Diese Debatte ist am 26.11.2021 in Bd. 9, Nr. 3/4 (2021) erschienen.

Die Debatte aus dem Themenschwerpunkt „Kindheit in der Stadt“ widmet sich dem engagierten, in Deutschland allerdings nur wenig rezipierten und weitestgehend in Vergessenheit geratenen Buch Das Kind in der Stadt von Colin Ward aus dem Jahr 1977 (deutsche Übersetzung 1978). Der 2010 verstorbene britische Anarchist und Stadtforscher wandte sich in seiner Studie den vielfach verborgenen und banalen Orten städtischer Kindheit zu. Ward interessierte sich dafür, wie Kinder „jedes übriggebliebene Fleckchen der Stadt ihren eigenen Zwecken nutzbar machen, wie erfindungsreich sie jede kleine Gelegenheit zum Vergnügen ergreifen“ (Ward 1978: 211) und Orte sowie materielle Dinge, denen Erwachsene kaum etwas abgewinnen können, durch ihr Spiel kreativ und eigensinnig besetzen und benutzen. Dies führte Ward immer wieder zu der grundlegenden Frage, ob in der Beziehung zwischen Kindern und ihrer städtischen Umwelt etwas verloren gegangen ist und ob wir die Abwesenheit von Kindern im öffentlichen Raum nicht viel zu selbstverständlich hinnehmen. Viele seiner Beobachtungen und Befunde erscheinen nach wie vor aktuell. Wir freuen uns daher, dass wir mit diesem Themenschwerpunkt nicht nur Teile dieser wertvollen Studie (wieder) einem größeren Publikum zugänglich machen können. Unser besonderer Dank gilt den drei Autorinnen Imbke Behnken, Anika Duveneck und Tanu Biswas, die sich in ihren anregenden Debattenbeiträgen der Frage widmen, welche Impulse von Wards Studie auch noch für die aktuelle Stadt- und Kindheitsforschung ausgehen und wie sein Werk aus heutiger Sicht zu beurteilen ist.

Das Kind in der Stadt (2021 [1978])

(Auszüge)

Colin Ward