Zeitgleich mit dem Erscheinen des vorliegenden Buches beginnt in Frankfurt am Main der weitere Ausbau des Campus Westend mit dem Spatenstich für ein Gebäude der sprach- und kulturwissenschaftlichen Fächer an der Goethe-Universität, die bis dato noch ihren Standort am alten Campus in Bockenheim haben. Damit schreiten die Auflösung des ehemaligen Nukleus der Universität und sein Umbau zum Kulturcampus weiter voran. Die jüngste Baumaßnahme bildet als dritter Bauabschnitt den Schlussstein der Campusplanungen rund um das IG-Farben-Gebäude, die vor über 15 Jahren begonnen wurden (Folkerts 2019). Im Zuge des Umzugs beschäftigten sich immer mehr Wissenschaftler_innen und Studierende mit der (architektonisch-städtebaulichen) Geschichte des Campus Bockenheim[1], dem die Angehörigen der Goethe-Universität in ihrer mittlerweile über einhundertjährigen Geschichte stets mit Hassliebe begegneten. Juridicum, AfE-Turm und die klobige Bibliothek, aber auch das neobarocke Jügelhaus mit seinem neugestalteten Eingang sind bis heute eng mit dem Bild des Studiums in Frankfurt verknüpft. Doch kaum einer kennt die Gestalt des Geländes, wie es sich vor dem Zweiten Weltkrieg präsentierte – die Zeit, in der sich die Frankfurter Universität beispielsweise als Stiftungsuniversität konstituierte und zum „Zentrum der deutschen Soziologie“ (Schivelbusch 1985: 19) entwickelte. Alle Neubauten, die zwischen der Gründung der Universität im Jahr 1914 und 1945 errichtet wurden, sind im Krieg zerstört oder beim Wiederaufbau abgerissen worden. Damit liegt dieser Teil der universitären Baugeschichte gewissermaßen begraben und ist wenigstens teilweise in Vergessenheit geraten – eine zusammenhängende Untersuchung dieser Bauwerke stand bis jetzt aus. Zu diesen Bauten zählte auch ein Gebäude, das für die Geschichte der Gesellschaftswissenschaften zentrale Bedeutung gewinnen sollte. Als der aus reichen Verhältnissen stammende, angehende Sozialphilosoph Felix Weil 1923 das erste Frankfurter Institut für Sozialforschung (IfS) stiftete, wurde für dieses auch ein Studiengebäude errichtet. Der von Franz Roeckle[2] entworfene Bau erschien wie aus einem Stück Stein gehauen und wirkte dadurch hermetisch und beinahe abweisend. Seine Deutung bereitet Geistes- und Kunstwissenschaftler_innen bis heute einige Mühen. Sehen die einen darin „in der Umgebung der Westendvillen ein[en] Fremdkörper“ (Schivelbusch 1985: 12) oder gar ein „Kuckucksei“ (ebd.), erkennen andere in ihm wiederum eine ambivalente ‚pathetische Geste‘, die zumindest in Grundriss und Raumprogramm eine gewisse Ähnlichkeit zu den großbürgerlichen Villen der Nachbarschaft aufweise (Roesler 2012).[3]

Jürgen Schardt beschränkt sich in seiner Studie jedoch nicht auf die Betrachtung der architektonischen Form oder des städtebaulichen Umfeldes, um die Architektur „der bürgerlichen Gesellschaft“ – wie der Titel seiner Studie lautet – zu interpretieren. Der promovierte Humangeograph Schardt macht es sich zur Aufgabe, die Architektur im Zusammenhang mit gesellschaftlichen Kräfteverhältnissen zu erklären, denn seiner Ansicht nach lässt sich Architektur nicht ohne ihren „gesellschaftlichen und städtebaulichen Kontext“ (263) deuten.

Das Buch ist in der Reihe Raumproduktionen: Theorie und gesellschaftliche Praxis des kleinen gesellschaftswissenschaftlichen Verlags aus Münster erschienen. Dort fällt es etwas aus dem Rahmen, denn die Reihe beinhaltet eigentlich keine architekturhistorischen Bücher. Vielmehr hat sie sich, wie die Herausgeber_innen betonen (2), der kritischen Raumforschung aus heutiger Perspektive verschrieben. Wer ein klassisch historisches Werk erwartet, wird entsprechend auch nur eingeschränkt glücklich. Denn die Betrachtung der architektonischen Produkte mit den Methoden der Kunst- und Architekturgeschichte macht nur den kleinsten Teil der Untersuchung aus.[4]

Drei unterschiedliche Ausprägungen von Bürgerlichkeit

Die systematisch angelegte Studie betrachtet zunächst Bauten (und Entwürfe) aus drei Epochen: der Kaiserzeit und damit der Gründungszeit der Universität, der Weimarer Republik sowie der Nachkriegszeit bis 1956. In diesen Kapiteln umreißt Schardt jeweils erst die gesamtgesellschaftlichen Rahmenbedingungen in Deutschland sowie die Produkte und Produktionsverhältnisse der Architektur und des Städtebaus dieser Zeit im Allgemeinen, um dann in einer ähnlichen Aufteilung jeweils auf Frankfurt am Main und die Universität einzugehen. Der Autor beginnt seine Studie mit Ausführungen zu gesellschaftlichen Bedingungen der Architekturproduktion, zur Architektur als Medium beziehungsweise „Spiegel“ (17) der Gesellschaft und zur generellen Interpretation von Architektur (15 ff.). Aus diesen Überlegungen werden Kriterien abgeleitet, mit deren Hilfe sich die Hochschularchitektur einordnen und deuten lasse – etwa Größe, Monumentalität und Historizität, die laut Schardt „Herrschaftsarchitektur“ erzeugen. Ferner fragt er sich, was die „Intentionen der Symbolproduzent_innen“ gewesen sein dürften und inwiefern in den Bauten „gebaute Gleichheit“ (43) realisiert wurde.

Gleich im ersten Kapitel stellt Schardt fest, dass die Gründung der Frankfurter Universität im Jahr 1914 zahlreichen Interessen von Handel, Industrie und Stadtpolitik folgte. Damit entsprach sie eigentlich nicht den Werten des Frankfurter Bürgersinns, von dem die Stiftungen geprägt waren, die die Gründung maßgeblich mittrugen (155 f.). Die neobarocke Architektur der Universitätsbauten, die größtenteils bereits knapp zehn Jahre zuvor entstanden waren, sei, so Schardt, ganz im Kontext wilhelminischer Architektur zu sehen, die in der Anlehnung an aristokratisch-klerikal geprägte, historische Stile den Fortschritt der Industrie-Moderne zu kaschieren versuchte. So erfülle beispielsweise das Jügelhaus nahezu alle Kriterien, die Schardt zufolge die Herrschaftsarchitektur auszeichnen (159).

Die Jahre der Weimarer Republik stehen hingegen für eine Veränderung der Prinzipien, auf denen die Gründung der Universität ursprünglich beruht hatte. Als Krieg und Inflation das Stiftungsvermögen vernichteten, musste sich die Universität von der sozialdemokratischen Stadtregierung abhängig machen, die die Integration einer Arbeiterakademie sowie weitgehende Mitspracherechte einforderte. Die Jahre der Weimarer Republik waren gekennzeichnet von einem rapiden Anstieg der Studierendenzahlen und einer damit einhergehenden Raumknappheit. Auch die Neuerrichtung des oben angesprochenen Gebäudes für das IfS, das auch Räumlichkeiten für die Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät vorsah, sowie eines kleinen Institutsanbaus für Physikalische Chemie, konnte diese nicht beheben.[5] Letzterer wurde von Gerhard Planck, einem Architekten des Neuen Frankfurts, nach den Vorstellungen einer Frankfurter Ausprägung der Klassischen Moderne entworfen. Ein kühner Bibliotheksentwurf von Martin Elsaesser konnte hingegen aufgrund der Weltwirtschaftskrise nicht verwirklicht werden. Schardt stellt fest, dass auch die Weimarer Jahre von Widersprüchlichkeiten geprägt waren. So lasse sich konstatieren, dass die verhaltene Monumentalität des IfS im Kontrast zu seiner inhaltlichen Ausrichtung gestanden habe, während das modernistische Institut für Physikalische Chemie den Interessen der Chemieindustrie gedient und somit weit entfernt von den Vorstellungen von gesellschaftlicher Partizipation gestanden habe, wie sie mit der Architektur des Neuen Frankfurts verbunden gewesen seien.

Im letzten Abschnitt des Buches widmet sich Schardt den Bauten aus der Zeit des Wiederaufbaus (Akademie der Arbeit, Studentenhaus und neues IfS) sowie dem frühen Werk Ferdinand Kramers als Bauamtsleiter der Universität (Portal des Jügelhauses und Fernheizwerk). Keinem dieser Gebäude attestiert er Monumentalität und betont stattdessen das Streben nach „gebauter Gleichheit“, das in ihnen zum Ausdruck komme – was Schardt als Reaktion auf den Nationalsozialismus liest (344).

Beitrag zur Historiografie der Universität

Auffällig ist, dass die Betrachtung der jeweiligen Architekturen nur einen kleinen Teil der Untersuchung ausmachen. Jürgen Schardt macht aus seiner kritischen Haltung gegenüber der vorherrschenden Historiografie zur Frankfurter Hochschulgeschichte keinen Hehl.[6] Ganz besonders die Jubiläen zu 75 und zu 100 Jahren Goethe-Universität hätten Geschichtsschreibungen hervorgebracht, die verkürzt und vereinfacht zum Narrativ einer erfolgreichen emanzipativen Entwicklung einer Hochschule geworden seien: etwa die von der Universität als durch die wissenschaftlichen Stiftungen durchgesetztem Bürgersinn – in einer Stadt, die sich stolz auf ihre Tradition als freie Reichsstadt berufe und in der sich die Etablierung der modernen Sozialwissenschaft vollzogen habe. Durch die Universität sei Frankfurt schließlich zum Hort der sozialwissenschaftlichen Avantgarde geworden, so dass nach den Schrecken der nationalsozialistischen Terrorherrschaft an große Traditionen angeknüpft werden konnte. So und ähnlich lauten gängige Erzählungen, die Gegenstand der Selbstdarstellung der Universität geworden sind.[7] Demgegenüber betont Schardt etwa die in der Gründungsphase verwirklichten Interessen des Kapitals gegen den Widerstand der eigentlich den Wissenschaften verpflichteten Stiftungen. In der Zeit der Weimarer Republik musste wiederum der fortschrittliche Geist gegen die an der Alma Mater vorherrschenden Positionen der Reaktion und Restauration durchgesetzt werden. In der Nachkriegszeit wurden schließlich Deutungskämpfe zwischen Erneuerung und Tradition ausgefochten, an denen auch zahlreiche Persönlichkeiten beteiligt waren, die hohe Ämter im NS-Staat bekleidet hatten. Folgt man der Argumentation des Autors, war eine solche Revision der Historiografie längst überfällig.

Mehr als eine Architekturgeschichte

Jürgen Schardt legt also ein umfangreiches, aber dichtes Werk vor, das Aspekte der Sozial-, Wissenschafts- und Architekturgeschichte Deutschlands und Frankfurts miteinander verknüpft. Die Studie ist reich an Quellen – wobei angemerkt werden muss, dass Schardt weitgehend auf die Konsultation von Archivquellen verzichtet hat und sich auf zeitgenössische wie historiografische Literatur beschränkt. Die Sprache ist akademisch, aber gut verständlich; die systematische Herangehensweise hilft, den Gedankengängen des Autors zu folgen.

Auffällig ist, dass Schardt die NS-Zeit in seiner Systematik komplett ausgespart hat und die wichtigsten Bauten und Entwürfe dieser Zeit nur am Rande thematisiert. Der Autor begründet dies damit, dass mit der Reorganisation der Universität nach dem sogenannten Führerprinzip die Kriterien für Bürgerlichkeit, die er in seiner Studie untersucht, nicht mehr gegeben gewesen seien (44), was angesichts der von ihm gewählten Methode plausibel erscheint. Dadurch tritt aber in den Hintergrund, dass bezüglich der Baugeschichte der Frankfurter Universität über die Epochen hinweg Kontinuitäten bestanden – was für deren umfassendes Verständnis durchaus wichtig sein könnte. So ignoriert Schardt beispielsweise die Rolle des Bibliotheksdirektors Richard Oehler, der sein Amt von 1927 bis 1945 innehatte.[8] Die Suche nach Kontinuitäten ließe sich auch auf die architektonischen Formen selbst ausweiten. Schardt sieht zum Beispiel im Studierendenhaus Motive aus der Klosterarchitektur verwirklicht, wenngleich er sich nicht auf diese Interpretation festlegen will (315, 342). Parallelen zum Kloster hatte bei der Betrachtung der Grundrisse des IfS bereits Siegfried Kracauer gezogen (2011 [1923]: 726). Hier könnten Ansätze für eine Epochen übergreifende Interpretation der Universitätsbauten liegen.

Insgesamt erscheinen die drei Kapitel des Hauptteils recht monolithisch, während das abschließende Fazit mit knapp vier Seiten auskommen muss. So werden zusammenfassende Deutungen und Erkenntnisse den Leser_innen selbst überlassen. Die Schwerpunkte innerhalb der einzelnen Kapitel sind teilweise ungleich verteilt. Die recht ausführlichen Erläuterungen zum Verhältnis der Architektur der sogenannten Klassischen Moderne zur Arbeiterklasse, zu kulturphilosophischen Strömungen der 1920er Jahre und zur Architekturentwicklung in der Sowjetunion sind zwar aufschlussreich, stehen aber isoliert da und finden kein Pendant in der Fallstudie zur Architektur der Universität. Die Informationsfülle und das Deutungsangebot zur Neuerzählung der Universitätsgeschichte zeichnen das Buch aber aus und können die Schwächen im Aufbau sowie kleinere Unstimmigkeiten in der Argumentation mehr als kompensieren.

Wer sich in Zukunft mit der Geschichte der Frankfurter Universität beschäftigt, wird um diese Studie nicht herumkommen. Darüber hinaus kann sie als Einladung gesehen werden, auch andernorts die bestehenden Narrative von Hochschulgeschichtsschreibungen in Frage zu stellen – und dabei Architektur und Städtebau mit einzubeziehen. Für Architekturtheoretiker_innen bietet sie die Möglichkeit einer Reflexion der eigenen Methoden; das Feld der Architekturdeutung wird um die kritische Analyse der Produktionsverhältnisse von Architektur erweitert – eine Perspektive, die nach wie vor viel zu selten eingenommen wird. Angehörige der Goethe-Universität können zudem viel über den alten Campus erfahren – der bald nur noch Teil der Universitätsgeschichte sein wird.

Kritik an den jüngsten baulichen Entwicklungen der Universität vermeidet Schardt weitgehend, wenngleich aufmerksame Leser_innen den einen oder anderen versteckten oder auch offenen Hinweis finden werden. Insofern kann – ja muss – man Schardt nicht nur als historiografischen Beitrag lesen, sondern auch als Aufforderung zu einer kritischen Auseinandersetzung mit der laufenden baulichen Umstrukturierung – ohne nostalgischen Blick auf eine vermeintlich bessere Vergangenheit am Campus Bockenheim.

Die Bauhaus-Universität Weimar unterstützt die Publikation dieses Beitrags durch eine institutionelle Vereinbarung zur Finanzierung von Publikationsgebühren.

Endnoten

  1. [1] Diese fokussieren sich meistens aus architekturhistorischer Sicht auf die Bauwerke, die nach dem Zweiten Weltkrieg von Ferdinand Kramer errichtet wurden, siehe z. B. Hansen 2001; Große-Beck/Surridge 2014; Cachola Schmal et al. 2015.
  2. [2] Die politische und architektonische Biografie von Roeckle gibt der (architektur-)historischen Forschung Rätsel auf. Sein architektonisches Werk changiert zwischen Heimatschutz, Expressionismus und Moderne, wobei scheinbar der Wille der jeweiligen Auftraggeber_innen wichtiger war als das eigene entwerferische Profil. Noch unklarer ist sein politisches Engagement in der NSDAP und die klandestine wie tragische antijüdische Aktion, die unter dem euphemistischen Namen Rotter-Affäre bekannt wurde. Bei der versuchten Überführung des jüdischen Ehepaars Rotter ins nationalsozialistische Deutschland aus Roeckles Heimat Liechtenstein im Jahr 1933, die der Architekt maßgeblich mitplante, kamen zwei Menschen ums Leben, mehrere wurden verletzt. Roeckle hatte zuvor in Frankfurt vor allem für die dortige jüdische Gemeinde gebaut. Zu den Kontroversen in Werk und Biografie Roeckles siehe Hilti-Roeckle et al. 2016.
  3. [3] Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude so weit beschädigt, dass es abgetragen werden musste. Das IfS bekam in den 1950er Jahren einen Neubau, der noch heute dem Institut dient.
  4. [4] Auch die Aufmachung des Buches entspricht eher einer gesellschaftswissenschaftlichen als einer architekturhistorischen Studie. Auf den knapp 400 Seiten finden sich lediglich 46 monochrome Abbildungen, darunter nur drei Grundrisse und einige Lagepläne. Das Layout folgt den Vorgaben der Reihe „Raumproduktionen“.
  5. [5] Zynischerweise wurde die Raumnot erst mit der rassistischen Gesetzgebung der NS-Zeit reduziert, die sowohl jüdischen als auch kommunistischen Angehörigen der Universität den Zugang erschwerten beziehungsweise verbot. Diese Gesetzgebung wurde unter anderem mit der Raumknappheit der Universitäten ‚legitimiert‘. Das entsprechende Gesetz trug den Titel „Gesetz gegen die Überfüllung deutscher Hochschulen und Schulen“ und datiert vom 25. April 1933.
  6. [6] Jürgen Schardt hat sich anlässlich des 100-jährigen Jubiläums bereits ausführlich zur Historiografie der Universität geäußert, in der die Motivation einzelner Akteur_innen zu sehr im Vordergrund stehe und die ökonomischen und sozialen Umwälzungen der Moderne zu wenig Beachtung fänden, siehe z. B. Schardt 2014.
  7. [7] Anschaulich nachzulesen ist dies beispielsweise auf der Webseite der Goethe-Universität: http://www.uni-frankfurt.de/38072330/Geschichte (letzter Zugriff am 16.5.2019).
  8. [8] Richard Oehler kam 1927 nach Frankfurt am Main und verhandelte entsprechend mit Martin Elsaesser den Bibliotheksneubau. Das Projekt wurde nach 1933 keineswegs begraben. Ein zweiphasiger Wettbewerb wurde 1935 nach Drängen Oehlers ausgeschrieben, der zwar auf einem verkleinerten Raumprogramm beruhte, aber gleichsam monumentale Entwürfe hervorbrachte, die einer nationalsozialistischen Moderne zugeordnet werden könnten (Wettbewerb dokumentiert in Neufert 1935). Am Wettbewerb beteiligte sich auch Ernst Balser, zuvor Architekt unter Ernst May, der in der zweiten Runde den zweiten Platz belegte. In der Nachkriegszeit legte Balser nochmals einen Entwurf für einen Wiederaufbau der Universität mit Bibliothek vor, den Schardt in einem Nebensatz erwähnt (303). Richard Oehler war ein Cousin Friedrich Nietzsches und als solcher maßgeblich daran beteiligt, Nietzsches Werk für den Nationalsozialismus zu interpretieren. Sein NSDAP-Parteiausweis datiert auf 1933. Zur Biografie Oehlers siehe Schivelbusch 1988; Heuberger 1996: 85ff.

Autor_innen

Jannik Noeske ist Urbanist und forscht zur europäischen Stadtplanungs- und Städtebaugeschichte im 20. Jahrhundert.

janniknoeske@gmx.de

Literatur

Cachola Schmal, Peter / Sturm, Philipp / Voigt, Wolfgang (Hg.) (2015): Ferdinand Kramer. Die Bauten. The buildings of Ferdinand Kramer. Berlin: Ernst Wasmuth Verlag.

Folkerts, Imke (2019): Campus Westend/Poelzigs Architektur ein Stück weitergedacht. Dritter Bauabschnitt: Der Entwurf aus Sicht des Architekten. Lutz-Matthias Keßling im Interview. https://aktuelles.uni-frankfurt.de/campus/poelzigs-architektur-ein-stueck-weitergedacht/ (letzter Zugriff am 16.5.2019).

Große-Beck, Maximilian / Surridge, Charlotte (Hg.) (2014): Vom Auditoriengebäude zum Campus Bockenheim. Bau-Geschichten. Ein Studierendenprojekt. Frankfurt am Main: Goethe-Universität.

Hansen, Astrid (2001): Die Frankfurter Universitätsbauten Ferdinand Kramers. Überlegungen zum Hochschulbau der 50er Jahre. Weimar: VDG.

Heuberger, Rachel (1996): Bibliothek des Judentums. Die Hebraica- und Judaica-Sammlung der Stadt und Universitätsbibliothek Frankfurt am Main. Entstehung, Geschichte und heutige Aufgaben. Frankfurt am Main: Klostermann.

Hilti-Roeckle, Marianne / Roeckle, Hanna / Zimmermann, Peter (Hg.) (2016): Franz Roeckle. Bauten und Entwürfe. Ostfildern: Hatje Cantz.

Kracauer, Siegfried (2011 [1923]): Vom Institut für Sozialforschung (Frankfurter Zeitung vom 24.11.1923). In: Inka Mülder-Bach (Hg.), Siegfried Kracauer. Werke Band 5.1. Essays, Feuilletons, Rezensionen 1906-1923. Berlin: Suhrkamp, 724-726.

Neufert, Ernst (1935): Neuzeitlicher Bibliotheksbau. Zum Frankfurter Wettbewerb. In: Bauwelt 33, 1-8.

Roesler, Sascha (2012): Festung der Wissenschaft. https://www.nzz.ch/festung-der-wissenschaft-1.17752713 (letzter Zugriff am 16.5.2019).

Schardt, Jürgen (2014): Mythos Bürgersinn. Zur Gründungsgeschichte der Universität Frankfurt am Main. Hamburg: VSA.

Schardt, Jürgen (2018): Architektur einer bürgerlichen Gesellschaft. Frankfurter Universitäts- und Stadtbauten im Kontext ihrer Geschichte zwischen 1906 und 1956. Münster: Westfälisches Dampfboot.

Schivelbusch, Wolfgang (1985): Intellektuellendämmerung. Zur Lage der Frankfurter Intelligenz in den zwanziger Jahren. Frankfurt am Main: Suhrkamp.

Schivelbusch, Wolfgang (1988): Die Bibliothek von Löwen. Eine Episode aus der Zeit der Weltkriege. München: Hanser.