheinen diese auf unterschiedliche Arten nachzuwirken. Noch heute werden zum Beispiel funktionalistische Gebäude und Stadtteile abgerissen mit dem Ver­weis auf eine mangelnde Identifikationsfähigkeit. Dies zeigt sich etwa in den Diskussionen um den Abriss des Technischen Rathauses in Frankfurt am Main und den Wiederaufbau der Altstadt. Die Argumentationsmuster – auch wenn sie hauptsächlich von Zielen des Stadtmarketings getragen sein mögen – sind mit denen der Sozialpsycholog_innen aus dem Sigmund-Freud-Institut Ende der 1960er Jahre vergleichbar. Ähnliches gilt für die vielen Abrisse von Großwohnsiedlungen, die auch heute – trotz eines kleinen Revivals von Standardisierung im Planen und Bauen – vor allem von einem ästhetischen Unbehagen getragen werden, das weiterhin unhinterfragt gestützt wird durch verbreitete Zuschreibungen von negativen Eigenschaften der Bewohner_innen.

    Ganz anders verhält es sich mit den radikal-marxistischen Positionen, die jegliche architektonische beziehungsweise bauliche Eingriffe oder Reformen im Hier und Jetzt ablehnen in der Hoffnung auf die große Revolution. Diese Positionen scheinen heute weitgehend marginalisiert. Woran liegt dies? Ist der Traum für eine radikal andere Gesellschaft verloren gegangen oder heute ungleich komplizierter geworden? Oder hat sich diese Hoffnung übertragen auf viele kleinere, konkrete Projekte und Initiativen, die für eine Stadt für alle kämpfen und diese räumlich begrenzt auch möglich machen? Spielt in diesen Kontexten die Gestaltung der Räume weiterhin keine Rolle, oder geht es hier und heute auch um die räumlich-ästhetische Gestaltung dieser konkreten Utopien?

    Endnoten

    1. [1] Viel näher geht keine_r der Autor_innen darauf ein, was schade ist, weil nicht unmittelbar nachvollziehbar wird, ob die aufgestellten Thesen empirisch begründet sind.
    2. [2] Der Verweis auf die „Eindimensionalität” nimmt Bezug auf eine damals sehr bekannte Publikation von Herbert Marcuse (1967) „Der eindimensionale Mensch: Studien zur Ideologie der fortgeschrittenen Industriegesellschaft“.

    Autor_innen

    Nina Gribat ist Stadt- und Planungsforscherin. Sie arbeitet zurzeit an international vergleichenden Forschungsprojekten, die sich mit Stadtentwicklungskonflikten, schrumpfenden Städten und den Studienreformen/-revolten um 1968 in der Architektur beschäftigen.

    gribat@eus.tu-darmstadt.de

    Literatur

    Berndt, Heide (1968): Ist der Funktionalismus eine funktionale Architektur? Soziologische Betrachtungen einer architektonischen Kategorie. In: Heide Berndt / Alfred Lorenzer / Klaus Horn (Hg.), Architektur als Ideologie. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 9-50.

    Berndt, Heide / Lorenzer, Alfred / Horn, Klaus (Hg.) (1968): Architektur als Ideologie. Frankfurt/Main: Suhrkamp.

    Gribat, Nina (2017): Selbstorganisiertes und politisches Lernen und Lehren in der Architektur an der TU Berlin um 1968. In: Nina Gribat / Philipp Misselwitz / Matthias Görlich (Hg.), Vergessene Schulen: Architekturlehre zwischen Reform und Revolte um 1968. Leipzig: Spector Books, 325-337.

    Gribat, Nina / Misselwitz, Philipp / Görlich, Matthias (Hg.) (2017): Vergessene Schulen: Architekturlehre zwischen Reform und Revolte um 1968. Leipzig: Spectorbooks.

    Helms, Hans G. / Janssen, Jörn (Hg.) (1971): Kapitalistischer Städtebau. Neuwied; Berlin: Sammlung Luchterhand.

    Horn, Klaus (1968) Zweckrationalität in der modernen Architektur. Zur Ideologiekritik des Funktionalismus. In: Heide Berndt / Alfred Lorenzer / Klaus Horn (Hg.), Architektur als Ideologie. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 105-152.

    Lorenzer, Alfred (1968): Städtebau: Funktionalismus und Sozialmontage? Zur sozialpsychologischen Funktion der Architektur. In: Heide Berndt / Alfred Lorenzer / Klaus Horn (Hg.), Architektur als Ideologie. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 51-104.

    Marcuse, Herbert (1967): Der eindimensionale Mensch: Studien zur Ideologie der fortgeschrittenen Industriegesellschaft. Neuwied/Berlin: Sammlung Luchterhand.

    Mitscherlich, Alexander (1965): Die Unwirtlichkeit unserer Städte. Anstiftung zum Unfrieden. Frankfurt am Main: Suhrkamp.

    Neitzke, Peter (1971): Die Agenten der Kulturkritik isolieren! Anweisung zum richtigen Verständnis von Schriften, die nur Verwirrung stiften. In: Hans G. Helms / Jörn Janssen (Hg.), Kapitalistischer Städtebau. Neuwied/Berlin: Sammlung Luchterhand. 163-176.