sub\urban. zeitschrift für kritische stadtforschung 2025, 13(2/3), 137-165

doi.org/10.36900/suburban.v13i2/3.1027

zeitschrift-suburban.de

CC BY-SA 4.0

Ersteinreichung: 15. November 2024

Veröffentlichung online: 21. November 2025

„Neue“ Ankunftsräume zwischen Inklusion und Exklusion

Eine Literaturanalyse räumlicher Zuzugsmuster in Europa

Hannah Brill, Heike Hanhörster, Nils Hans, Miriam Neßler, Isabel Ramos Lobato

In diesem Beitrag werden die räumlichen Auswirkungen der zunehmenden Diversifizierung von Migrationsprozessen analysiert. Im Fokus stehen dabei sich neu formierende Ankunftsräume in Europa jenseits „traditioneller“ urbaner Migrationszentren. Auf Basis einer systematischen Literaturanalyse lassen sich fünf zentrale Dimensionen identifizieren, die die Ankunftsbedingungen für Neuzugewanderte vor Ort prägen: staatliche Interventionen und Integrationsregime, der Zugang zu Wohnraum, lokale Beschäftigungsmöglichkeiten, soziale Netzwerke und die Ausstattung mit sozialen Infrastrukturen und Dienstleistungen. Die Analyse zeigt, dass raumstrukturelle Merkmale wie Größe oder Lage allein keine ausreichenden Erklärungen für die Variationen in den Ankunftsbedingungen liefern. Vielmehr ergibt sich in jedem Ankunftsraum eine spezifische Kombination lokaler, institutioneller und gesellschaftlicher Faktoren, die den Zugang zu Teilhabechancen wesentlich beeinflussen. Der Beitrag plädiert für einen differenzierten Blick auf lokale Ankunftskontexte im Sinne des local turn in der Migrationsforschung, der die komplexen Wechselwirkungen zwischen lokalen und überörtlichen Bedingungen berücksichtigt.

An English abstract can be found at the end of the document.

1. Einleitung

Im Zuge des local turn wird argumentiert, dass die Ankunftsprozesse Neuzugewanderter auch von den spezifischen Charakteristika der jeweiligen Lokalität geprägt sind: „The relative positioning of a city within hierarchical fields of power may well lay the groundwork for the differential life chances and incorporation opportunities of migrants locally and transnationally.“ (Çağlar/Glick Schiller 2011: 11) Eine Reihe von Studien aus der (geographischen) Migrationsforschung, der (Stadt-)Soziologie und der räumlichen Planung weist darauf hin, dass Neuzugewanderte zunehmend auch an Orten ankommen, die bislang vergleichsweise wenig von Migration geprägt waren und deshalb wenig Erfahrung im Umgang mit Menschen mit Zuwanderungsgeschichte und Diversität aufweisen (Winders 2014; Barberis/Pavolini 2015; McAreavey/Argent 2018; Boost/Oosterlynck 2019; El-Kayed et al. 2020; Glorius/Bürer/Schneider 2021; El-Kayed/Keskinkılıç 2023; Gerten et al. 2023). Dabei stellt sich die Frage, welche Ankunftsbedingungen Neuzugewanderte in diesen sich dynamisch entwickelnden „neuen“ Ankunftsräumen vorfinden. Unter den Ankunftsbedingungen werden soziale, wirtschaftliche, räumliche und institutionelle Faktoren – wie die Verfügbarkeit von Wohnraum, Arbeitsplätzen, Unterstützungsnetzwerken und lokalen Infrastrukturen – verstanden, die den Zugang zu „funktionalen, sozialen und symbolischen Ressourcen“ (Hanhörster/Wessendorf 2020: 4; Übers. d. A.) maßgeblich beeinflussen.

Auf Basis einer systematischen Analyse der vorhandenen Literatur im europäischen Kontext formulieren wir übergreifende Aussagen zu den Ursachen und Bedingungen des Ankommens in „neuen“ Ankunftsräumen. Dabei wird untersucht, welche räumlichen, politischen und sozialen Merkmale die lokalen Ankunftsbedingungen prägen und wie sich diese auf die Teilhabe von Neuzugewanderten auswirken. Die Forschung im europäischen Kontext hat sich bislang vorwiegend auf eher „traditionelle“ Ankunftsquartiere in Metropolen und (Groß-)Städten konzentriert, die seit Langem stark von internationaler Zuwanderung geprägt sind (Hans et al. 2019; Schillebeeckx/Oosterlynck/De Decker 2019). Diese urbanen Räume verfügen in der Regel über gewachsene Infrastrukturen, vielfältige ankommensrelevante Angebote und ausgeprägte (migrantische) soziale Netzwerke, was sie zu wichtigen Ankunftsorten für Neuzugewanderte macht. In den Debatten wird dabei die Bedeutung dieser Quartiere für die Gesamtstadt und die Region betont.

Erst in den letzten Jahren haben sich Forschungen zunehmend auch auf die „geographische Reskalierung von Einwanderungsprozessen“ konzentriert (Barberis/Pavolini 2015: 17; Übers. d. A.). Dabei wird gefordert, die Migrationsforschung zu „de-urbanisieren“ (Flamant/Fourot/Healy 2020: 4; Übers. d. A.) und die spezifischen Ankunftsbedingungen in sogenannten „non-typical immigrant neighborhoods“ (El-Kayed/Keskinkılıç 2023), „new arrival neighborhoods“ (El-Kayed et al. 2020), „new immigration destinations“ (McAreavey/Argent 2018), „non-traditional migrant destinations“ (Kreichauf 2015) oder „non-gateway cities“ (Boost/Oosterlynck 2019) verstärkt zu fokussieren. Während diese Zuwanderung abseits der „Immigrant-Gateway-Cities“ (Ley/Murphy 2001) beispielsweise im US-amerikanischen Kontext bereits seit längerer Zeit untersucht wird (Lichter/Johnson 2006; Singer 2008; Winders 2012), handelt es sich im europäischen Kontext um einen relativ neuen Forschungsgegenstand. Eine besondere Relevanz ergibt sich für den europäischen Kontext, da Europa in den vergangenen Jahren – rein quantitativ betrachtet – zu einer der wichtigsten Destinationen internationaler Migration geworden ist (McAuliffe/Oucho 2024). Diese Stellung im globalen Migrationsgeschehen sowie die ausgeprägte intraregionale Mobilität machen den Kontinent zu einem zentralen Untersuchungsraum für sich wandelnde Ankunftsbedingungen und neue räumliche Muster von Migration.

Folgende Fragestellungen sollen mit dem Artikel beantwortet werden: (1) Welche unterschiedlichen „neuen“ Ankunftsräume werden in der Literatur beschrieben? (2) Welche Dynamiken beeinflussen die Ausprägung und Veränderung räumlicher Zuwanderungsmuster? (3) Welche lokalen Bedingungen beeinflussen den Ankunftsprozess von Neuzugewanderten in „neuen“ Ankunftsräumen?

Die in der Literatur untersuchten „neuen“ Räume der Zuwanderung umfassen eine Breite verschiedener räumlicher Kontexte und lassen sich nach der Größe der Kommune und ihrer Lage sowie den wirtschaftlichen und demographischen Strukturen differenzieren. Sie reichen von suburbanen Gebieten und kleineren Städten im Einzugsbereich von Großstädten bis hin zu kleineren Städten und Gemeinden in ländlichen Räumen. Diese Merkmale, so zeigt unser Artikel, sind jedoch nicht allein entscheidend dafür, die Ausprägung und die divergierenden Ankunftsbedingungen von Neuzugewanderten zu erklären. Es werden fünf Dimensionen identifiziert, die eine differenziertere Annäherung an die unterschiedlichen Ankunftsbedingungen in „neuen“ Ankunftsräumen ermöglichen: a) staatliche Interventionen und lokale Integrationsregime, b) Zugang zu Wohnraum, c) lokale Beschäf­tigungsmöglichkeiten, d) soziale Netzwerke sowie e) die Ausstattung mit sozialen Infrastrukturen und Dienstleistungen (vgl. Glorius/Bürer/Schneider 2021; El-Kayed/Keskinkılıç 2023).

Unser Beitrag gliedert sich wie folgt: Im Anschluss an die Methodik (Kapitel 2) werden die in der Literatur beschriebenen „neuen“ Ankunfts­räume anhand raumstruktureller Merkmale differenziert (Kapitel 3). Darauffolgend werden die Ursachen und Bedingungen des Ankommens in „neuen“ Ankunftsräumen und der Zugang zu gesellschaftlichen Ressourcen für Neuzugewanderte anhand der fünf Analysedimensionen (a-e, siehe oben) dargelegt (Kapitel 4). Im Fazit werden schließlich die Ergebnisse zusammengefasst und auf Forschungslücken verwiesen (Kapitel 5).

2. Methodik

In die Literaturanalyse wurden verschiedene akademische Plattformen und Datenbanken wie Google Scholar, JSTOR und ResearchGate einbezogen. Zudem wurde das Tool Research Rabbit, eine auf künstlicher Intelligenz basierende Recherchehilfe, genutzt, um nach relevanten Arbeiten zu suchen und Vorschläge für weiterführende Literatur zu erhalten. Die Literaturrecherche erfolgte in einem zweistufigen Prozess (vgl. Fink 2014). Gesucht wurde zunächst anhand spezifischer Begrifflichkeiten wie „new immigrant destinations“, „new arrival neighbourhoods“, „non-gateway cities“, „new arrival infrastructures“ (sowie entsprechenden deutschen Begriffen). Das Ziel dieser ersten Phase war es, Publikationen zu identifizieren, die explizit neue geographische Migrationsmuster und Ankunftsräume thematisieren und in denen diese neuen Ankunftsorte konzeptionell adressiert werden. Dabei wurden insgesamt 20 Arbeiten erfasst[1].

In einer zweiten Phase wurde die Suche gezielt ausgedehnt, um weitere relevante Arbeiten zu identifizieren, die sich mit den räumlichen Kontexten „neuer“ Ankunftsdynamiken befassen, jedoch ohne zwingend die Begriffe „new immigration destination“ oder „new arrival spaces“ zu verwenden. Zum einen wurde eine Schneeballsuche (Petticrew/Roberts 2006), ausgehend von den Literaturverzeichnissen der bereits gefundenen Studien, durchgeführt. Zum anderen wurden weitere Schlagwörter wie „new diversity“, „migration/arrival/cosmopolitanism“ in Verbindung mit „small towns“/„mid-sized cities“/„rural/suburban areas“, „non-metropolitan-areas“ und „shrinking areas“ zur Suche herangezogen.

Die analysierten Arbeiten und ihre Zuordnung nach Ländern und räumlichen Kontexten sind in Tabelle 1 dargestellt. Insgesamt decken die Studien ein breites Spektrum räumlicher Kontexte ab und umfassen sowohl Groß- und Mittelstädte als auch kleinere Städte und ländliche Regionen in Europa, wobei ein Schwerpunkt auf kleineren und ländlichen Kommunen mit bislang sehr geringer Migrationserfahrung liegt. Geographisch konzentrieren sich die Arbeiten überwiegend auf Fallbeispiele aus Mittel- und Westeuropa, während Ankunftsräume in Nord-, Süd- und Osteuropa bislang seltener untersucht wurden. Inhaltlich untersuchen die betrachteten Studien verschiedene Typen von Migration. Ein Großteil bezieht sich auf Fluchtzuwanderung, insbesondere nach 2015. Andere Studien beschäftigen sich mit Arbeits-, Bildungs- und Binnenmigration innerhalb Europas. Um aktuelle Entwicklungen in der Forschung zu berücksichtigen, wurde ein Fokus auf die Jahre 2009 bis 2024 gelegt und hier primär auf Arbeiten der letzten zehn bis fünfzehn Jahre. Insbesondere seit 2015 nimmt die Auseinandersetzung mit „neuen“ Ankunftsräumen im europäischen Kontext deutlich zu.

Länder

Groß- und Mittelstädte

Kleinere Städte und ländliche Regionen

Verschiedene räumliche Kontexte/kein Raumbezug

Deutschland

  • Adam et al. (2019)
  • Adam et al. (2020)
  • Çağlar/Glick Schiller (2021)
  • El-Kayed et al. (2020)
  • El-Kayed/Keskinkılıç (2023)
  • Gerten et al. (2023)
  • Hinger/Schäfer (2019)
  • Räuchle/Schmiz (2019)
  • Schemschat (2021)
  • Steigemann (2019)
  • Bock (2018)
  • Gasch/Schneider (2024)
  • Glorius et al. (2020)
  • Glorius et al. (2023)
  • Khalil/Kohler/Tjaden (2022)
  • Kordel/Weidinger/-Spenger (2023)
  • Kreichauf (2015)
  • Kreichauf (2023)
  • Mehl et al. (2023)
  • Schäfer/Henn (2023)
  • Schammann et al. (2023)
  • Schneider (2022)
  • Schneider (2024)
  • Weidinger/Kordel (2023)
  • Younso/Schammann (2023)
  • Aksoy/Poutvaara/Schikora (2023)
  • Enßle-Reinhardt/Schneider/ Glorius (2022)
  • Glorius/Bürer/Schneider (2021)

Spanien

  • Alonso-Pardo/Oso/Santaballa (2023)
  • Garzon (2015)
  • Sampedro/Camarero (2018)

Italien

  • De Vidovic/Bovo (2023)
  • Cremaschi/Albanese/Artero (2020)
  • Cappati/Alonso-Fradejas (2024)
  • Bonizzoni/Marzorati (2015)
  • Lomonaco et al. (2023)
  • Bolzoni/Donatiello/Giannetto (2022)
  • Bona/Mitterhofer/Mair (2024)

Niederlande

  • Counihan/van Winden (2022)
  • Meier (2018)
  • Saunders (2018)
  • van Liempt/Miellet (2021)
  • Ulceluse/Bock/Haartsen (2022)
  • Baalbergen et al. (2024)

Frankreich

  • Arfaoui (2019)
  • Deschamps et al. (2020)
  • Gardesse/Lelévrier (2020)
  • Martin (2020)

Großbritannien

  • Doyle (2018)
  • Garner (2013)

Schweden

  • Cvetcovic (2009)
  • Haandrikman/Hedberg/Chihaya (2024)
  • Vogiazides/Mondani (2021)

Portugal

  • Cabral/Swerts (2021)
  • Diogo (2024)

Belgien

  • Boost/Oosterlynck (2019)
  • El Moussawi/Schuermans (2020)
  • Wyckaert/Leinfelder/De Decker (2021)

Finnland

  • Hewidy/Lilius (2022)

Norwegen

  • Rye/Slettebak (2020)

Irland

  • McAreavey (2017)
  • Woods (2018)

Verschiedene Länder/ohne Länderbezug

  • Schemschat (2024)
  • McAreavey/Argent (2018)
  • Bianchi et al. (2023)
  • Meijer/Popławska/Szytniewski (2023)
  • Patuzzi/Andriescu/Pietropolli (2020)
  • Svynarets et al. (2022)
  • Baberis/Pavolini (2015)
  • Lichter/Parisi/Ambinakudige (2020)
  • Moralli/Pachocka/Leung (2023)
  • Oliver et al. (2020)
  • Schweitzer/Garcés-Mascareñas (2022)
Tab. 1 Übersicht des Literaturkorpus nach Ländern und räumlichen Kontexten (Quelle: eigene Zusammenstellung)

Bei der Auswahl der Beiträge wurde ein interdisziplinärer Ansatz verfolgt und Arbeiten zum Beispiel aus den Bereichen der (geographischen) Migrationsforschung, der (Stadt-)Soziologie und der räumlichen Planung einbezogen. Hierbei handelt es sich größtenteils um referierte internationale Zeitschriftenartikel, aber auch Monographien, Sammelbände und Ergebnisdarstellungen aus aktuellen Forschungsprojekten. Die Literatur umfasst sowohl qualitative als auch quantitative Studien, wobei die Mehrzahl einer qualitativen Herangehensweise folgt. Insgesamt wurden 74 relevante Publikationen in die Literaturanalyse einbezogen.

Die in beiden Suchphasen identifizierte Literatur wurde anschließend strukturiert. Dabei erfolgte eine Kategorisierung entlang raumstruktureller Merkmale (siehe Kapitel 3): Größe der Kommune, Lage im Raum und wirtschaftliche sowie demographische Strukturen. Im Anschluss wurde eine inhaltliche, induktive Analyse der Literatur vorgenommen (siehe Kapitel 4). Dabei ließen sich wiederkehrende thematische Schwerpunkte herausarbeiten, aus denen fünf zentrale Analysedimensionen abgeleitet wurden: a) staatliche Interventionen und Integrationsregime, b) Zugang zu Wohnraum, c) lokale Beschäftigungsmöglichkeiten, d) soziale Netzwerke sowie e) Ausstattung mit sozialen Infrastrukturen und Dienstleistungen. Diese Dimensionen bildeten die Grundlage für die vertiefte inhaltliche Auswertung der Literatur und die nachfolgende Analyse der Entstehung von sowie der Ankunftsbedingungen in „neuen“ Ankunftsräumen.

3. Raumstrukturelle Merkmale „neuer“ Ankunftsräume

In den letzten Jahren haben sich die Muster der Zuwanderung merklich gewandelt und die geographischen Kontexte der Zuwanderung ausgeweitet[2]. Die wissenschaftliche Auseinandersetzung konzentriert sich zunehmend auf die Bedingungen, unter denen Zuwandernde in diesen neuen Räumen ankommen. Dabei sind die untersuchten Räume divers und beschreiben eine Reihe unterschiedlicher räumlicher Kontexte. Im Folgenden werden die in der Literatur untersuchten Räume anhand der Größe, der Lage im Raum sowie der wirtschaftlichen und demographischen Struktur beschrieben.

3.1. Größe der Kommune

Ein erstes, häufig erwähntes raumstrukturelles Merkmal ist die Größe der Kommune. Diese wird dabei nicht nur an der Einwohner_innenzahl oder an der Ausdehnung einer Stadt festgemacht (Bettencourt/Lobo 2016), sondern auch metaphorisch oder funktional interpretiert. Im Fokus der Forschung zu „neuen“ Ankunftsräumen stehen kleine(-re) Städte und Kommunen, die bislang nur wenig Erfahrung mit Zuwanderung haben und durch eine geringe Ausstattung mit Infrastrukturen und Angeboten gekennzeichnet sind (z. B. Garner 2013; Kreichauf 2015; Woods 2018; Deschamps et al. 2020; Flamant/Fourot/Healy 2020; Gardesse/Lelévrier 2020; Patuzzi/Andriescu/Piotropolli 2020). Andere Arbeiten beschäftigen sich mit neueren Migrationsbewegungen in mittelgroßen Städten (Bonizzoni/Marzorati 2015; Meier 2018; Steigemann 2019; Adam et al. 2019, 2020; Schemschat 2021, 2024). Teils werden sowohl kleinere Kommunen als auch Mittelstädte vergleichend betrachtet (van Liempt/Miellet 2021; Wyckaert/Leinfelder/De Decker 2021; Bolzoni/Donatiello/Giannetto 2022; Enßle-Reinhardt/Schneider/Glorius 2022; Schweitzer/Garcés-Mascareñas 2022). In selteneren Fällen werden kleinere Großstädte (Çağlar/Glick Schiller 2021; Tzaninis 2020; Hinger/Schäfer 2019) sowie Stadtteile in Großstädten in den Fokus gerückt (Gerten et al. 2023).

3.2. Lage im Raum

Ein zweites Unterscheidungsmerkmal „neuer“ Ankunftsräume ist ihre Lage im Raum. So werden die beschriebenen Ankunftsräume im Kontinuum zwischen Zentralität und Peripherie verortet. Die beschriebenen Räume reichen von gut angebundenen Kommunen bis hin zu weit abgelegenen, peripheren Orten.

Ein sich in den letzten Jahren dynamisierender Forschungszweig[3] beschäftigt sich mit ländlichen und zum Teil peripher gelegenen Räumen, die durch die Zuwanderung von internationalen Arbeitsmigrant_innen und die Zuweisung von Geflüchteten oder Asylsuchenden tiefgreifende strukturelle Veränderungen erfahren (Woods 2018). Dadurch entstehen „neue“ Ankunftsräume in ländlichen Gebieten unterschiedlicher europäischer Regionen (Cvetcovic 2009; McAreavey 2017; Bock 2018; Doyle 2018; Flamant/Fourot/Healy 2020; Rye/Slettebak 2020; Cabral/Swerts 2021; Schneider 2022; Glorius et al. 2023; Weidinger/Kordel 2023; Haandrikman/Hedberg/Chihaya 2024; Diogo 2024).

Eine besonders dynamische Form der Peripherisierung und räumlichen Ausgrenzung wird bei der fortschreitenden „Campization“ (Kreichauf 2018) deutlich. Dabei werden Menschen mit Fluchtgeschichte, aber auch Saisonarbeitende (Ulceluse/Bock/Haartsen 2022) in großen, oft abseits gelegenen Unterkünften, wie beispielsweise in umfunktionierten Gebäuden wie ehemaligen Militärkasernen oder Industriegebäuden, untergebracht (Zill et al. 2020; Devlin 2021; Lakševics et al. 2023). Diese „gezwungene Verortung“ (Kreichauf 2015: 5; Übers. d. A.) Zugewanderter in Gemeinschaftsunterkünften in häufig peripher gelegenen Räumen wird durch verpflichtende Verteilungsmechanismen der jeweiligen Länder gefördert.

Darüber hinaus werden auch Gebiete in der Nähe von großen Städten oder im suburbanen Raum von Großstädten, die durch eine gute ÖPNV-Anbindung und Erreichbarkeit zentraler Infrastrukturen gekennzeichnet sind (Tzaninis 2015; Boost/Oosterlynck 2019; Tzaninis 2020; Zhuang 2024), unter dem Stichwort „neuer“ Ankunftsräume betrachtet (El-Kayed et al. 2020; De Vidovic/Bovo 2023; Gerten et al. 2023).

3.3. Wirtschaftliche und demographische Struktur

Die in der Literatur betrachteten „neuen“ Ankunftsräume lassen sich als Drittes bezüglich ihrer wirtschaftlichen und demographischen Struktur unterscheiden (vgl. z. B. Räuchle/Schmiz 2019: „economy and positioning“; Enßle-Reinhardt/Schneider/Glorius 2022: „demographic profile“). Während nur wenige Untersuchungen wirtschaftlich prosperierende Gebiete betrachten (vgl. Tzaninis 2020; Enßle-Reinhardt/Schneider/Glorius 2022), beschäftigen sich zahlreiche Studien mit Regionen, die unter Begriffen wie „downscaled cities“ (Çağlar/Glick Schiller 2011) oder „low-scale towns“ (Garzon 2015) beziehungsweise „peripheral and shrinking areas“ (Meijer/Popławska/Szytniewski 2023) zusammengefasst werden. Diese Studien untersuchen die Herausforderungen und Möglichkeiten in Gebieten, die von Schrumpfungsprozessen betroffen sind, wie zum Beispiel wirtschaftlicher Stagnation, Alterungsprozessen sowie Bevölkerungsabwanderung. Diese Regionen werden auch als „left-behind places“ (vgl. z. B. Pike et al. 2023; Rodríguez-Pose 2018) beschrieben. Die komplexe Wechselwirkung zwischen wirtschaftlicher Lage, demographischem Wandel und der Bedeutung von Zuwanderung in diese Gebiete werden (bspw. von Räuchle/Schmiz 2019; Cappati/Alonso-Fradejas 2024; Lomonaco et al. 2023 sowie Schemschat 2021, 2024) detailliert analysiert.

Zudem unterscheiden sich die betrachteten Räume demographisch in Bezug auf die bisherige Intensität von Migrationserfahrungen (vgl. van Liempt/Miellet 2021; Enßle-Reinhardt/Schneider/Glorius 2022). Während einige Orte bereits über eine mehr oder weniger ausgeprägte beziehungsweise sichtbar wahrgenommene Zuwanderungstradition verfügen, waren andere bislang kaum durch internationale Migration geprägt. Allen gemein ist jedoch, dass dort „neue Formen der Diversität“ ausgehandelt werden, wie Norma Schemschat (2021: 11; Übers. d. A.) betont.

Deutlich wird, dass die in der Literatur beschriebenen „neuen“ Ankunftsräume äußerst heterogen sind in Bezug auf Größe, Lage im Raum sowie wirtschaftliche und demographische Struktur. Besonders häufig werden jedoch kleinere Städte und ländliche Regionen thematisiert, die bislang wenig Migrationserfahrung aufweisen und nun tiefgreifende strukturelle Veränderungen erleben. Inwiefern die beschriebenen raumstrukturellen Merkmale aber auch entscheidende Faktoren zur Erklärung variierender Ankunftsbedingungen sind, wird im folgenden Kapitel näher beleuchtet.

4. Ursachen und Bedingungen des Ankommens in „neuen“ Ankunftsräumen

Raumstrukturelle Merkmale wie Größe, Lage oder wirtschaftliche und demographische Bedingungen dienen häufig zur Charakterisierung „neuer“ Ankunftsräume. Die Literaturanalyse zeigt jedoch interessanterweise, dass es sehr unterschiedliche Ankunftsbedingungen in Gebieten mit ähnlichen raumstrukturellen Merkmalen gibt. Um diese Varianz zu fassen, schlagen wir fünf Dimensionen vor, die sowohl die Entstehung „neuer“ Ankunftsräume fördern als auch die lokalen Ankunftsbedingungen prägen: a) staatliche Interventionen und Integrationsregime, b) Zugang zu Wohnraum, c) lokale Beschäftigungsmöglichkeiten, d) soziale Netzwerke und e) materielle Infrastrukturen und Dienstleistungen.

4.1. Staatliche Interventionen und Integrationsregime

Ein erster wesentlicher Einflussfaktor für die lokalen Ankunftsbedin­gungen sind staatliche Interventionen im Bereich der (Migrations-)Politik und (lokale) Integrationsregime.

Diese Interventionen auf verschiedenen territorialen Ebenen (Schol­ten/Penninx 2016) können als politische Kontrollmechanismen gegenüber Migrant_innen verstanden werden. Staatliche Behörden setzen die Förderung sowohl von Mobilität als auch Immobilität gezielt ein, um Migrant_innen zu kontrollieren (Tazzioli 2020). Eine zentrale Rolle spielen hierbei Verteilungsmechanismen, die insbesondere im Asyl- und Fluchtkontext Anwendung finden[4]. Quotensysteme auf nationaler Ebene sollen die regionale Verteilung von Menschen mit Fluchtgeschichte regeln, so beispielsweise in Deutschland (Kreichauf 2015), Frankreich (Flamant/Fourot/Healy 2020), Schweden (Vogiazides/Mondani 2021), Italien (Fratesi/Percoco/Proietti 2019), Großbritannien (Darling 2022) und den Niederlanden (van Liempt/Miellet 2021). Durch diese soll eine vermeintlich gerechte „Lastenteilung“ („burdensharing“, Flamant/Fourot/Healy 2020: 5) zwischen den Regionen und Kommunen angestrebt werden, vornehmlich im Hinblick auf monetäre Aspekte und Integrationsaufgaben. Darüber hinaus werden Verteilungsmechanismen auch als staatliche Strategie zur Bewältigung demographischer Ent­wicklungen wie Alterung, Schrumpfung, wirtschaftlicher Stagnation oder Niedergang aufgeführt (Meijer/Popławska/Szytniewski 2023). Allerdings geht die Zuweisung von Neuzugewanderten mit erheblichen emotionalen Belastungen und gesellschaftlichen Kosten einher (Aksoy/Poutvaara/Schikora 2023; Kreichauf 2023). In Ländern, in denen es keine Quotensysteme für die Verteilung von Asylsuchenden gibt, bilden sich alternative Geographien der Migration (Proietti/Veneri 2019) heraus, bei denen etabliertere Ankunftsräume stärker im Fokus stehen (El Moussawi/Schuermans 2020).

Neben den nationalstaatlichen Verteilungsmechanismen, die wesentlich zur Konstitution „neuer“ Ankunftsräume beitragen, prägen das lokale Integrationsregime und das Klima gegenüber Zuwanderung die Ankunftsbedingungen (Hinger/Schäfer 2019; Zill et al. 2020; Glorius/Bürer/Schneider 2021). Diese Regime unterscheiden sich etwa in ihren integrations- und wohnungspolitischen Ansätzen oder in der Ausrichtung von Stadtentwicklungskonzepten – beispielsweise hinsichtlich der Unterbringung von Menschen mit Fluchtgeschichte (Adam et al. 2020) oder der Umsetzung des Leitbilds der „sozialen Mischung“ (Lelévrier 2013). Damit eng verbunden wird unter dem Begriff der „receptivity“ die lokale Aufnahmebereitschaft diskutiert (Glorius/Bürer/Schneider 2021). Eine Unterscheidung hinsichtlich der raumstrukturellen Merkmale (siehe Kapitel 3) ist hier nur in geringem Maße ausschlaggebend. Vielmehr werden lokale Interventionen und das Klima hinsichtlich Zuwanderung stark von der politischen Landschaft, den Governance-Strukturen innerhalb der Kommune und den Einstellungen der ansässigen Bevölkerung geprägt (Oliver et al. 2020).

Auf der einen Seite werden Kommunen beschrieben, in denen die Stadtspitze und die kommunale Verwaltung Migration als Chance für demographische und wirtschaftliche Herausforderungen begreifen (Meijer/Popławska/Szytniewski 2023; Diogo 2024) und in denen sich die Bevölkerung durch eine offene Haltung gegenüber Neuzugewanderten auszeichnet (Lomonaco et al. 2023). Dort werden gezielt Strategien entwickelt, um den Zugang zur lokalen Wirtschaft und Gesellschaft zu erleichtern (Counihan/van Winden 2022). Unter dem Begriff der „welcoming spaces“ (Moralli/Pachocka/Leung 2023) werden Kommunen beschrieben, die durch eine intensive Zusammenarbeit die Teilhabe Einzelner und den sozialen Zusammenhalt fördern. Diese Strategien basieren auf einer starken lokalen Governance, in der Kommunalverwaltungen, Unternehmen und zivilgesellschaftliche Organisationen eng zusammenarbeiten.

Auf der anderen Seite werden auch Kommunen mit deutlich geringerer Aufnahmebereitschaft beschrieben, in denen es an einer koordinierten Strategie seitens der lokalen Behörden mangelt (Enßle-Reinhardt/Schneider/Glorius 2022; Meijer/Popławska/Szytniewski 2023). Dies trägt vielfach dazu bei, dass Neuzugewanderte Schwierigkeiten haben, regulären Wohnraum zu finden, und ihnen der Zugang zum Arbeitsmarkt und zu Bildungsangeboten erschwert wird (Deschamps et al. 2020; Gasch/Schneider 2024: 59). Darüber hinaus sind Rassismus, Stigmati­sierung und Anti-Migrations-Bewegungen in einigen dieser Regionen verbreitet (Kreichauf 2015; El-Kayed/Keskinkılıç 2023; Meijer/Popławs­ka/Szytniewski 2023). In extremen Fällen wird der Widerstand der Be­wohner_innen gegenüber Neuzugewanderten mit tief verwurzelten gesellschaftlichen Ängsten verknüpft. Demographische Veränderungen im Rahmen von Zuwanderung werden dabei mit Imaginationen über wirtschaftliche Konkurrenz, Instabilität und sozialen Zerfall assoziiert, was weitreichende negative Folgen für die Betroffenen mit sich bringt (Garner 2013; Steigemann 2019).

4.2. Zugang zu Wohnraum

Der Zugang zu bezahlbarem Wohnraum in „neuen“ Ankunftsräumen verstärkt vielfach den internationalen Zuzug und ist gleichzeitig ein entscheidender Faktor für das erfolgreiche Ankommen (Aigner 2019; Adam et al. 2021; Kordel/Weidinger/Spenger 2023). Wohnen ist dabei weit mehr als nur „ein Dach über dem Kopf“, nämlich ein zentraler Faktor für ein selbstbestimmtes Leben (El-Kayed/Keskinkılıç 2023: 364).

Durch die Aufwertung innerstädtischer Gebiete und die Verdrängung vulnerabler Bevölkerungsgruppen (Nickayin et al. 2020) müssen diese in weniger zentrale und suburbane Gebiete ausweichen (Bailey/Minton 2018; Hochstenbach/Musterd 2018; Wiedner/Schaeffer 2025). Viele Neuzugewanderte nehmen temporäre Wohnlösungen in Kauf (Boost/Oosterlynck 2019) und/oder suchen Wohnraum in weniger angespannten Wohnungsmärkten in „neuen“ Ankunftsräumen. Dies zeigt sich in kleineren Kommunen und ländlichen Gebieten (Martin 2020; Flamant/Fourot/Healy 2020; Schweitzer/Garcés-Mascareñas 2022; Diogo 2024), in suburban gelegenen Mittelstädten (Boost/Oosterlynck 2019; De Vidovic/Bovo 2023) und in Großwohnsiedlungen am Stadtrand (El-Kayed/Keskinkılıç 2023). Die Bezahlbarkeit von Wohnraum ist demzufolge ein entscheidender Grund für den Zuzug von Neuzugewanderten (Boost/Oosterlynck 2019: 161).

Der Zugang zu Wohnraum kann aber auch in weniger urbanen Gebieten eine erhebliche Hürde darstellen. So treten „räumliche Herausforderungen, die oft als städtische Phänomene beschrieben wurden“ (Schneider 2022: 435; Übers. d. A.), ebenfalls in peripheren und ländlichen Räumen auf. Wohnraumknappheit und Zugangsbarrieren sind also nicht ausschließlich urbane Problematiken. Zu den zentralen Ursachen zählen fehlende politische Strategien und mangelnder Wille auf kommunaler Ebene (Hinger/Schäfer 2019) sowie unzureichende Unterstützungsangebote für Neuzugewanderte bei der Navigation des Wohnungsmarkts (Wyckaert/Leinfelder/De Decker 2021). Auch das häufig vertretene Leitbild der „sozialen Mischung“, das sich nicht nur auf Großstädte beschränkt (vgl. Gardesse/Lelévrier 2020), kann Exklusion begünstigen. Darüber hinaus finden sich auch in mittelgroßen Städten (Counihan/van Winden 2022) und im ländlichen Raum (Younso/Schammann 2022; Bona/Mitterhofer/Mair 2024) Belege für Diskriminierung, insbesondere durch private Vermieter_innen. Oftmals befinden sich verfügbare Wohnungen in Randlagen mit schlechter Anbindung an den öffentlichen Verkehr (Weidinger/Kordel 2023). Auch prekäre Wohnverhältnisse, Überbelegung und informelle, unsichere Vermietungspraktiken werden für ländliche Räume beschrieben (Doyle 2018). In vielen ländlichen Regionen fehlt es darüber hinaus an öffentlichem Wohnungsbau (Deschamps et al. 2020; Fick et al. 2023; Weidinger/Kordel 2023).

4.3. Lokale Beschäftigungsmöglichkeiten

Lokale Arbeitsmärkte tragen wesentlich zur Ausweitung geographischer Zuwanderungsmuster bei. In ländlichen und weniger urbanen Gebieten Europas haben sich die Bedingungen auf dem Arbeitsmarkt in den letzten Jahrzehnten erheblich verändert (Rye/Slettebak 2020). Insbesondere im Niedriglohnsektor und in bestimmten Branchen wie der Landwirtschaft und lebensmittelverarbeitenden Industrien, der Bauindustrie, dem Tourismus und Gastgewerbe sowie der Care-Arbeit ist in vielen europäischen Ländern eine zunehmende Abhängigkeit von Arbeitsmigrant_innen festzustellen, die häufig durch prekäre Arbeitsverhältnisse sowie Saisonarbeit und damit temporäre Migration gekennzeichnet ist (Cabral/Swerts 2021; Bianchi et al. 2023). Diese häufig in weniger zentralen Gebieten verorteten Branchen sind auf ausländische Arbeitskräfte angewiesen, um ihre Existenz zu sichern (McAreavey/Argent 2018). In Reaktion auf wirtschaftlichen Niedergang, Alterung und Abwanderung versuchen einige Kommunen, gezielt internationale Arbeitskräfte anzuwerben. Dies geschieht oft in Zusammenarbeit mit Unternehmen und Personalvermittlungsagenturen (Cvetcovic 2009; Meijer/Popławska/Szytniewski 2023). Darüber hinaus werden zum Teil jedoch auch gezielt internationale Hochqualifizierte eingestellt, beispielsweise für Standorte im Bereich „neuer“ Informations- und Kommunikationstechnologien (Schäfer/Henn 2023).

Dabei werden die Bedingungen lokaler Beschäftigungsmöglichkeiten in „neuen“ Ankunftsräumen ambivalent beschrieben (Schammann et al. 2023). Neuzugewanderte können in ländlichen Regionen und „downscaled cities“ Zugang zu Arbeit finden (Garzon 2015; Schweitzer/Garcés-Mascareñas 2022: 46). Die Präsenz von Neuzugewanderten kann sich positiv auf die lokale Wirtschaft auswirken (Schemschat 2024), beispielsweise durch die Entstehung migrantischer Ökonomien (vgl. Çağlar/Glick Schiller 2021; Hewidy/Lilius 2022; Kordel/Sauerbrey/Weidinger 2022).

In Regionen, wo Vielfalt weniger ausgeprägt ist, bleibt allerdings auch die Akzeptanz von und die Nachfrage nach ethnischen Waren und Dienstleistungen gering (Räuchle/Schmiz 2019). Zusätzlich erschweren fehlende politische und symbolische Repräsentation die unternehmerische Tätigkeit von Migrant_innen. Weitere Barrieren zeigen sich in der mangelnden Übereinstimmung von den Qualifikationen neu zugewanderter Personen und den Anforderungen des Arbeitsmarkts. Michele Bianchi et al. (2023) beschreiben darüber hinaus ausbeuterische Praktiken gegenüber Zugewanderten – etwa in Form von illegaler Beschäftigung, informellen Arbeitsverhältnissen, überlangen Arbeitszeiten, niedrigen Löhnen sowie mangelhafter und häufig arbeitsplatznaher Unterbringung.

4.4. Soziale Netzwerke

Ein weiterer entscheidender Faktor zur Erklärung der Zuwanderungsmuster sind soziale (migrantische) Netzwerke (Phillimore/Humphris/Khan 2014): Die Kettenmigration (Macdonald/Macdonald 1964) erleichtert den Zugang zu Ressourcen in der neuen Umgebung. Zuwanderung findet folglich häufig in etablierten, urbanen Ankunftsquartieren statt, in denen sich bereits migrantische Gemeinschaften gebildet haben (Hans et al. 2019; Hanhörster/Wessendorf 2020). Jedoch zeigen Untersuchungen, dass sich solche Netzwerke zunehmend auch in weniger etablierten Gebieten herausbilden (Boost/Oosterlynck 2019; Alonso-Pardo/Oso/Santaballa 2023). Diese Netzwerke können zu einer Beschleunigung des Zuzugs in bisher weniger durch Migration geprägte Räume beitragen. Ein Beispiel hierfür ist die verstärkte Ansiedlung von ukrainischen Zuwander_innen außerhalb der „traditionellen“ Ankunftsgebiete (Hierro/Maza 2024).

Soziale Netzwerke und interpersonelle Beziehungen spielen gleichzeitig auch eine zentrale Rolle im weiteren Ankunftsprozess von Neuzugewanderten. Forschungen in „traditionellen“ Ankunftsräumen beschreiben die wichtige Bedeutung der räumlichen Nähe zu mi­grantischen Netzwerken für den Zugang zu Ressourcen (Hans 2023; Neßler/Tippel/Schneider 2024).

Über die migrantischen Netzwerke hinaus tragen die alltäglichen sozialen Interaktionen wie das Grüßen, Smalltalk oder gemeinsame Aktivitäten dazu bei, dass sich Neuzugewanderte anerkannt, willkommen und zugehörig fühlen (vgl. Kohlbacher/Reeger/Schnell 2015; Glorius et al. 2020; van Liempt/Miellet 2021). In mittleren und kleineren Städten gibt es zwar weniger spezifische Begegnungsangebote, doch durch die Überschaubarkeit der sozialen Beziehungen und die geringere Anonymität (Schneider 2024) sind diese teils stabiler und einfacher zu verstehen (Adam et al. 2019). Außerdem kann das Fehlen migrantischer Communitys dazu führen, dass Neuzugewanderte durch den vermehrten Kontakt mit Alteingesessenen die Sprache schneller erlernen (vgl. Khalil/Kohler/Tjaden 2022). Zivilgesellschaftliche Akteur_innen, insbesondere kirchliche Träger, NGOs und ehrenamtliche Helfer_innen, aber auch „lokale Schlüsselpersonen“ (Glorius et al. 2023: 111) spielen hier eine wichtige Rolle bei der Bereitstellung von Unterstützung, da staatliche oder kommunale Angebote oft fehlen (Bonizzoni/Mazorati 2015; Martin 2020; Meijer/Popławska/Szytniewski 2023). Besonders ältere Menschen und Rentner_innen bieten aufgrund ihrer zeitlichen Ressourcen als Ehrenamtliche wichtige Unterstützung für Neuzugewanderte (Martin 2020; Schemschat 2024). Diese Initiativen und Personen sind oft das Rückgrat für die Förderung von Neuzugewanderten (Adam et al. 2019: 42).

Allerdings kann das soziale Gefüge auch zu Isolation führen, insbesondere wenn unterstützende Netzwerke fehlen oder Vorurteile und Rassismus verbreitet sind (Deschamps et al. 2020; Bolzoni/Donatiello/Giannetto 2022). In Gebieten, die durch Abwanderung und Überalterung geprägt sind, werden zum Teil Überschneidungen von „Generations- und Migrationskonflikt[en]“ (Enßle-Reinhardt/Schneider/Glorius 2022: 73) konstatiert. Neuzugewanderte sehen sich zudem häufig ausgrenzenden Praktiken (Schneider 2024: 15) ausgeliefert und werden als „Fremde“ konstruiert. Die Zuweisung von Neuzugewanderten in bestimmte Regionen behindert den Anschluss an familiäre oder soziale Netzwerke, was negative Auswirkungen auf den Zugang zu gesellschaftlichen Ressourcen haben kann (Baalbergen et al. 2024). Didier Boost und Stijn Oosterlynck (2019) verweisen darauf, dass bei fehlenden lokalen Beziehungen häufig transnationale Beziehungen eine größere Rolle einnehmen. Zudem mangelt es in vielen ländlichen Gemeinden an interkultureller Sensibilität (Sampedro/Camarero 2018), was den Ankunftsprozess erschweren kann.

4.5. Ausstattung mit sozialen Infrastrukturen und Dienstleistungen

Die Ausstattung mit sozialen Infrastrukturen und Dienstleistungen ist eine weitere wichtige Dimension im Kontext der Ankunftsbedingungen von Neuzugewanderten, deren Verfügbarkeit sich in Teilen durch die Größe und Lage des Wohnortes erklären lässt (Enßle-Reinhardt/Schneider/Glorius 2022). So stehen in Großstädten und Metropolen in der Regel umfangreichere Angebote wie spezialisierte Sprachkurse, migrationsspezifische Beratungs- und interkulturelle Begegnungsangebote zur Verfügung, während diese in kleineren Städten und ländlichen Regionen oft begrenzt sind. In Mittelstädten gibt es zwar weniger örtliche Möglichkeiten zur (spontanen) Teilhabe, dennoch sind sie nicht abgeschottet vom Umland oder überregionalen Infrastrukturen (Meier 2018: 130; Übers. d. A.; Phillimore 2020). So gibt es dort durchaus differenzierte Angebote, die das Ankommen von Neuzugewanderten erleichtern können.

Auch wenn in diesen Räumen insgesamt weniger ankommensrelevante Infrastrukturen vorhanden sind, so stellen sich vorhandene Angebote zum Teil als leichter zugänglich und durch eine bessere Überschaubarkeit gekennzeichnet dar (Kreichauf 2015). Kürzere und direktere (soziale) Wege können zudem bürokratische Prozesse erleichtern und eine unkompliziertere und individuellere Bearbeitung von Zuwanderungsfragen ermöglichen (Patuzzi/Andriescu/Piotropolli 2020; Schweitzer/Garcés-Mascareñas 2022). Dabei spielen manchmal schon einzelne vorhandene Institutionen und Einrichtungen eine wichtige Rolle als „Brücken“ für Neuzugewanderte, über die sie Zugang zur lokalen Gemeinschaft finden (Sampedro/Camarero 2018). So übernehmen aufgrund des Mangels an spezialisierten Ankunftsinfrastrukturen in kleineren Städten und Gemeinden häufig andere öffentliche Einrichtungen wie Schulen und Bibliotheken die Aufgaben der Bereitstellung von Ressourcen für neu ankommende Menschen und können teilweise bestehende Lücken in der Versorgung schließen (Woods 2018). Zudem zeigen Studien, dass sich in vielen Kommunen, die erst seit kürzerer Zeit von Zuwanderung geprägt sind, neue (migrationsspezifische) Angebote entwickeln, neue Kooperationen entstehen und sich interkulturelle Kompetenzen weiterentwickeln (Woods 2018; Steigemann 2019; Svynarets et al. 2022; Meijer/Popławska/Szytniewski 2023). Auch können geringere behördliche Auslastungen der (Ankunfts-)Infrastrukturen, wie beispielsweise die Abwicklung von Aufenthaltsverlängerungen, zum Teil das Ankommen erleichtern.

Darüber hinaus wird der Zuzug von Neuzugewanderten in einigen Kommunen im Kontext der Revitalisierung von Infrastrukturen diskutiert (Alonso-Pardo/Oso/Santaballa 2023; Lomonaco et al. 2023; Schemschat 2024). Für Gebiete, die in den vergangenen Dekaden durch wirtschaftlichen Rückgang gekennzeichnet waren, werden Möglichkeitsräume beschrieben – wie beispielsweise leer stehende Immobilien, in denen Angebote und Dienstleistungen kostengünstig realisiert werden können. Betont wird des Weiteren die Möglichkeit der Mitnutzung urbaner ankommensrelevanter Angebote und Infrastrukturen, die in einigen Kommunen durch eine gute Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr gewährleistet wird (Cremaschi/Albanese/Artero 2020; Rye/Slettebak 2020; Tzaninis 2020).

Trotz der beschriebenen, potenziell ankommensfördernden Struk­turen in vielen „neuen“ Ankunftsräumen weisen diese häufig erhebliche infrastrukturelle Defizite auf, die sich in unterschiedlicher Form und Intensität manifestieren. So problematisieren einige Studien die Monofunktionalität bestimmter suburbaner Siedlungen sowie das Fehlen geeigneter Ankunftsinfrastrukturen in diesen Gebieten (Saunders 2018; El-Kayed et al. 2020; Gerten et al. 2023). Da diese Siedlungen oft primär auf Wohnnutzung ausgerichtet sind, wird die Integration weiterer städtischer Funktionen wie Bildung, Arbeit oder Freizeitgestaltung erschwert, und der Zugang zu relevanten Infrastrukturen – insbesondere zu migrationsspezifischen Angeboten für die Bewohner_innen – ist eingeschränkt. Fehlende ankommensrelevante Angebote werden auch für mittlere und kleinere, und speziell ländliche Kommunen hervorgehoben (van Liempt/Miellet 2021; Counihan/van Winden 2022; Mehl et al. 2023; Schammann et al. 2023). Wie Simone Gasch und Hanne Schneider (2024: 54) feststellen, „verweisen […] Forschungen in ländlichen Regionen auf höhere strukturelle Hürden als in urbanen Zentren mit dichteren Integrationsinfrastrukturen“. Insbesondere spezialisierte und weiterführende (Bildungs-)Angebote sind häufig nicht vorhanden (Schammann et al. 2023). In schrumpfenden Regionen und Gebieten, die von wirtschaftlichem Rückschritt betroffen sind, wird zudem auf strukturell-fiskalische Herausforderungen hingewiesen, beispielsweise in Bezug auf die Instandhaltung und Weiterentwicklung der Infrastruktur (Schemschat 2021). Auch sind einige Regionen von der Reduzierung oder Schließung allgemeiner öffentlicher Infrastrukturen wie Schulen, Bibliotheken oder anderer kultureller Angebote betroffen (Meijer/Popławska/Szytniewski 2023). In einigen Fällen werden diese Defizite durch DIY-Lösungen (Cremaschi/Albanese/Artero 2020) und Bottom-up-Initiativen (Steigemann 2019) kompensiert, die jedoch häufig durch Temporalität und Fluktuation gekennzeichnet sind. Wichtige Infrastrukturen wie Beratungsstellen, Bildungseinrichtungen oder die medizinische Versorgung sind in ländlichen Gebieten häufig über große Flächen verteilt, was für Neuzugewanderte, die auf den öffentlichen Nahverkehr angewiesen sind, zu Mobilitätseinschränkungen und einem erhöhten Risiko sozialer Isolation führt (Arfaoui 2019; Mehl et al. 2023).

5. Fazit

Seit einiger Zeit wird darauf hingewiesen, dass sich die räumlichen Muster der Zuwanderung verändern und sich neue „post-arrival geographies“ (El Moussawi/Schuermans 2020) herausbilden. In diesem Beitrag haben wir die in der Literatur beschriebenen „neuen“ Ankunftsräume zunächst anhand verschiedener raumstruktureller Merkmale wie der Größe, der Lage im Raum sowie den wirtschaftlichen und demographischen Voraussetzungen differenziert. „Neue“ Ankunftsräume umfassen in der Literatur meist kleinere oder mittelgroße Städte, ländlich-periphere oder suburbane Gebiete mit begrenzter Migrationserfahrung, oft geprägt von wirtschaftlichen Defiziten, demographischem Wandel und neuen Herausforderungen im Umgang mit Diversität.

Allerdings bieten diese raumstrukturellen Merkmale nur eingeschränkte Erklärungen für die sehr unterschiedlichen lokalen Ankunftsbedingungen. Zwar lassen sich gewisse Muster erkennen – etwa eine bessere infrastrukturelle Ausstattung in größeren Städten, die Möglichkeit der Mitnutzung von Angeboten bei guter verkehrlicher Anbindung oder ein einfacherer Zugang zu Wohnraum in durch Abwanderung und Leerstand geprägten Gebieten –, doch zeigen sich selbst innerhalb vergleichbarer räumlicher Kontexte teils stark divergierende Ankunftsbedingungen. Diese Unterschiede lassen sich vielmehr auf differenzierte kommunalpolitische Ausrichtungen, gesellschaftliche Aufnahmebereitschaft, auf das Engagement unternehmerischer und zivilgesellschaftlicher Akteur_innen und die Entwicklung sozialer Netzwerke zurückführen (Lipsky 2010; Glorius/Bürer/Schneider 2021; Schammann et al. 2023). Insgesamt ergibt sich für jeden Ort eine spezifische Kombination aus lokalen Bedingungen, die den Zugang von Neuzugewanderten zu ankommensrelevanten Ressourcen maßgeblich beeinflussen. Wir plädieren in diesem Zusammenhang dafür, raumdeterministische Annahmen und Zuschreibungen zu überwinden und stattdessen die Heterogenität der Ankunftsräume sowie die komplexen Wechselwirkungen, die Ankunftsprozesse gestalten, stärker zu berücksichtigen. Der local turn in der Migrationsforschung betont die Rolle von lokalen Kontexten und Akteur_innen bei der Gestaltung von Migrations- und Ankunftsprozessen. Sowohl der physische als auch der soziale Raum sind also entscheidende Dimensionen, die das Ankommen von Neuzugewanderten prägen (Bovo 2020) und den Zugang zu Ressourcen gestalten (Robinson 2010; Phillimore 2020).

Dies gilt nicht nur für die beschriebenen „neuen“ Ankunftsräume, sondern auch für die „traditionellen“ Ankunftsräume in Großstädten und Metropolen, die sich ebenfalls stetig weiterentwickeln. Diese Gebiete fallen im Zuge von Gentrifizierung und Verdrängung oft „ihrem eigenen Erfolg zum Opfer“ (Saunders 2018: 28) und verlieren dadurch teilweise ihre ursprünglich inkludierende Wirkung (El-Kayed/Keskinkılıc 2023). Die vielfältigen Ursachen und Voraussetzungen für das Ankommen unterliegen einem stetigen Wandel und erfordern daher eine kontinuierliche Analyse.

Trotz ihrer strukturellen, geographischen und institutionellen Unter­schiede ist allen untersuchten „neuen“ Ankunftsräumen gemein, dass sie Formen gesellschaftlicher Diversität hervorbringen. Sie stoßen Aushandlungsprozesse über Zugehörigkeit, Teilhabe und soziale Kohäsion an – sowohl auf der Ebene politischer Gestaltung als auch im alltäglichen Zusammenleben. Diese Entwicklungen fordern nicht nur etablierte Integrationskonzepte heraus, sondern verweisen auch auf eine zunehmend polyzentrische Migrationsgeographie in Europa.

Insgesamt ist die Rolle „neuer“ Ankunftsräume im Zuwanderungsprozess (insbesondere im Kontext von staatlichen Verteilungsmechanismen und „Zwangsverortungen“) noch nicht abschließend geklärt. Es wird darauf hingewiesen, dass sie zum Teil als Übergangsstationen und Durchgangsorte fungieren, in denen Neuzugewanderte lediglich für eine begrenzte Zeit leben, bevor sie in andere Gebiete weiterziehen (Kreichauf 2015; Martin 2020; van Liempt/Miellet 2021; Enßle-Reinhardt/Schneider/Glorius 2022). Ergänzend dazu rückt zunehmend die Frage in den Fokus, welche Faktoren die Bleibeorientierung Neuzugewanderter in „neuen“ Ankunftsräumen fördern oder hemmen. Erste Studien (u. a. Mehl et al. 2023; Glorius et al. 2020, 2023; Kordel/Weidinger/Spenger 2023) zeigen, dass Aspekte wie soziales Wohlbefinden, die Erreichbarkeit zentraler Orte, alltagspraktische Mobilität sowie kommunale Haltestrategien entscheidend dafür sind, ob Neuzugewanderte ihren Lebensmittelpunkt langfristig in den „neuen“ Ankunftsräumen aufbauen.

Viele der angesprochenen Aspekte betreffen keineswegs ausschließlich Menschen mit Zuwanderungserfahrung. Eine kritische Aus­einandersetzung mit der „Migrantisierung“ (vgl. Dahinden 2016) räumlicher Kontexte wirft die Frage auf, inwiefern die Fokussierung auf Migration als vermeintliche Ursache sozialer Problemlagen stereotype Annahmen reproduzieren und verstärken kann. Durch mediale Diskurse sowie wissenschaftliche Raumnarrative wird Migration dabei nicht nur problematisiert, sondern zugleich zur konstitutiven Eigenschaft bestimmter Räume gemacht. So entstehen als „migrantisch“ markierte Räume, in denen soziale Phänomene – etwa Bildungsungleichheit, Armut oder (städtische) Segregation – primär mit Migration verknüpft und dadurch ethnisiert und aus ihrem gesellschaftlich-strukturellen Zusammenhang herausgelöst werden. Dennoch konnte im Rahmen unserer Untersuchung gezeigt werden, dass es im Kontext von Migration spezifische Aspekte gibt, die raumkonstituierend sind und Ausgrenzungsprozesse besonders deutlich machen.

Schließlich ist auch die Aussagekraft der vorliegenden Analyse begrenzt: Sie bildet nur jene Kontexte ab, zu denen bereits publiziert wurde – eine Verzerrung, die durch methodische Auswahlprozesse noch verstärkt werden kann. Regionen mit schlechter Datenverfügbarkeit oder schwächerer Forschungsinfrastruktur – zum Beispiel in Südosteuropa oder abgelegenen ländlichen Gebieten – bleiben im wissenschaftlichen Diskurs oft unsichtbar. Zudem konzentriert sich die Auswertung vornehmlich auf neuere Veröffentlichungen der letzten Jahre, was zwar das aktuelle Geschehen gut abbildet, aber längerfristige Entwicklungen oder historische Kontinuitäten weniger berücksichtigt.