sub\urban. zeitschrift für kritische stadtforschung 2025, 13(2/3), 345-353

doi.org/10.36900/suburban.v13i2/3.1095

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CC BY-SA 4.0

Debatte zu: Nihad El-Kayed „Segregation als Grenzformation“

Kommentare von: Anthony Miro Born, Dominik Gerst, Annegret Haase, Hannes Krämer, Sybille Münch, Janine Pößneck, Sabine Weck

Grenzen komplexer denken

Kommentar zu Nihad El-Kayed „Segregation als Grenzformation“

Dominik Gerst, Hannes Krämer

Einleitung

Nihad El-Kayed hat mit ihrem Debattenaufschlag den interessanten Vorschlag gemacht, die Segregationsforschung und die Grenzforschung miteinander ins Gespräch zu bringen. Beide Forschungsrichtungen untersuchen „Phänomene der Sortierung, Trennung und Anordnung von Räumen und sozialen Gruppen im Raum“ (El-Kayed 2025: 285), obwohl in einem Fall Wohnstandortmuster in städtischen Räumen und im anderen Fall nationalstaatliche Demarkationslinien im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen. Wir empfinden dieses Anliegen, beide Forschungsrichtungen miteinander ins Gespräch zu bringen, als einen produktiven und vielversprechenden Vorschlag – nicht zuletzt, weil in der Grenzforschung die theoretischen, methodologischen und empirischen Impulse der letzten Jahre meist auf Bezügen aus benachbarten Forschungsbereichen beruhten. Zugleich denken wir, dass grundlegende Anmerkungen dazu beitragen, die Perspektive der Grenzforschung noch stärker zu konturieren, mögliche Schnittmengen einzuordnen und etwaige Missverständnisse vorab zu klären. Der Begriff der Grenze ist durchaus verführerisch, wirkt er doch eindeutig und ist zugleich im Deutschen im metaphorischen Sinne breit etabliert. Während das Englische etwa zwischen limit, barrier, frontier, border, margin, edge und boundary unterscheidet, sind im Deutschen Begriff Grenze all diese Aspekte mitgemeint. Dieses Implizite und Mitgemeinte aufzubrechen, ist das Anliegen dieses Kommentars.

Zum Standort unser Argumentation sei vor ab noch gesagt: Wir äußern uns hier als Grenzforschende. Zwar haben wir als interessierte Zaungäste Debatten und Argumente im Bereich der Forschung zur Segregation urbaner Räume wahrgenommen, aber wir verfügen nicht über eine tiefergehende Expertise in diesem Gegenstandsbereich. Wenn El-Kayed – aus der Segregationsforschung kommend – in ihrem Debattenaufschlag einen Schritt in Richtung Grenzforschung macht, kann unser Kommentar spiegelgleich als Schritt von der Grenzforschung in Richtung Segregationsforschung verstanden werden. Wo die Mitte liegt, in der wir uns treffen, wird sich zeigen.

Wir haben unseren Kommentar über drei Argumente strukturiert: Wir beginnen mit einem kurzen Hinweis auf die Pluralität des Feldes der Grenzforschung und verbinden damit unseren Vorschlag, Anschlüsse auch über die migrationsbezogene Grenzforschung hinaus zu suchen (1). Anschließend legen wir nahe, Grenzen nicht nur als Trennungen und Verhinderungsinstanzen, sondern auch als Verbindungen und Möglichkeitsräume zu perspektivieren (2). Schließlich richten wir den Blick auf den interessanten gegenwärtigen Vorstoß innerhalb der Grenzforschung, die Konstitution der Grenze selbst wieder stärker in den Blick zu nehmen und die ihr inhärente Komplexität zu entschlüsseln (3). Insgesamt will unser Kommentar zeigen, dass es sich lohnt, ein breiteres Verständnis von Grenzforschung zugrunde zu legen. Mit diesem lassen sich vermutlich eher Anknüpfungspunkte für die Segregationsforschung finden.

1. Pluralität der Grenzforschung

Mit Grenzforschung meinen wir sowohl den weiten Bereich traditioneller, von polit-geographischen wie kulturanthropologischen Arbeiten geprägten Border Studies (Wilson/Donnan 2012; Scott 2020) als auch neuere Entwicklungen im Bereich kulturwissenschaftlicher und sozialwissenschaftlicher Ansätze, die zunehmend als Cultural Border Studies bezeichnet werden (Fellner/Wille 2025).

Diese Vorbemerkung ist insofern wichtig, als sie zeigt, dass das Feld der Grenzforschung breiter ist, als es El-Kayed nahelegt. Ihr Impuls steigt zunächst prägnant ein. Was die migrationsbezogene Grenzanalyse angeht, die El-Kayed adressiert, lässt sich auch aus unserer Sicht die von ihr benannte Tendenz erkennen, Grenze als „lokal-räumliche[n] Abgrenzungs-, Filterungs-, und Trennungsprozess“ (El-Kayed 2025: 289) zu verstehen. Die hier angelegte Hervorhebung des Prozessualen der Grenze wurde auch in grenztheoretischen und grenzmethodologischen Diskussionszusammenhängen mehrfach hervorgehoben und hat sich zu einem produktiven Zugang entwickelt (vgl. Wille 2021). Wichtig ist auch der Hinweis auf die Selektions- und Filterfunktion von Grenzen. In gegenwärtigen Debatten um Grenzkontrollen spielen diese eine bedeutende Rolle, etwa in der Theory of the border des Philosophen Thomas Nail (2016) oder – in Deutschland einer breiteren Öffentlichkeit bekannt – der Thematisierung von Grenzen als Sortiermaschinen durch den Soziologen Steffen Mau (2021).

Blicken wir aber auf die Gesamtheit des Feldes der Grenzforschung, so wird deutlich, dass sich dieses pluraler darstellt. Es umfasst weit mehr als die Analyse von Migrationsbewegungen oder Grenzregimen, auch wenn diese Forschungen zweifelsohne einen wichtigen Strang gegenwärtiger Forschung ausmachen. Grenzen deuten zwar auch die Border Studies als Verhinderungs- oder Ermöglichungsbedingungen von Migration, aber das ist eben nur eine Perspektive neben anderen. Das beginnt schon bei der zugrunde liegenden Idee, Grenzen im Zusammenhang mit Mobilität zu denken. Migrationsbewegungen sind aus der Perspektive der Border Studies in ein Spektrum verschiedener Formen grenzüberschreitender Mobilität einzubetten. Grenzen sind jedoch auch Orte prägender Wirtschafts- und Arbeitsmobilität, wie ein sehr forschungsstarker Strang der Grenzforschung zeigt. Grenzen sind zudem Räume wie Orte täglicher Konsummobilität, strukturierende Formate für Berufspendler:innen, Tourismus oder Wohnmobilität mit entsprechenden Effekten auf die Ausgestaltung spezifischer Grenzformen.

Außerdem nimmt die Grenzforschung nicht nur Mobilitäten in den Blick. Ein wichtiger Impuls geht beispielsweise von Forschungen aus, die sich mit den Ausdehnungen der Grenze, mit dem Leben an und mit Grenzen sowie mit grenzüberschreitenden Prozessen vielfältiger Art beschäftigen. Zentral und für die Segregationsforschung möglicherweise fruchtbar ist die Perspektive, Grenzen nicht nur als Trennendes, sondern auch als Orte der Verbindung zu betrachten.

2. Grenzverbindungen

Interessanterweise gelten viele Monita, die El-Kayed für die Segrega­tionsforschung formuliert, ebenso für die Grenzforschung. Exemplarisch genannt sei hier, dass auch in den Border Studies immer noch zahlreiche Studien von einer Art Containerraum ausgehen und damit von einer Vorstellung eher starrer räumlicher Entitäten, die sich an einer Grenze gegenüberstehen. Die methodologischen Herausforderungen einer solchen „container methodology“ (Amelina et al. 2012: 4) wurden mehrfach benannt (vgl. etwa Faist 2012), indem auf die Engführung eines methodologischen Nationalismus hingewiesen wurde, der anstelle der Pluralität sozialer Zugehörigkeiten eine Essentialisierung des Nationalen stellt. Forschungen, die mit derartigen Vereinfachungen brechen und ein Interesse an den Details lokaler Ausprägungen von Grenzen sowie den sie konstituierenden multiskalaren Bezügen zeigen, finden sich etwa im Forschungsstrang der Borderland Studies. Hier wird zum Beispiel danach gefragt, wie im europäischen Kontext administrative Kooperationen über Staatsgrenzen hinweg aufgespannt werden (können) (vgl. zur Übersicht Wassenberg/Reitel 2020). Entsprechende Forschungen thematisieren auch, wie sich vor dem Hintergrund transnationaler wie translokaler Vergesellschaftung hybride Grenzlandkulturen herausbilden (Kleinmann/Peselmann/Spieker 2020). Diese Hinweise zeigen einerseits, dass Grenzen nicht nur trennen, sondern auch verbinden, dass sie auch als Kontaktzonen oder interfaces fungieren. Andererseits können die Borderland Studies für die Segregationsforschung auch deshalb interessant sein, weil die hier untersuchten konkreten lokalen Grenzformationen, urbanen Grenzräume oder Grenzregionen auch in der Segregationsforschung ein zentraler Untersuchungsgegenstand sind. Exemplarisch sei auf den breiten Forschungsstrang zum town twinning verwiesen – also auf eine Beschäftigung mit Stadträumen, die nicht selten eine gemeinsame nationale Geschichte aufweisen, aufgrund politischer Grenzverschiebungen inzwischen aber durch nationale Grenzen getrennt sind (vgl. u. a. Langenohl 2015; Joenniemi/Jańczak 2017). Entsprechende Forschungen könnten anschlussfähig sein für eine Untersuchung segregierter Räume.

Forschungen zu lokalen Grenzrealitäten in Grenzräumen, zu Grenz­regionen, grenzüberschreitenden Feldern oder Grenzstädten sensibilisierten in den letzten Jahren für Dimensionen eines everyday bordering institutioneller Ordnungen. Dies ist ein weiterer Aspekt, der sich mit einer Kritik El-Kayeds an der Segregationsforschung verbinden lässt. Institutionelle Prozesse (von der Asylvergabe über die Daseinsvorsorge bis hin zu Sicherheitsfragen) wurden in der Grenzforschung vielfach als unabhängige, oft juridische Variablen der Gestaltung von Grenze verstanden. Inzwischen rücken verstärkt die Praktiken der Produktion entsprechender Institutionen als die Grenze herstellende Praktiken in den Fokus (Connor 2023; Gerst i. E.). Wenn El-Kayed (2025: 295) dafür plädiert, auch Segregation in Bezug auf „Beratungsangebote, Einrichtungen der sozialen Arbeit oder zivilgesellschaftlichen Organisationen“ zu untersuchen, können wir uns dem nur anschließen. Die Analyse solcher Grenz-Orte auf der Ebene alltäglicher Praktiken, also als routinierte Vollzüge der Organisation von Grenze, unterläuft die eingefahrene Trennung von Alltag und Institution/Organisation zugunsten einer analytisch produktiven Symmetrisierung.

3. Grenze als komplexe kulturelle Form

Schließlich möchten wir noch auf eine gegenwärtig sich vollziehende Perspektivverschiebung in der Grenzforschung hinweisen, die auch für die Segregationsforschung interessant sein kann. In theoretisch-methodologischer Hinsicht erhält derzeit eine Perspektive vermehrt Aufmerksamkeit, die sich für die Eigenlogik der Grenze und die Verknüpfungen jener heterogenen Ressourcen interessiert, die eine Grenze konstituieren. In Anlehnung an Chris Rumfords (2014: 39) „seeing like a border“ geht es darum, sich analytisch in die Grenzformation hineinzuversetzen und so deren Gestalt zu rekonstruieren.

Wie bereits erwähnt greift es für die Grenzforschung zu kurz, Grenzen vornehmlich als Beeinflusserinen von Migrationsbewegungen anzusehen. Vertreter:innen der Grenzforschung – darunter auch wir – plädieren dafür, Grenzen als kulturelle Formen zu begreifen. Das bedeutet auch, „die Grenze [nicht] als politische, territoriale, soziale Tatsache vorauszusetzen, sondern sie im Gegenteil in ihren Bedingungen, Erscheinungsweisen und Effekten zu problematisieren“ (Gerst/Krämer 2021: 131). Es geht darum, wie Sandro Mezzadra und Brett Neilson (2013) vorschlagen, die Grenze nicht mehr nur als Gegenstand, sondern auch als „epistemological viewpoint“ (ebd.: 13) anzusehen, mit der folgenreichen Konsequenz, dass es nicht ausschließlich um die Ordnung(en) geht, die die Grenze und ihre jeweiligen Grenzregime produzieren, sondern ebenso um die Geordne­theit der Grenze selbst (Gerst/Krämer 2021). Damit rücken die vielfältigen Praktiken, situativen Dynamiken und institutionellen Stabilisierungen in den Blick, die eine Grenze als multidimensionales Phänomen hervorbringen, denn: „There is no longer a societal vantage point or privileged political position from which we can reliably know where all borders are to be found, what forms they take, what purpose they serve and who is involved in maintaining them“ (Rumford 2014: 16 f.).

Ein solcher Perspektivwechsel ermöglicht ein plurales Bild von Grenzen. Er verweist – wie auch El-Kayed – auf das Konzept der social boundaries (Lamont/Molnar 2002) und damit auf den Gedanken, dass Demarkationen nicht nur rein räumliche Zäsuren, sondern vornehmlich soziale Trennungen und Verbindungen sind. Nimmt man diese sozial- wie kulturwissenschaftliche Erweiterung ernst und bezieht obendrein noch aktuelle Debatten zum Posthumanismus (Braidotti 2013) und zum Neuen Materialismus (Barad 2007) mit ein, so wird noch ein weiterer Aspekt deutlich: Grenzen konstituieren sich nicht nur durch die Unterscheidung von Menschen (Humandifferenzierung), sondern auch durch die Unterscheidung von Objekten, Tieren, Waren und Ideen. Folgt man dieser Argumentation noch weiter, befindet man sich im Zentrum gegenwärtiger Debatten innerhalb der Grenzforschung, die um den Begriff der Komplexität kreisen. Es geht darum, die Erscheinung von Grenzen auf die ihnen zugrunde liegenden „Border complexities“ (Wille 2024) hin zu befragen. Im Fokus steht nicht, was eine Grenze ist, sondern wie sie gemacht wird. Diese Gemachtheit der Grenze verweist auf eine heterogene Gemengelage aus Praktiken, Wissensbeständen, Körpern, Infrastrukturen, Raumvorstellungen, Klassifikationsschemata, Bewegungsmotiven und vielem mehr. Die von El-Kayed angeführte Grenzregimeanalyse sowie das von ihr hervorgehobene Konzept der „borderscapes“ (Brambilla 2015) können als Wegbereiterinnen einer solchen Introspektion der Grenze gelten. Im Unterschied dazu tendieren komplexitätsorientierte Ansätze jedoch zu einer Abkehr von rein akteur:innenzentrierten Perspektiven. Ihnen geht es stärker um die Praktiken, die eine Grenze zu einer Grenze machen. Pointiert formuliert geht es nicht mehr darum, wie eine Grenze konstruiert wirdsei es from above (etwa durch staatliche Regulation) oder from below (etwa durch Alltagspraktiken von Grenzlandbewohner:innen) –, sondern wie sie from within beschreibbar wird. Trennung, aber auch Verbindung als Effekte von Grenzen, sind das Ergebnis einer komplexen Relationierungspraxis heterogener Ressourcen, die am Auf- und Abbau von Grenzen beteiligt sind. Eine solche Analyse der Grenze in ihrer komplexen Konstitution und Dynamik kann für die Segregationsforschung da von Interesse sein, wo es ihr um Fragen der Etablierung, Stabilisierung und die Effekte wirkmächtiger Differenzrelationen geht. Dieses Interesse scheint in El-Kayeds Text anfänglich noch auf, gerät im Laufe der Argumentation jedoch in den Hintergrund.

4. Schluss

Unser Kommentar lässt sich in drei Punkten zusammenfassen: Erstens kann aus unserer Sicht die Segregationsforschung positive Impulse von der Grenzforschung erhalten, wenn sie die Pluralität der Grenzforschung anerkennt und über die durchaus naheliegende Verbindung zur migrationsbezogenen Grenzforschung hinausgeht. Zweitens würde das bedeuten, stärker zu berücksichtigen, dass Grenzen nicht nur territoriale Trennungen hervorrufen, sondern mehrdimensionale Knotenpunkte darstellen, die neben dem Trennenden auch durch Verbindungen strukturiert sind. Drittens inspiriert eine Binnenperspektive auf Grenzkomplexitäten dazu, die Gestalt der Grenze stärker in den Fokus zu rücken und ein tieferes Verständnis für die „Binnenstruktur“ (Gerst et al. 2018: 5) der Grenze zu gewinnen. Angewendet auf die urbane Segregation würde das bedeuten, nicht mehr nur die von Segregationsprozessen produzierten Ordnungen zu untersuchen, sondern ebenso die praktische Arbeit an der Segregation selbst. Damit konnten wir hoffentlich drei Impulse der Grenzforschung für weitere Untersuchungen im Bereich der Segregationsforschung skizzieren.

Wir möchten unseren Kommentar mit einer Nachfrage schließen, auch um das Gespräch weiter aufrechtzuerhalten. Diese richtet sich an den begriffspolitischen Vorschlag, in Konsequenz einer Verschränkung von Grenzforschung und Segregationsforschung zunehmend von innerstädtischen Grenzen zu sprechen. Wie wir in der Einleitung betont haben, ist der Grenzbegriff im Deutschen durchaus mehrdeutig. Zudem lässt sich in den letzten Jahren eine Reihe metaphorischer Übertragungen des Grenzbegriffs auf verschiedene soziale Phänomene beobachten. Dabei gerät aus unserer Sicht häufig jedoch nur ein Teil der möglichen Bedeutungen des Begriffs Grenze in den Blick. Das birgt das Risiko, vielerorts Demarkationen zu erkennen. Durch die Verbreitung eines spezifischen Grenz-Dispositivs wird eine Wissensordnung etabliert, die immer mehr Grenzen kennt. Das ist einerseits ein Problem, wenn damit ein zu enger Fokus auf Abgrenzungen verbunden ist. Anders als die Grenzforschung es vorschlägt, würden die verbindenden Qualitäten von Grenzen dann gerade nicht adressiert. Andererseits können wissenschaftliche Deutungen beispielsweise „urbaner Grenzen“ rasch politische Reaktionen hervorrufen. Entsprechende Begriffe könnten dann politisch aufgegriffen und zu Rufen nach einer weiteren Versicherheitlichung führen. In einer Zeit, in der das Konzept Grenze im politischen Diskurs vor allem als Mittel der Abgrenzung dient und die Bedeutungen von Sicherheit, nationaler Souveränität und ein Denken in Ingroup und Outgroup mobilisiert, bedarf es in besonderem Maße epistemischer Wachsamkeit, um solchen diskursiven Vereinnahmen zuvorzukommen. Welche begrifflichen Alternativen oder Perspektiven sich dafür eignen, gilt es in weiteren Gesprächen gemeinsam auszuloten.