Diese Debatte erschien am 31. Oktober 2014 in Bd. 2, Nr. 2 (2014); Illegalität – Stadt – Polizei

Den ersten Schwerpunkt dieses Heftes bildet die Debatte zur Frage, was ‚kritische Polizeiforschung‘ eigentlich ist und leisten sollte. Im Anschluss an die von Kendra Briken und Jenny Künkel organisierte Tagung „Kritische Polizeiforschung“ im Februar 2013 in Frankfurt am Main haben wir einige der Referent_innen gebeten, zu dieser Frage Stellung zu beziehen. Bernd Belina und Helga Cremer-Schäfer definieren Polizei als Durchsetzung einer spezifischen sozialen Ordnung. Damit hat kritische Polizeiforschung die Aufgabe, die damit verbundenen Herrschaftsverhältnisse zu hinterfragen. Markus-Martin Müller verdeutlicht, welche Potenziale eine mögliche Ausweitung der bisher meist eurozentrischen Polizeiforschungen haben kann. In ihrer Replik zu diesen drei Beiträgen schlägt Jenny Künkel eine umfassende Reflexion über Polizeien als gesellschaftlich produzierte Institutionen vor und betont die Notwendigkeit, verschiedene kritische Theorieansätze miteinander zu verbinden.

 

Was kritische Polizeiforschung sein könnte und sollte. Ein Beitrag zur Debatte

Bernd Belina

61-64

Der Text von Didier Fassin, ein Auszug aus seinem 2011 erschienenen Buch La force de l’ordre. Une anthropologie de la police des quartiers, den wir eigens für diese Ausgabe übersetzt haben, beschäf­tigt sich aus ethnographischer Sicht mit Konzepten von ‚Gewalt‘, und zwar anhand des Beispiels der Praktiken einer besonderen Polizeiein­heit in benachteiligten Pariser Wohnvierteln. Er leistet damit einen Beitrag zu einer soziologischen Reflexion der Frage, inwiefern sich die Polizei durch Gewalt­anwendung definieren lässt. Fassins Textauszug wird durch einen Beit­rag von Mélina Germes ergänzt, die seinen analytischen Ansatz, der auf dem Konzept der ,moralischen Ökonomie‘ basiert, erläutert und diskutiert. Diese Beiträge zur kritischen Polizeiforschung zeigen, wie veränderbare polizeiliche Grenzziehungen in Stadträumen (etwa die Definition ,gefährlicher Wohnviertel‘ oder die Trennung zwischen Privaträumen und Öffentlichkeit) die Praktiken der Polizeiarbeit je nach Bezugsraum prägen und verfestigen.

 

Gewaltformen

Didier Fassin

91-106