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Aufsatz
2015, Band 3, Heft 1, 45-74



Megaevents und favelas

Strategische Interventionen und sozialräumliche Effekte in Rio de Janeiro

abstract

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Ersteinreichung: 27.10.2014; Veröffentlichung online: 10.4.2015

 

  1. 1. Einleitung

Die Instrumentalisierung sportlicher und kultureller Großereignisse für Stadtentwicklung und -marketing wurde bereits vor über 20 Jahren von Häußer­mann und Siebel (1993) als ‚Festivalisierung‘ beschrieben und damit als stadtpolitische Strategie konzeptionell greifbar. Seither haben sich nicht nur die Events verändert. Auch die theoretische Auseinandersetzung mit der ‚Politik der großen Ereignisse‘ hat in Stadtsoziologie und -geographie an Breite und Tiefe gewonnen (vgl. Altrock et al. 2011). Insbesondere die sogenannten Megaevents (FIFA-WM, Olympische Spiele und die EXPO) sind seit längerem auch Gegenstand internationaler Forschung (vgl. Roche 1994, Andranovich et al. 2001, Horne/Manzenreiter 2006). Im Zusammenhang mit der Vergabe und Ausrichtung dieser Megaevents lassen sich derzeit zwei Trends beobachten, die eine Erweiterung der Forschungsperspektive erfor­der­lich machen. Der erste Trend betrifft den ‚Bedeutungsgewinn der Events‘. Das enorme ökonomische wie politische Gewicht (Black 2007), das solche Events in den letzten beiden Jahrzehnten erlangt haben, lässt sich zum einen an der zunehmenden Vermarktung, der gewachsenen weltweiten medialen Aufmerksamkeit[1] und den steigenden Umsätzen, die damit erzielt werden können, ablesen (vgl. Kitchin 2011). Zum anderen fällt auf, dass die Regierungen der Gastgeberstädte und -staaten verstärkt bereit sind, diese Events mit kapitalintensiven baulich-infrastrukturellen, organisatorischen und sicherheitsbezogenen Maßnahmen zu unterstützen, um auf diese Weise eine standardisierte Form globaler (Sport-)Kultur in einem spezifischen lokalen Kontext zu reproduzieren (vgl. Whitson/Macintosh 1996, Matheson/Baade  2004). Den zweiten Trend verkörpern die ‚Megaevents im Globalen Süden‘. Austragungsrechte für globale Großveranstaltungen wurden in den letzten Jahren zunehmend an Gastgeber aus sogenannten emerging nations vergeben, die in den vergangenen Jahren enorme ökonomische Wachs­tums­ra­ten verzeichnen konnten, gleichzeitig jedoch von gravierenden sozioökonomischen Disparitäten geprägt sind (vgl. Matheson/Baade 2004).[2]

Im Mittelpunkt der eventbezogenen Stadtforschung standen bisher vor allem Fragen der Stadterneuerung (vgl. Essex/Chalkley 1998, Carlsen/Taylor 2003, Altrock et al. 2011) sowie stadt- und regionalwirtschaft­liche Effekte bzw. Kosten-Nutzen-Analysen (vgl. Whitson/Macintosh 1996, Kasi­mati 2003, Preuß 2004, Maennig/Schwarthoff 2010). Im Zuge der beiden genannten Trends findet aktuell auch eine kritische Auseinander­set­zung statt, die nach den gesellschaftlichen Auswirkungen fragt (vgl. Mathe­son/Baade 2004, Pillay et al. 2009, Haferburg/Steinbrink 2010a, Flei­scher et al. 2013). Insbesondere seit den Olympischen Spielen in Peking und der Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika rückt diese Thematik in den Vor­der­grund, und im Vorfeld der FIFA-WMs in Russland 2018 und Katar 2022 mehren sich bereits äußerst skeptische Medienbeiträge. Kern der aktuellen Kritik ist neben den finanziellen und sozialen Kosten von Megaevents auch deren politische Instrumentalisierung.

Im Sinne der Erweiterung eines kritischen Forschungszugangs erscheint es geboten, die mehrfache (baulich-materielle, ökonomische, soziale, politische, symbolische) und die multiskalare (lokale, nationale und globale) Herstellungslogik der Events einzubeziehen, um lokale sozialräumliche Effekte der globalen Ereignisse angemessen analysieren zu können.

Ziel dieses Beitrags ist es, am Beispiel Rio de Janeiros einige Grundlagen für eine solche analytische Perspektive zu legen, um das Spannungsverhältnis zwischen der öffentlichen Rhetorik, welche die am Gemeinwohl orientierten Ziele der Eventausrichtung betont, einerseits und den Strategien und Effekten der Eventvorbereitung andererseits auszuloten. Dabei geht es hier vor allem um Aspekte, welche die städtische Ebene betreffen.[3] Thematisiert werden die stadtpolitischen Entscheidungslogiken, die hinter der Lenkung von Stadtentwicklungsprozessen im Eventkontext stehen. Konkrete eventstrategische Maßnahmen werden beschrieben und kontextuiert und deren soziale und sozialräumliche Konsequenzen im Hinblick auf Veränderungen der Wohn- und Lebenssituation der Menschen in der event city Rio de Janeiro beleuchtet. Der Fokus liegt auf den informellen Wohngebieten einkom­mens­schwacher Gruppen, denn diese Siedlungen erweisen sich als besonders sensibles Wirkungsfeld der Festivalisierung im Globalen Süden.

Im folgenden Teil dieses Beitrags werden zunächst die politisch-ökonomischen Rationalitäten der Festivalisierung der Stadtpolitik auf allgemeiner Ebene erläutert. Anschließend werden einige Überlegungen zu den Besonderheiten der Festivalisierung im Globalen Süden angestellt, wobei die Wohn- und Lebenssituationen unterer Einkommensgruppen im Zentrum stehen. Vor diesem Hintergrund wird im dritten Teil am Beispiel der brasilianischen Metropole Rio de Janeiro der politische Umgang mit städtischen Marginalsiedlungen (favelas) im Eventkontext analysiert und erste beobachtbare soziale wie sozialräumliche Folgen näher betrachtet. Es wird eine analytische Perspektive entwickelt, die sich auch auf andere städtische Kontexte zukünftiger Megaevents im Globalen Süden übertragen lässt, wenn es darum geht, den stadtpolitischen Umgang der jeweiligen host city mit marginalisierten Stadtgebieten zu untersuchen.

  1. 2. Politisch-ökonomische Rationalitäten der Festivalisierung im Globalen Süden

Die Logik der Ausrichtung eines Megaevents wird nur verständlich, wenn man sich vergegenwärtigt, dass Megaevents nicht nur zutiefst kommerzielle, sondern auch höchst politische Ereignisse sind. Die Verschränkung dieser beiden Bedeutungshorizonte wirkt konstituierend auf die Prozesse rund um die Events (Steinbrink et al. 2011).

Die Welt-Sportverbände FIFA und IOC sind global players und als solche vor allem wirtschaftliche Akteure, die nach Marktprinzipien agieren. Die Events fungieren als deren wichtigste Einnahmequellen: Mit TV-Rechten, Produkt-Lizenzen, Werbeverträgen und dem Ticketverkauf werden Milliarden-Umsätze erzielt (vgl. Kitchin 2011). Auch die Entscheidungen der Sportfunktionäre über die Austragungsorte orientieren sich maßgeblich an Profitinteressen. Das Austragungsrecht wird regelrecht versteigert. Als ‚Franchisenehmer‘ müssen die Bewerberstaaten die Erfüllung eines umfangreichen Katalogs an Verbandsvorgaben[4] – und damit den kommerziellen Erfolg für IOC und FIFA – garantieren (vgl. Cottle 2011, Steinbrink et al. 2011). Allein die Tatsache, dass den Verbänden so tiefgreifende, auch politische Einflussnahme gewährt wird, macht deutlich, welch starke Interessen die Regierungen der Gastgeberländer und -städte mit der Event-Ausrichtung verknüpfen.

Bei Bewerbungen aus sogenannten Schwellenländern spielt die symbolische nationale Aufwertung eine besondere außenpolitische Rolle: Mit der erfolgreichen Ausrichtung eines globalen Großereignisses soll die Schwelle zum exklusiven Kreis der führenden Wirtschaftsnationen symbolisch überschritten werden (Cornelissen 2004, Desai/Vahed 2010, Ley et al. 2010). Die Bewerber hegen aber auch innenpolitische Hoffnungen. Neben dem immer wieder angeführten ökonomischen Argument (Whitson/Macintosh 1996, Hiller 2000, Maennig/Schwarthoff 2010) ist hier vor allem die Funktion des Sports im Sinne von nation building und nationalem ‚feel-good-Effekt‘ zu nennen (vgl. Cornelissen 2012).

Auf stadtpolitischer Ebene gelten Globalisierungsprozesse, neoliberale Wirtschaftspolitik und die weltweite Konkurrenz zwischen den Metropolen als treibende Kräfte hinter dem Bedeutungszuwachs von Megaevents. In den alten Industrienationen bemüht man sich, den Deindustrialisierungs­pro­zess zu kompensieren und sich im internationalen Standortwettbewerb als Finanz-, Konsum- oder Unterhaltungszentren zu behaupten (vgl. Har­vey 1989; 2013, Sassen 1991, Greene 2003). Für die Metropolen des Südens indes sind insbesondere Aspekte wie schnelles Bevölkerungs- und Flächen­wachstum, Infrastrukturdefizite und sozialräumliche Disparitäten die großen Herausforderungen. Deshalb steht die Ausrichtung der Events dort auch eher im Zusammenhang mit der Möglichkeit der ‚Ermächtigung‘ der host cities bzw. bestimmter Akteure. Aber auch im Globalen Süden dienen die Events zunehmend als stadtpolitisches Instrument; auch hier sollen sie als Wirtschaftsmotor und Transmissionsriemen für Stadtentwicklung dienen.

  1. 2.1. Zielebenen der stadtpolitischen Festivalisierung

In Anlehnung an Häußermann et al. (2008: 263f.) kann generell zwischen ‚nach außen‘ und ‚nach innen‘ gerichteten Zielebenen der stadtpolitischen Festivalisierung unterschieden werden.

Die nach außen gerichtete Zielebene: Immer mehr Städte werden heute unternehmerisch geführt. Sie konkurrieren mit anderen Städten um Attrak­ti­vi­tät, Ansehen und nicht zuletzt um Investitionen (vgl. Harvey 1989; 2013, Brenner/Theodore 2002). Insofern sind Events Instrumente des Stadt­marke­tings und der Imagebildung im globalen Wettbewerb der world class cities. Man erhofft sich dadurch u. a. mehr ausländische Direktinvestitionen und steigende Touristenzahlen ebenso wie – daraus resultierend – wachsende Steuereinnahmen und positive Effekte für den Arbeitsmarkt (vgl. Hiller 2000, Andranovich et al. 2001, Greene 2003, Häußermann et al. 2008).

Nach innen gerichtete Zielebene: Megaevents werden zudem als stadtpolitisches Mittel eingesetzt, um bestimmte (Groß-)Projekte bzw. politisch gewünschte Stadtentwicklungsdynamiken anzustoßen, zu legitimieren und voranzutreiben (Mayer 2007). Im Vorfeld der Events entsteht aufgrund des definierten Zeitlimits ein enormer politischer wie planerischer Hand­lungs­druck. Gleichzeitig verstärkt dieser Druck die planerischen Handlungs­fähig­keiten der Verwaltungen und die politische Position der beteiligten Regie­rungs­ebenen: Strategische Entscheidungen können nun auch kurzfristig und ohne langwierige Partizipationsprozesse getroffen werden. Während dabei einige (z. B. sozialpolitische) Handlungsfelder in den Hintergrund rücken, sind bestimmte (stadtplanerische Infrastruktur-)Projekte, die ohne das Event – etwa aufgrund hoher Kosten oder öffentlichen Widerstands – nur schwer zu realisieren wären, plötzlich durchsetzbar (vgl. Häußermann/Siebel 1993, Ehrenberg/Kruse 2000, Matheson/Baade 2004, Haferburg/Steinbrink 2010b). So wird ein Event zum Steuerungsmedium, das eine finanzielle, räumliche wie inhaltliche Konzentration der Stadtpolitik begünstigt und politisch gewünschte Stadtentwicklungen selektiv beschleunigt.

Im Zuge der Eventvorbereitung vermengen sich die nationalpolitischen Ambitionen der Ausrichterstaaten und die stadtpolitischen Interessen der host cities mit den Profitinteressen der Weltverbände (FIFA und IOC), ihrer (welt-)wirtschaftlichen Partner und anderer privatwirtschaftlicher Akteure. Das politisch-ökonomische Amalgam all dieser Interessen ist das gemeinsame Ziel des Eventerfolgs – wobei ‚Erfolg‘ zunächst nur den reibungslosen Ablauf des Events meint.

  1. 2.2. Strukturelle Besonderheiten im Globalen Süden

Neben dem politökonomischen Wirkungsgefüge und den beiden allgemeinen Zielebenen stadtpolitischer Festivalisierung (außen/innen) müssen in dem hier behandelten Zusammenhang die strukturellen Besonderheiten im Globalen Süden berücksichtigt werden. Denn die Ausrichterstädte in Südafrika, China, Indien oder Brasilien weisen hier andere Merkmale auf als die Gastgeberstädte im Globalen Norden.

Die Übertragbarkeit der Festivalisierungsthese wurde bislang vor allem am Bei­spiel Südafrika diskutiert (Pillay et al. 2009, Haferburg/Steinbrink 2010a), wobei zwei grundsätzliche Annahmen formuliert wurden: Zum einen fallen im Globalen Süden aufgrund des niedrigeren Bruttoinlandsprodukts (pro Kopf) volkswirtschaftliche und regionalökonomische Effekte stärker ins Gewicht als in den alten Industrienationen (Cottle 2011). Zum anderen sind die eventinduzierten Eingriffe in die bauliche Entwicklung und die planungspolitischen Abläufe der Ausrichterstädte tiefgreifender, da die vorhandene Infrastruktur weder den Verbandsvorgaben noch den world class-Ambitionen der jeweiligen Städte entsprechen (Haferburg 2011). In Bezug auf zentrale Unterschiede zu den Gastgeberstädten im Globalen Norden und hinsichtlich besonderer Herausforderungen, die sich im Eventkontext im Globalen Süden ergeben, können daher folgende weiterführende Thesen formuliert werden:

1. Es ist davon auszugehen, dass – um den verbindlichen Normen der Sportverbände zu entsprechen – umfangreichere Infrastrukturmaßnahmen nötig sind als in Städten des Globalen Nordens. Während Letztere beispielsweise meist über ein gut ausgebautes öffentliches Verkehrssystem und moderne Stadien verfügen, muss diese Infrastruktur in den ‚neuen‘ Gastgeberstädten oft erst geschaffen werden (vgl. Matheson/Baade 2004). Das bedeutet zwar sehr lukrative Optionen für (internationale) Unternehmen im Bausektor, hat aber vor allem deutlich höhere Kostenbelastungen für die öffentlichen Haushalte und gleichzeitig tiefergehende Eingriffe in die Stadtstruktur zur Folge.

2. Die Eventvorbereitungen im Globalen Süden treffen auf Bedingungen schnell wachsender, sozial stark fragmentierter Städte mit ausgeprägten informellen Wirtschafts- und Siedlungsaktivitäten. In diesem Kontext stellt der Bedarf an bezahlbarem Wohnraum für untere Einkommensgruppen eine der größten Herausforderungen dar. Zugleich sind die gesellschaftlichen Einflussmöglichkeiten und die Möglichkeiten zur öffentlichen Mitgestaltung von Stadtentwicklung häufig sehr ungleich verteilt: Einer die städtische Politik dominierenden Elite steht eine große marginalisierte Bewohnerschaft gegenüber (vgl. UN-Habitat 2003, Roy/Al Sayyad 2004, Rojas 2010). Umfangreiche Eingriffe in die Stadtentwicklung sind in Ländern des Südens deshalb direkt mit der Wohnraumfrage und mit Fragen nach demokratischer Mitgestaltung von Stadtentwicklungsprozessen verknüpft.

3. Aus der Ausrichtung eines Megaevents erwächst – in den alten In­dus­­trie­na­tion­en ebenso wie im Globalen Süden – stets die Mög­lich­­keit zur Inwertsetzung städtischer ‚Restflächen‘. Vor dem Hintergrund stark di­vergie­render Qualitäten des städtischen Strukturwandels in Nord und Süd sind jedoch deutliche Unterschiede zu beachten: Im Gegensatz zu den deindustrialisierten Städten im Globalen Norden handelt es sich bei den ‚Flächenreserven‘ der ‚neuen‘ host cities selten um weitgehend ungenutzte Industrie- oder Gewerbebrachen, sondern oft um Areale mit informeller Besiedlung. Im Zuge der Eventplanungen steigt der Inwertsetzungs- und Umnutzungsdruck auf diese Flächen, weshalb Raumnutzungskonflikte absehbar sind (vgl. COHRE 2007, Shin 2009, Ley 2010).

  1. 2.3. Wohnraumversorgung als sensibles Wirkungsfeld der Festivalisierungspolitik

Ausgehend von den bisherigen Darstellungen und auf Grundlage diverser Studien über Großveranstaltungen im Globalen Süden (vgl. Greene 2003, COHRE 2007, Shin 2009, Ley 2010) kann konstatiert werden, dass die Wohn- und Lebenssituation unterer Einkommensgruppen ein besonders sensibles Wirkungsfeld der eventbezogenen Stadtpolitik ist. Dabei werden verschiedene Faktoren wirksam, welche die Wohnsituation direkt oder indirekt beeinflussen (können). Besonders relevant sind:

1. Eventinduzierte Einflüsse auf den (sozialen) Wohnungsbau: In der Vorbereitungsphase zur WM 2010 in Südafrika kam es beispielsweise zu maßgeblichen Umschichtungen im öffentlichen Haushalt zugunsten eventrelevanter Infrastrukturen (Stadien, Flughäfen, Verkehrstrassen etc.) und zulasten des sozialen Wohnungsbaus bzw. der Wohnungsbauförderung. In Rio zeichnet sich ein etwas anderes Bild ab, denn dort entstehen – parallel zu den Event­vor­be­rei­tungen im Rahmen öffentlicher Wohnungsbauprogramme – zahlreiche neue Wohneinheiten (vgl. 4.1). Infolge des Baubooms vor den Events und der damit verbundenen hohen Nachfrage steigen allerdings die Baustoffpreise, was sowohl den öffentlichen Wohnungsbau als auch die private (formelle und informelle) Wohnraumproduktion für untere Einkommensgruppen beeinträchtigt (Ley 2010, Steinbrink et al. 2011). Es ist davon auszugehen, dass diese Dynamiken bis Olympia 2016 weiter anhalten werden.

2. Eventinduzierte Veränderungen von Planungs- und Betei­li­gungs­ver­fahren: Im Zusammenhang mit Großereignissen werden regelmäßig Pla­nungs­gesetze und -richtlinien kurzfristig geändert bzw. durch Son­der­re­ge­lung­en ergänzt oder außer Kraft gesetzt, um auf die Anforderungen der Eventplanung flexibel reagieren zu können. Demokratische Betei­li­gungs­ver­fahren werden auf diese Weise eingeschränkt oder umgangen. In Rio war damit der rechtliche Weg geebnet für Enteignungen und Umsiedlungen sowie für die Privatisierung und Umnutzung öffentlicher Liegenschaften ohne Bürgerbeteiligung (vgl. Gaffney 2010a; 2010b; 2013).

3. Eventinduzierte Umsiedlungsmaßnahmen: Zentral oder besonders exponiert gelegene informelle Siedlungen gelten entsprechend der Ins­ze­nie­rungs­logik zum einen als ‚Schandflecken‘; zum anderen werden eventbezogene Projekte auf informell bewohnten Flächen geplant. Megaevents im Globalen Süden waren bislang fast immer mit großangelegten Abriss- und Umsiedlungsmaßnahmen verbunden: Vor den Olympischen Spielen 1988 in Seoul wurden 720.000 Menschen zwangsumgesiedelt, im Vorfeld der EXPO 2010 in Shanghai war die Umsiedlung von 400.000 Menschen angekündigt und New Delhi sollte bis zu den Commonwealth Games 2010 „slumfree“ werden, weshalb zwischen 2003 und 2006 rund 300.000 Slum­be­woh­ner umgesiedelt wurden (vgl. COHRE 2007). Schätzungen zufolge waren in Peking fast 1,5 Millionen Menschen von Abrissmaßnahmen im Zusammenhang mit Olympia 2008 betroffen (vgl. Shin 2009). Und auch in Rio finden bereits umfangreiche Umsiedlungen statt (siehe 4.1).

4. Eventinduzierte Aufwertungsprozesse: Stadterneuerungs-, Infra­struk­tur- oder auch sicherheitspolitische Maßnahmen führen oft zu Attraktivitäts- und Bodenpreissteigerungen in bestimmten Stadtvierteln. Diese Prozesse können eine Verdrängung der Wohnbevölkerung durch einkommensstärkere Schichten und gesamtstädtische sozialräumliche Veränderungen induzieren. Dieses Phänomen der Gentrifizierung wird konzeptionell vor dem Hintergrund einer international zu beobachtenden Neoliberalisierung der Stadtpolitik diskutiert, deren Effekte nun zunehmend auch in Städten des Südens wirksam werden (vgl. Smith 2002). Für verschiedene Metropolen in Asien (vgl. Harris 2008), Lateinamerika (vgl. López-Morales 2010, Inzulza-Contardo 2012), teilweise auch in Afrika (vgl. Kotze/Van der Merwe 2000), wurde bereits auf die Folgen dieser städtischen Restrukturierungen hingewiesen. Im Kontext von Megaevents können sich Gentrifizierungsdynamiken verstärken. So zeigen beispielsweise Bénit-Gbaffou (2009) und Ley (2010) sozialräumliche Veränderungen in strukturschwachen Wohngebieten von Johannesburg auf, die aus Investitionstätigkeiten im Vorfeld der FIFA-WM 2010 resultierten, und machen dabei auf gravierende Aufwertungs- und Verdrängungseffekte aufmerksam.[5] Aufgrund der aktuellen Entwicklungen in Rio findet der Begriff der gentrification auch dort zunehmend Eingang in die wissenschaftlichen und medialen Stadtentwicklungsdiskurse (Tadini 2013, Vasconcellos et al. 2013; siehe auch Kapitel 4).

  1. 3. Festivalisierung in Rio de Janeiro und die favelas

Seit einigen Jahren setzt Rio de Janeiro verstärkt und sehr gezielt auf die Politik der Festivalisierung. Neben der WM 2014 und den anstehenden Olympischen Spielen 2016 fanden dort bereits die Panamerican Games 2007, die World Mili­ta­ry Games 2011, der RIO+20 Gipfel 2012, der FIFA Confe­de­rations Cup 2013 und der Weltjugendtag 2013 statt.[6] Diese auffällige Abfolge hat ihren Ur­sprung in einer strategischen Neuausrichtung der städtischen Politik in den 1990er Jahren unter dem damaligen Bürgermeister Cesar Maia. Mit dessen erster von ins­gesamt drei Amtszeiten (1993-1996, 2001-2004, 2004-2007) begann Rio de Janeiro, eine an privatwirtschaftlichen Interessen und Vermarktungslogiken orien­tie­rte Stadtpolitik zu betreiben (vgl. Bienenstein et al. 2012). Hierbei stand zu­nächst die im Rahmen von städte­bau­lichen (Groß-)Projekten in Public-Private-Partnership realisierte Umgestaltung der Stadt im Vordergrund. Damit einher gingen die Neuformulierung strategischer Entwicklungspläne und eine star­ke Fokus­sie­rung auf Stadtmarketing (vgl. Sánchez 1999, Sánchez et al. 2004). Mit der Bewer­bung um die Austragungsrechte globaler Events führt die Stadt diese Politik nach dem Vorbild des ‚Barcelona Modells‘[7] konsequent weiter (vgl. Gaffney 2010a).

Der Festivalisierungstrend kann als Reaktion auf den allgemeinen Bedeu­tungs­verlust der Stadt Rio seit den 1960er Jahren verstanden werden. Mit dem Verlust der Hauptstadtfunktion an Brasília, der politischen und ökonomischen Krise der 1980er Jahre und dem Aufstieg von São Paulo – der größten Wirtschaftsmetropole Lateinamerikas – ist Rio politisch wie ökonomisch ins Hintertreffen geraten. Die Megaevents werden nun als Chance begriffen, planerische und infrastrukturelle Projekte voranzutreiben und die Stadt neu zu positionieren. Die im Zuge der Events angestrebten städtischen Modernisierungs- , Vermarktungs- und (privaten) Akkumulationsprozesse finden nicht nur Ausdruck in prestigeträchtigen öffentlich finanzierten Bau­pro­jekten wie der Umgestaltung des Maracanã-Stadions und dem Bau des Museum of Tomorrow. Auch privatwirtschaftliche Investitionen in neue Shoppingcenter, Bürogebäude, teure Wohnanlagen bzw. condomínios fechados (gated communities) etc. zeugen davon. Großflächigen städtischen Re­struk­turierungen – so z. B. die aktuelle Erneuerung des alten Hafen­gebietes (Porto Maravilha) – sowie der Umwidmung, Privatisierung und marktwirtschaftlichen Inwertsetzung städtischer ‚Restflächen‘ kommt dabei eine zentrale Bedeutung zu (vgl. Gaffney 2010a; 2010b, Bienenstein et al. 2012, Paiva et al. 2013, Mesentier/Moreira 2014).

Da die planerischen Vorbereitungen der zahlreichen Großereignisse seit Jahren nahezu lückenlos ineinander übergehen, bezeichnet Vainer (2011) Rio de Janeiro als „cidade de exceção“ („Stadt im Ausnahmezustand“)[8] und meint damit, dass die für Vorbereitungsphasen typische Stadtpolitik des Ausnahmezustands inzwischen zum Normalfall geworden ist. Das betrifft insbesondere das Aushebeln von Beteiligungsprozessen und die Ein­set­zung demokratisch nicht legitimierter, aber mit umfangreichen Befug­nis­sen ausgestatteten Sonderorganisationen (vgl. Gaffney 2010a; 2013, Oli­veira 2012: 219f.).[9]

Die aktuellen stadtpolitischen Entwicklungslinien stehen in eklatantem Widerspruch zu der in Brasilien intensiv vertretenen Forderung nach einem ,Recht auf Stadt‘ (vgl. Lopes de Souza 2001, Holston 2008). Dieses fand nach langjährigem Engagement verschiedener sozialer Bewegungen im Jahr 1988 zumindest formell auch Eingang in die brasilianische Gesetzgebung, als mit der neuen Verfassung auch eine neue urbane Politik formuliert wurde, die Eingang in den Estatuto da Cidade (‚Stadt-Statut‘) von 2001 fand. Dieses soll grundsätzlich die Formalisierung informeller Siedlungen regeln und die soziale Funktion von städtischem Boden unterstreichen – insbesondere für ärmere Bevölkerungsgruppen – und somit die demokratische Beteiligung an Stadtentwicklung und -verwaltung garantieren (vgl. Lopes de Souza 2001, Fernandes 2007). Im Zuge der Eventvorbereitungen und -durchführungen werden diese Prinzipien und Ziele, die ohnehin in der urbanen Realität der Betroffenen nur bedingt Umsetzung gefunden haben, in der Praxis gröβtenteils ausgeblendet und von den Logiken der cidade de exceção überlagert.[10]

  1. 3.1. Die favela – Brasiliens ambivalente (innerstädtische) Peripherie

Ebenso wie in anderen brasilianischen Metropolen gibt es auch in Rio einen hohen Anteil städtischer Armut. Trotz einer wachsenden Mittelschicht sind die großen Städte Brasiliens weiterhin von immensen sozioökonomischen Disparitäten geprägt, die sich in stark segmentierten und kleinräumig fragmentierten Stadtstrukturen widerspiegeln (vgl. Wehrhahn 2000, Borsdorf 2002, Coy 2006, Deffner 2010, Perlman 2010, Lanz 2012). Rund jeder fünfte Einwohner der 6-Millionen-Metropole Rio lebt in einer der über 750 favelas (IBGE 2010). Angesichts des Mangels an günstigem formellem Wohnraum und unzureichender sozialer Wohnungsbauprogramme stellen die informell errichteten Wohngegenden seit langem die einzig bezahlbare Alternative für die ökonomisch schwächere Stadtbevölkerung dar. Seit den Anfängen der favela-Entstehung vor über hundert Jahren wurden diese Wohngebiete stadtplanerisch vernachlässigt und deren Bewohner_innen gesellschaftlich marginalisiert. Von einigen Ausnahmen abgesehen kümmerte sich der Staat kaum um die Anbindung der favelas an die öffentlichen Ver­sor­gungs­struk­turen. Wenn überhaupt, fanden Interventionen meist in Form von Abriss bzw. Umsiedlung oder polizeilicher und militärischer Repression statt (vgl. Wacquant 2008, Penglase 2009).[11]

Die Stadtforschung führt die Situation in den favelas auf bestimmte historische Konstellationen zurück (Holanda 1995 [1936], Souza 2003; 2006). So wird häufig darauf verwiesen, dass mit dem Ende der Militärdiktatur in Brasilien Anfang der 1980er Jahre kriminelle Gruppierungen begannen, das Machtvakuum in den gesellschaftlich und politisch marginalisierten Stadt­ge­bieten zu füllen (Lopes de Souza 2008, Wacquant 2008, Deffner 2013). Zur Sicherstellung ihrer (Drogen-)Geschäfte und zur Verteidigung ‚ihrer‘ Territorien kontrollierten sie seitdem viele favelas in Rio de Janeiro mithilfe von Waffengewalt und Angst. Die Polizei und parastaatliche Sicherheitskräfte (milícias), die vielfach aus der polícia militar hervorgegangen sind, gingen ihrerseits mit Härte gegen die kriminellen Gruppierungen (und oft auch gegen unschuldige Bewohner_innen) vor. Die Macht der Drogenbanden konnte jedoch nie vollständig gebrochen werden. Vielmehr kam es in den favelas zu einer weitreichenden Verstrickung staatlicher Akteure in den Drogen- und Waffenhandel. Und letztlich wurde die Polizei ebenfalls Teil des unübersichtlichen, korrupten und komplexen Einschüchterungs-Set­tings. Die verschiedenen Drogenorganisationen entwickelten sich nach und nach zu lokalen Parallelmächten, die das Alltagsleben der Bewohner_innen dieser Gebiete seither stark prägten (Penglase 2009). In Form von klei­ne­ren, gut vernetzten lokalen Gruppen wurden sie aber auch fester Bestand­teil der Selbstorganisation in den Favelas, die zum Teil auch soziale Unterstützung für die Bewohner_innen (z. B. in Form von Dienstleistungen oder Finanzierung von Infrastrukturmaßnahmen) leisteten. Der Rückzug staatlicher Verantwortung führte somit zu neuen Abhängigkeiten. Die Macht einiger Drogengangs war lange so weitreichend – und ihre Verbindungen zu Vertreter_innen des politischen Systems bzw. der Polizei so stark –, dass sie eine umfangreiche staatliche Einflussnahme in ‚ihren‘ Territorien weitgehend verhindern konnten (vgl. Lopes de Souza 2004, Arias 2006).

Diese Entwicklungen brachten einerseits eine weitgehende Vernach­läs­si­gung dieser Gebiete seitens Stadtpolitik und –planung mit sich und führten zu­gleich zu einer weiteren Stigmatisierung der Bewohner_innen. An­derer­seits tru­gen sie dazu bei, dass die favelas von den scharfen Preis­dy­na­miken des formellen Wohnungsmarktes lange Zeit unberührt blieben. Selbst in zentral gelegenen favelas ist Wohnraum noch vergleichsweise günstig.

Die favelas stellen als Wohn- und Lebensmittelpunkt für die Bewohner_innen zwar einen wichtigen ‚Möglichkeitsraum‘ dar; die Handlungsspielräume und Chancen zur selbstbestimmten Lebensgestaltung der meisten favela-Bewohner_innen sind jedoch nicht nur wegen der Präsenz bewaffneter Ban­den­mitglieder und der oft unzureichenden infrastrukturellen Aus­stat­tung, der Enge und mangelhaften Bausubstanz, sondern auch aufgrund ihrer öko­no­mischen und sozialen Position eingeschränkt. Die asymmetrische gesell­schaft­liche und wirtschaftliche Integration äußert sich vor allem in ungleichen Zugangschancen zu Bildung und Arbeitsmarkt, aber auch in Dis­kri­mi­nie­rung und Stigmatisierung (Deffner 2010, Rothfuß 2012).

  1. 3.2. Rios favelas als Problem- und Zielgebiete der Festivalisierung

Im Kontext der Festivalisierungspolitik stellen favelas für Regierung, Stadt­ver­waltung, Organisationskomitees der Veranstaltungen und weitere Inte­res­sengruppen eine zentrale Planungsherausforderung dar. Ent­sprech­end den beiden stadtpolitischen Zielebenen der Festivalisierung (außen/innen) sind sie sowohl (a) ‚Problemgebiete‘ als auch (b) ‚Zielgebiete‘ der Eventpolitik.

(a) Im Sinne der nach außen gerichteten Zielsetzung (Stadtmarketing) können favelas in zweifacher Weise ‚Problemgebiete‘ sein: Erstens erweisen sie sich für die Planer als ‚städtebauliches Arrangierungsproblem‘, sofern sie sich auf Flächen befinden, die für eventbezogene Projekte vorgesehen sind. Solche favelas sind den baulichen Maßnahmen für die urbane Inszenierung buchstäblich im Weg. Zweitens sind favelas für die Gastgeberstadt ein ‚ästhetisches Imageproblem‘. Insbesondere die zentral und in der florierenden Südzone gelegenen favelas prägen das Stadtbild, da sie weithin sichtbar an den steilen Berghängen erbaut wurden und teilweise unmittelbar an die teuersten Wohngegenden und die berühmten Strände Copacabana, Ipanema und Leblon angrenzen. Aufgrund ihrer exponierten Lage befinden sie sich gewissermaßen auf der Vorderbühne der event city; ihr Erscheinungsbild ist indes schwerlich mit dem angestrebten world class city-Image vereinbar, stehen sie doch geradezu emblematisch für Attribute wie Armut, bad governance und soziale Polarisierung. Als Drittes kommt hinzu, dass die internationalen Medien vor allem die Sicherheitssituation in Rio de Janeiro sehr kritisch verfolgen und Kriminalität vornehmlich in den favelas verorten (favela als ,Sicherheitsproblem‘). So gelten favelas meist pauschal als unkontrollierbare, gefährliche Orte, in denen Gewalt und Gesetzlosigkeit herrschen. Das heißt, die favelas sind aufgrund ihrer Lage und ihrer spezifischen semantischen Aufladung sehr präsente stadträumliche Signifikanten eben jener Teilaspekte des ambivalenten Stadtimages, deren Überwindung mithilfe der Megaevents demonstriert werden soll (Steinbrink/Ehebrecht 2013: 197).

(b) Im Sinne der nach innen gerichteten Zielsetzung (Event als Steue­rungs­medium der Stadtentwicklung) sind favelas auch ‚Zielgebiete‘ der Festi­va­li­sie­rungspolitik. Die Events werden als stadtpolitisches Instrument eingesetzt, um dem ‚Inwertsetzungsproblem‘ zu begegnen: Insbesondere die favelas in der Südzone sind auf Flächen erbaut, die für den Boden- und Immobilienmarkt höchst interessant sind, der formellen ökonomischen Inwertsetzung – nicht zuletzt aufgrund der Kriminalitätssituation – bislang aber weitgehend entzogen waren (vgl. Abb. 1 unten). Die Großereignisse und der hohe Erwartungsdruck sorgen innenpolitisch – in der Mittel-und Oberschicht – für die nötige gesellschaftliche Akzeptanz und ermöglichen die Bündelung staatlicher Kapazitäten sowie finanzieller Mittel für Maßnahmen, die den Zugriff der ‚unsichtbaren Hand des freien Marktes‘ auf attraktive Flächen und neue lukrative Marktgebiete ermöglichen, die bisher als ‚investive No-Go-Areas‘ galten (vgl. Steinbrink 2013).

  1. 4. Politische Strategien im Umgang mit den favelas im Eventkontext

Der ,Planungsherausforderung favela‘ begegnet die Stadtverwaltung von Rio derzeit mit zwei Hauptstrategien: ,Abriss und Umsiedlung‘ sowie ,Pazi­fi­zie­rung und Aufwertung‘. Diese beiden Strategien werden im Folgen­den jeweils hinsichtlich der beschriebenen Mehrdimensionalität im Sinne der zwei festivalisierungspolitischen Zielebenen (innen/außen) betrachtet.

  1. 4.1. Abriss und Umsiedlung

Bisherige Erfahrungen mit Megaevents im Globalen Süden deuten darauf hin, dass Umsiedlungen die konventionelle Strategie im Umgang mit Armuts­gebieten sind, sobald der Festivalisierungsprozess in Gang gekommen ist. Schätzungen zufolge könnten in Brasilien im Zusammenhang mit der WM 2014 und Olympia 2016 zwischen 150.000 und 250.000 Menschen unmittelbar betroffen sein (vgl. Paiva et al. 2013: 16, Marinho et al. 2014: 37). In Rio de Janeiro wurden bereits vor den Panamerikanischen Spielen 2007 zahlreiche Umsiedlungen durchgeführt, und auch die Bewerbungsunterlagen zu Olympia 2016 enthalten die Ankündigung weiterer „relocations“ von „less advantaged communities“ (Rio 2016 Candidate City 2009, Vol. 2: 145). Im Jahr 2009 veröffentlichte die Stadtregierung zudem eine Liste mit 119 favelas, für die es damals Umsiedlungspläne gab (Freire 2013: 109). Insbesondere klei­ne­re favelas, unter anderem entlang geplanter Verkehrstrassen (bus rapid transit – BRT)[12] bzw. in direkter Nachbarschaft zu den (geplanten) Sport­stätten, sind davon betroffen. Der Abriss ist der offensichtlichste Weg, mit den baulichen ‚Arrangierungsproblemen‘ bzw. ästhetischen Image- und Sicherheitsproblemen umzugehen. Letztlich handelt es sich um ein ,Platz schaffen‘ und ,unsichtbar machen‘. Im Sinne der nach innen gerichteten Zielebene sind die Umsiedlungen aber gleichzeitig als Strategie im Zuge der ökonomischen Inwertsetzungsproblematik zu verstehen: Die geplanten Neugestaltungen zielen, wie unten gezeigt wird, vor allem auf eine an Marktinteressen orientierte (Nach-)Nutzung.

 

Ausmaß und Begründungszusammenhänge

Schätzungen gehen davon aus, dass in Rio (bis 2014) bereits mindestens 4.770 Familien (ca. 16.700 Personen) umgesiedelt wurden, davon rund 3.500 Familien (ca. 12.300 Personen) für Maßnahmen, die in engem Zusam­men­hang mit den Großereignissen stehen. Weitere ca. 9.400 Familien (schätzungs­weise 33.000 Personen) sind von Umsiedlung bedroht oder haben bereits behördliche Umsiedlungsbescheide erhalten; davon sind rund 7.300 Familien von Umsiedlungsmaßnahmen im Zuge der direkten Eventplanungen betroffen (siehe Tabelle 1, Comitê Popular 2014a: 21).


Tab. 1 Umfang der Umsiedlungen in Rio de Janeiro und ihre offiziellen Begründungen (Quelle: Eigene Berechnung und Darstellung nach Comité Popular 2014a, S. 19-37, vgl. auch UFRJ/IPPUR 2012)

Offizielle Begründungen für Umsiedlungen sind – neben Argumenten wie Um­welt­schutz, der Lage von Siedlungen in ‚Risikogebieten‘ und der Schaf­fung von Freizeit- bzw. touristischen Anlagen – vor allem größere bau­lich-infrastruk­turelle Planungen. Diese Begründungen stehen meist mit drei sich teils überschneidenden Formen der Inwertsetzung in Verbindung: 1. dem Bau, der Erweiterung oder Modernisierung von Sportstätten, 2. dem Ausbau der Verkehrsinfrastruktur und 3. der Inwertsetzung durch Immo­bi­lien­projekte. Im Folgenden werden diese jeweils anhand eines Beispiels verdeutlicht:

1. Den Bewohner_innen der favela Metrô Mangueira, ehemals Wohnort von ca. 700 Familien, wurde durch die Stadtverwaltung im Jahr 2010 die bevorstehende Räumung angekündigt. Diese begründete die Maßnahme damals mit der Notwendigkeit eines Parkhauses für das angrenzende Maracanã-Stadion. Unter dem behördlichen Druck akzeptierten 108 Familien die sofortige Umsiedlung in das 70 Kilometer entfernte Wohnungsbauprojekt Cosmos. Nach anfänglichem Widerstand der verbleibenden Bewohner_innen wurden im Jahr 2012 auch diese annähernd komplett umgesiedelt und auf drei Wohnraumprojekte in der Nähe verteilt. Den wenigen verbleibenden Familien wurde inzwischen die öffentliche Strom- und Wasserversorgung abgestellt. Ende 2013 verkündete die Stadtverwaltung dann, dass anstelle des Parkhauses nun ein Geschäftskomplex mit angrenzender Parkanlage gebaut werden würde (vgl. UFRJ/IPPUR 2012, Comitê Popular 2014a: 26).

2. Die rund 120 Familien der Vila Harmonia im Westteil der Stadt erhielten ihre Räumungsbescheide im Zusammenhang mit der Ankündigung der BRT Transoeste-Planung. Die Familien wurden gedrängt, in ein einige Kilometer entferntes Projekt des Wohnungsbauprogramms Minha Casa, Minha Vida (siehe unten) in Campo Grande umzuziehen, damit eine Auffahrt für die Schnellstraße errichtet werden könne. Die Mehrheit der Familien akzeptierte eine Entschädigungszahlung bzw. ein Apartment im Wohnungsbauprojekt. Die konkreten Pläne für die Nachnutzung der Fläche wurden den Bewohner_innen nie präsentiert. Gegenwärtig wird das ehemalige Siedlungsgebiet als Parkplatz für Fahrzeuge der Stadtverwaltung genutzt (vgl. UFRJ/IPPUR 2012, Comitê Popular 2014a: 24).

3. Beispielhaft für die Inwertsetzung durch Immobilienprojekte und für die Verquickung der verschiedenen planerischen ‚Problemebenen‘ ist die favela Vila Autódromo, die sich im südlich gelegenen Stadtteil Barra da Tijuca befindet. Immer wieder kam es zu Konflikten mit den Behörden, die das seit Mitte der 1990er Jahre bestehende Siedlungsrecht mit den unterschiedlichsten Begründungen anfochten. Bereits im Vorfeld der Panamerikanischen Spiele 2007 sollte die favela abgerissen werden, um Platz für Sportstätten zu schaffen. Seit Beginn der Olympia-Planungen steht die Umsiedlung der rund 1.250 Bewohner_innen nun wieder auf der Agenda (vgl. Silvestre/Oliveira 2012, Freire 2013, Vainer et al. 2013).

Entsprechend der Festivalisierungslogik stellt die Vila Autódromo ein städtebauliches Arrangierungs-, Image- und Inwertsetzungsproblem dar: Die Siedlung befindet sich in unmittelbarer Nähe zu den Sportstätten des angrenzenden Olympia-Standortes und bedeutet – den Argumenten der Stadtverwaltung zufolge – ein Hindernis bei der Errichtung des Olympischen Parks, eines Parkplatzes und eines Medienzentrums. Außerdem wird die Siedlung in der Diskussion als ‚Sicherheitsproblem‘ und ‚unästhetischer Schand­fleck‘ beschrieben. Auch der Bau einer BRT-Strecke (Transolímpica) sowie Umweltschutzmaßnahmen für eine direkt angrenzende Lagune fließen in die offiziellen Begründungen für die Umsiedlung ein. Weiterer zentraler Faktor dürfte sein, dass ca. 75 % des olympischen Geländes nach dem Event als hochwertiges Bauland zur Verfügung stehen sollen, um dort unter anderem ein großangelegtes Immobilienprojekt eines privaten Investors zu realisieren. Auf­grund der stigmatisierenden Raumdiskurse stellt die Vila Autódromo auch in diesem Zusammenhang ein Inwertsetzungsproblem dar, denn die Nähe einer favela könnte sich negativ auf die Rendite des Immobilienprojekts auswirken (vgl. Silvestre/Oliveira 2012, Comitê Popular 2014a: 26-28).

Die Bewohner_innen der Siedlung, von denen die meisten seit Jahr­zehn­ten dort wohnen, sollen in das nahegelegene Wohnungsbauprojekt Parque Carioca (ebenfalls Minha Casa, Minha Vida) umgesiedelt werden. Unterdessen wurde das formelle Siedlungsrecht der Bewohner_innen infolge umfangreicher Proteste[13] zwar gerichtlich bestätigt; trotzdem besteht nach wie vor die behördliche Absicht, zumindest Teile der Siedlung abzureißen – viele Abrissmaßnahmen sind bereits erfolgt. Dadurch verschärft sich der Konflikt mit der Stadtverwaltung und Kontroversen innerhalb der Bewohnerschaft sind die Folge. Von den ursprünglich rund 550 Familien haben bereits mehr als 200 Familien das Angebot der Stadtverwaltung akzeptiert, der Räumung zuzustimmen und im Gegenzug eine Sozialwohnung zu beziehen oder eine finanzielle Entschädigung zu erhalten. Jene Bewohner_innen, die sich nach wie vor gegen die Umsiedlung zur Wehr setzen, sehen sich dagegen behördlichen Einschüchterungsversuchen ausgesetzt: Vielen Wohn­ein­hei­ten wurden Strom und Wasser abgestellt und vielfach wird Abriss­schutt zurückgelassen, um die Wohnqualität für die verbliebenen Bewohner_innen zu beeinträchtigen (vgl. Crumpler/Steiker-Ginzberg 2013, Comitê Popular 2014a: 26-28, Steiker-Ginzberg 2014).

Diese drei Beispiele zeigen auch, dass sich keineswegs immer eindeutig bestimmen lässt, ob die Events nun Zweck oder Mittel für die Umsetzung der baulich-infrastrukturellen Maßnahmen sind. So tragen etwa die BRT-Systeme zur Verbesserung der kritischen Situation des öffentlichen Personennahverkehrs bei, schaffen jedoch gleichzeitig Anreize zur Inwertsetzung der angrenzenden Flächen. Und natürlich dienen sie dem Transport der internationalen Gäste während der Spiele. Die neugebauten Sportstätten im Westteil der Stadt werden zunächst für das Großereignis genutzt; danach soll der dort entstehende Olympische Park allerdings größtenteils zu hochwertigen Wohn-, Geschäfts- und Shoppingflächen weiterentwickelt werden, so dass dieses ,Eventprojekt‘ letztlich den Profitinteressen der Investoren entgegenkommt. Die Neugestaltung des Hafengebietes und dortige Immobilienentwicklungen sowie die damit verbundenen Umsiedlungen haben keine direkte Relevanz für die Durchführung der Sportevents, stehen aber exemplarisch für die im Eventkontext beschleunigten Prozesse der spekulativen Flächeninwertsetzung und die internationale (touristische) Vermarktung.

Im Rahmen der Eventvorbereitungen vermengen sich also stadtpolitische und privatwirtschaftliche Interessen mit dem kurzfristigen Ziel einer erfolgreichen, reibungslosen Eventausrichtung. Im Grunde sind die aktuellen Umsiedlungen eine Fortsetzung bzw. Neuauflage einer alten, vorwiegend repressiven favela-Politik – jetzt im Zeichen der Events: Die Großveranstaltungen legitimieren Interventionen, die vor allem kapitalistischen Inwertsetzungslogiken folgen.

 

Soziale und sozialräumliche Konsequenzen

Die Art und Weise, in der die Umsiedlungsmaßnahmen durchgeführt werden, macht die Verwundbarkeit der Betroffenen deutlich und führt oft gleichzeitig zu einer Verschärfung ihrer Verwundbarkeitssituation.

Charakteristisch für den Umgang mit Wohngebieten unterer Ein­kom­mens­grup­pen im Kontext des stadtpolitischen ‚Ausnahmezustands‘ ist die äußerst undemokratische Verfahrensweise: Details über Zeitpläne und Bedin­gung­en der Umsiedlungen werden zurückgehalten, konkrete Pla­nungs­in­­halte kaum offengelegt, und ein Mitspracherecht wird meist vollständig verwehrt. Zudem werden die Bewohner_innen oft sehr kurzfristig und mit zweifelhaften Mitteln dazu gedrängt, entweder dem Umzug in ein Projekt des Wohnungsbauprogramms Minha Casa, Minha Vida oder einer Kom­pen­sa­tions­zahlung zuzustimmen. Vielfach werden die Betroffenen über die genauen Konditionen der Entschädigungsleistungen im Unklaren gelassen; dass die Höhe der finanziellen Entschädigung für eine Unterkunft in der Nähe oder in vergleichbarer Lage zu niedrig ist, stellt sich entsprechend spät heraus. Außerdem bedeutet das Umsiedeln in eines der Wohnungsbauprojekte oft den problematischen Umzug an den Stadtrand (vgl. Lopez de Souza 2012, Crumpler/Steiker-Ginzberg 2013, Comitê Popular 2014a: 19-20 und 35ff.).

Die Verknüpfung des Wohnungsbauprogramms Minha Casa, Minha Vida mit den Zwängen und Logiken der Umsiedlungsmaßnahmen erscheint ohnehin widersprüchlich. Während es das verlautbarte Ziel des Programms ist, einen Beitrag zur Behebung des landesweiten Wohnraummangels zu leisten, werden in der Praxis offenbar dieselben Fehler wiederholt, die bereits im Kontext der slum eradication & redevelopment policy in den 1950er und 1960er Jahren in zahlreichen Ländern des Globalen Südens gemacht wurden (vgl. Burgess 1992, Jenkins et al. 2007: 155f.). Viele der betroffenen Men­schen in den favelas haben über Jahre oder Jahrzehnte hinweg in den Bau ihrer Unter­kunft investiert und sich ein individuell angepasstes Umfeld geschaf­fen. Die neuen Wohnanlagen des Programms bieten zwar moderne Apartments samt technischer Infrastruktur, jedoch entsprechen die meist kleineren Standardwohnungen nur selten den Bedürfnissen und Lebenswirklichkeiten der Menschen. Zum einen fallen für die formellen Wohnungen Gebühren und Instandhaltungskosten an – und bisher ist unklar, ob Menschen mit geringem Einkommen diese überhaupt zahlen können. Zum anderen sind die Wohnanlagen in der Regel nicht auf die bisherigen wirtschaftlichen Akti­vi­täten der Umzusiedelnden ausgerichtet. Dies gilt insbesondere für diejenigen, die heimbasierte Dienstleistungen anbieten, Werkstätten oder Geschäfte haben oder – mit Gartenbau bzw. Nutztierhaltung – eine Form von Subsis­tenz­wirtschaft betreiben. Da zahlreiche Bewohner_innen zudem in den zentralen Bereichen der Stadt arbeiten, bedeutet eine Relokalisierung in die Peripherie einen deutlich höheren Zeit- und Kostenaufwand für das tägliche Pendeln. Auch soziale Versorgungsstrukturen der Stadt wie Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen sind sehr viel schwieriger erreichbar (vgl. Comitê Popular 2014b, McTarnaghan 2014). Nicht zuletzt haben die Umsiedlungen gravierende Auswirkungen auf die gewachsenen sozialen Netzwerke innerhalb der Bewohnerschaft.

Insgesamt zeigt sich, dass die Umsiedlungspraxis vielfach in deutlichem Widerspruch zu den demokratischen Prinzipien des Estatuto da Cida­de steht. Meist geht es bei den städtischen Interventionen nicht um die Verbesserung der Lebenssituation und Partizipationsmöglichkeiten von Bewohner_innen im Sinne eines ‚Rechts auf Stadt‘. Im Gegenteil: Der rigorose staatliche Eingriff in weitgehend funktionierende Strukturen der Alltags­or­ga­nisation, in soziale Netzwerkgefüge und ökonomische Strategien der Existenzsicherung wird für die Betroffenen vermutlich schwerwiegende Kon­se­quenzen mit sich bringen.

  1. 4.2. Pazifizierung und Aufwertung

Bei der zweiten stadtpolitischen Strategie im Umgang mit der ‚favela-Problematik‘ handelt es sich um eine in situ-Transformation im physisch-materiellen, sozialen und symbolischen Sinne. Anstelle einer kompletten Räumung stehen hier Sicherheits- und städtebauliche Aufwertungsmaßnahmen im Mittel­punkt.

Unmittelbar nach Bekanntgabe der Entscheidung für Brasilien als Gast­ge­ber­land der WM initiierte die Regierung des Bundesstaates Rio de Janeiro im Jahr 2008 – mit Unterstützung der Stadt- und der Nationalregierung – ein großangelegtes Programm zur ‚favela-Pazifizierung‘. Das Vorgehen sieht im ersten Schritt den Einsatz der militärpolizeilichen Elitetruppe BOPE (Batalhão de Operações Policiais Especiais) vor. Deren Invasionen zielen auf die Vertreibung, Tötung oder Verhaftung von Mitgliedern der Dro­gen­ban­den und auf die Besetzung der favelas. Im zweiten Schritt werden Polizei­sta­tion­en der ‚Friedenspolizei‘ UPP (Unidade de Polícia Pacificadora) in den betreffenden favelas errichtet. Die speziell ausgebildeten UPP-Einheiten sollen in den Gebieten patrouillieren und sicherstellen, dass diese dauerhaft von Drogenhandel und Gewalt frei bleiben (vgl. Gaffney 2010a, Freeman 2012). Die Behörden versuchen damit, auf die in den Medien diskutierten Bedenken hinsichtlich der allgemeinen städtischen Sicherheitslage zu reagieren und zugleich den Forderungen der Sportverbände nach Gewährleistung der öffent­lichen Sicherheit während der Großevents nachzukommen (Pellacini 2011). Die Pazifizierungen sind insofern zunächst als Bestandteil einer ‚nach außen‘ gerichteten Imagestrategie zu verstehen (favela als Imageproblem). Hier soll jedoch gezeigt werden, dass die Befriedungsmaßnahmen gleichzeitig Teil einer Strategie im Sinne der ‚nach innen‘ gerichteten neoliberalen Zielsetzung der Festivalisierung sind, da sie die Voraussetzung für die Erschließung neuer Marktgebiete darstellen.

 

Umfang und räumliche Lage

Das Pazifizierungsprogramm ist umfangreich: Bis Oktober 2014 wurden 38 favelas bzw. größere Siedungskomplexe ‚befriedet‘ und mit UPP-Stationen ausgestattet (Governo do Rio de Janeiro 2014). Bis zu den Olympischen Spielen sollen insgesamt 100 favelas befriedet sein (Freeman 2012: 105). Nicht nur der Zeitpunkt des Programmstarts und der Zeitplan, sondern auch die räumliche Fokussierung der Maßnahmen machen den Bezug zur Festivalisierungspolitik augenfällig: Die betreffenden favelas befinden sich ausnahmslos innerhalb oder in der Nähe eventrelevanter Bereiche der Stadt, d. h. entlang von Zufahrtswegen zum internationalen Flughafen und in den Einzugsbereichen der vier Standorte Barra da Tijuca, Copacabana, Deodoro und Maracanã (Olympic Zones[14], vgl. Abbildung 1, Oliveira 2012: 247).

In den 38 UPP-Einheiten sind derzeit insgesamt über 9.500 Polizist_innen im Einsatz (vgl. Governo do Rio de Janeiro 2014). Das finanzielle Gesamt­volumen des Programms beläuft sich bereits jetzt auf rund 570 Mil­lionen Reais jährlich (vgl. Freeman 2012). Darüber hinaus wurden nach Angaben der Stadt ca. 1,8 Milliarden Reais öffentlicher Gelder in den pazifizierten favelas investiert, davon etwa die Hälfte für bauliche Maßnahmen im Rahmen des Infrastrukturprogramms Morar Carioca.[15] Inzwischen wurden in vielen Gebieten zudem etliche neue Sozialprojekte initiiert (u. a. Kindergärten und Schulen). Nach offiziellen Angaben profitieren derzeit fast 770.000 Bewohner_innen von den Maßnahmen (vgl. Prefeitura do Rio de Janeiro/Instituto Pareira Passos 2014).


Abb. 1 Räumliche Lage der UPPs und der Olympischen Zonen. Entwurf: M. Steinbrink, Kartographie: C. Reichel, Kartengrundlage: Adam Towle/LSE Cities (zit. nach Smith 2013).

 

Soziale und sozialräumliche Konsequenzen

In den befriedeten favelas lassen sich bereits umfangreiche Veränderungen beob­achten, die einerseits Verbesserungen für die Lebenssituation der Be­woh­ner_innen nahelegen, andererseits aber Fragen nach den Konse­quen­zen dieser neuen Form der Machtausübung und nach künftigen Ver­dräng­ungs- und Segregationsmechanismen aufwerfen:

Mit der militärisch-polizeilichen Besetzung der favelas gehen zahlreiche positive Veränderungen einher. Zuallererst ist das Aufbrechen der lokalen Strukturen des organisierten Verbrechens zu nennen. Die Maßnah­men haben zu einer teils deutlichen Reduzierung der exzessiven Gewalt von Seiten der Drogenbanden geführt. Studien aus pazifizierten favelas zeigen, dass sowohl die Anzahl der bewaffneten Auseinandersetzungen als auch die Opfer­zahlen in den ersten Jahren deutlich zurückgegangen sind (vgl. Cano et al. 2012, Fundação Getulio Vargas 2012). Für die Bewohner_innen bedeutet das gemeinhin mehr Sicherheit und Bewegungsfreiheit innerhalb ihres Wohngebietes und damit größeren Handlungsspielraum im Alltag. Das soziale Leben in der Siedlung hat sich wieder stärker in den öffentlichen Raum ver­la­gert. Die verbesserte Sicherheitslage ermöglicht zudem die Einlei­tung notwendiger Infrastrukturprojekte, etwa im Rahmen des nationalen Wachs­tums­pro­gramms PAC (Programa de Aceleração do Crescimento) und des städtischen Programms Morar Carioca. Es werden neue Straßen, Treppen und Wege angelegt, Maßnahmen gegen Naturrisiken (Hangrutschungen u. Ä.) getroffen und die Wasser- und Elektrizitätsversorgung ebenso wie die Abwasser- und Abfallbeseitigung ausgebaut. All diese Maßnahmen bedeuten zunächst erhebliche Verbesserungen für die Bewohner_innen; sie tragen dazu bei, dem Ausbruch von Krankheiten vorzubeugen, die infrastrukturelle Grundversorgung sicherzustellen und erleichtern unter Umständen neue ökonomische Aktivitäten im Wohngebiet. Auch das vom Bundesstaat Rio de Janeiro 2009 eingesetzte und nun von der Stadtverwaltung weitergeführte Sozialprogramm UPP Social – es firmiert inzwischen unter der Bezeichnung Rio Mais Social – unterstützt die Transformation des öffentlichen Lebens in den befriedeten favelas. Insbesondere Kindern und Jugendlichen erleichtert es den Zugang zu schulischen und außerschulischen Bildungsangeboten und eröffnet neue Möglichkeiten der Freizeitgestaltung. Darüber hinaus verbessert sich, etwa durch die Einrichtung neuer Gesundheitseinrichtungen, der allgemeine Zugang zu öffentlichen Dienstleistungen (vgl. Prefeitura do Rio de Janeiro / Instituto Pareira Passos 2014).

Die Kehrseite der Medaille stellen die Schwierigkeiten in der Durch­füh­rung der Pazifizierung sowie deren mittel- und langfristige Wirkungen dar. Den staat­lichen Militär- und Polizeieinheiten ist es bislang nicht gelungen, den Drogenhandel und damit assoziierte Verbrechen in allen befriedeten favelas zu unterbinden. Neuere Medienberichte lassen sogar darauf schließen, dass die Drogengangs in einige favelas zurückkehren. Cano et al. (2012) weisen zudem darauf hin, dass die Zahlen anderer erfasster Straftaten wie häusliche Gewalt, Diebstahl und Einbrüche stark angestiegen sind. Sie liefern dafür zwei Erklärungen: Zum einen sei es aufgrund der Polizeipräsenz nun einfacher, Straftaten anzuzeigen und die Polizei selbst könne jetzt vor Ort Gesetzesübertritte leichter registrieren. Zum anderen gab es unter der Kontrolle der Drogenbosse Konventionen, bestimmte Delikte drakonisch zu sanktionieren, weshalb die Abschreckung zu einer Verringerung dieser Straftaten führte. Überdies zeichnet sich eine räumliche Verlagerung der Kriminalität ab und damit eine neue Konzentration in Gebieten, die nicht von Militär- oder ‚Friedenspolizei‘ kontrolliert werden.[16] Eine solche Entwicklung bedeutet also lediglich eine Problemverschiebung (vgl. Cano et al. 2012).

Weitere Schwierigkeiten entstehen infolge der alltäglichen Machtaus­übung durch die Einheiten der UPP: Seit den ersten Befriedungen ist es immer wieder zum Missbrauch staatlicher Macht, etwa in Form von Korruption, willkürlichen Durchsuchungen oder Schikanierungen von Bewohner_innen gekommen, in einigen Fällen sogar zu Folter und Mord. So wurden im Zusammenhang mit dem Tod eines Bewohners der favela Rocinha im Jahr 2013 einige Offiziere der lokalen UPP-Einheit angeklagt, einen Unschuldigen zu­nächst gefoltert und schließlich getötet zu haben (vgl. Ashcroft 2014, LeBaron 2014, Marinho et al. 2014). Da das Verhältnis der favela-Bewohner_innen zum Staat aufgrund fortwährender Repressionen seit jeher sehr gespannt ist, dürften Vorkommnisse dieser Art die generelle Skepsis gegenüber staatlichen Stellen und deren Maßnahmen keineswegs verringern. Eine Entwicklung, die in eklatantem Kontrast steht zu dem offiziell verlautbarten Ziel der UPP, ein Vertrauensverhältnis zur Bewohnerschaft aufzubauen.[17]

Des Weiteren ist fraglich, inwieweit die bisher eingeleiteten baulichen und infrastrukturellen Maßnahmen in den befriedeten favelas tatsächlich zu einer bedeutsamen Verbesserung der Lebenssituation führen und wie viele Bewohner_innen überhaupt davon profitieren. Insbesondere die im Rahmen von Morar Carioca getroffenen Infrastrukturmaßnahmen erfolgen bislang nur sehr punktuell, zahlreiche Maßnahmen werden nicht wie angekündigt umgesetzt und vielfach sind die Inhalte der städtischen Pläne genauso wenig transparent wie die konkreten Zielsetzungen (vgl. Osborn 2013).[18]

Über diese akuten Schwierigkeiten in der Durchführungspraxis hinaus deuten sich Prozesse an, die eher mittel- und langfristige Folgen haben. Die allgemeine Attraktivitätssteigerung durch die bessere Sicherheitslage und den Infrastrukturausbau bringt in einigen favelas Dynamiken mit sich, die zu einer substanziellen Aufwertung und zur Verdrängung der jetzigen Einwohner_innen führen können: 1. Kommerzialisierung/Kommo­di­fi­zie­rung, 2. Touristifizierung, 3. Zuzug anderer sozialer Gruppen sowie Boden- und Immobilienspekulationen:

1. Kommerzialisierung/Kommodifizierung: Seit der Initiierung des UPP-Pro­gramms engagieren sich in den befriedeten favelas immer mehr Konzerne und Dienstleistungsketten, weil sie die Siedlungen als neue Markt­ge­biete ent­deckt haben. So treiben Großunternehmen derzeit den Ausbau und die Formalisierung der technischen Dienstleistungen voran, die bislang zu großen Anteilen über informelle bzw. ,illegale‘ Anschlüsse organisiert waren; die Light Serviços de Eletricidade sorgt zum Beispiel für formelle Stromanschlüsse der Haushalte und sichert sich damit Hunderttausende neuer Kunden. Banken, Supermarktketten und Fast-Food-Restaurants eröffnen Filialen in den Siedlungen. Auch nutzen Unternehmen wie der brasilianische Baukonzern Odebrecht und Coca Cola Brasil ihren Status als finanzielle Sponsoren des UPP-Programms als Marketing-Plattform. Während sich Coca Cola in einigen Sozialprojekten engagiert, ist Odebrecht vor allem an der Durchführung von umfangreichen (und ausgesprochen lukrativen) Baumaßnahmen in den favelas beteiligt (Freeman 2012, Governo do Rio de Janeiro 2014).

Diese Entwicklungen haben fraglos viele praktische Verbesserungen und Erleichterungen des Alltags zur Folge. Mit der Formalisierung der öf­fent­lich­en Versorgungsstrukturen, insbesondere der Strom-, Wasser- und TV-Anschlüsse, kommen aber auch neue Kosten auf die Bewohner_innen zu. Ähnliches gilt für die mit der einsetzenden Regulierung der ökonomischen Aktivitäten einhergehenden Abgaben (Steuern, Lizenzen etc.) und die damit verbundenen Preissteigerungen (vgl. Barbosa 2012, Ost/Fleury 2013). Darüber hinaus ist zu hinterfragen, ob und inwieweit die neuen ökonomischen Akteure im privaten Einzelhandels-, Gastronomie- und Dienstleistungsbereich in Konkurrenz zu den vielen kleinen, oft informellen Anbieter_innen treten und diese vom lokalen Markt verdrängen.

2. Touristifizierung: Auch die zunehmende touristische Inwertsetzung der befriedeten Siedlungen in der Südzone der Stadt ist Ausdruck der Kom­mer­zi­ali­sie­rung. Zwar fand der sogenannte favela-Tourismus bereits vor den Befriedungen vereinzelt statt, inzwischen aber boomt die Branche regelrecht. Neben zahlreichen neuen Anbietern ist jetzt auch die Stadtverwaltung daran beteiligt; mit dem Programm Rio Top Tour fördert sie gezielt die touristische Entwicklung in befriedeten favelas (Steinbrink 2013). Einige der im Rahmen von PAC und Morar Carioca neu geschaffenen Infrastrukturen sind ebenfalls vor dem Hintergrund der ‚favela-Touristifizierung‘ zu betrachten. In den favelas Santa Marta, Providência und Complexo do Alemão entstanden beispielsweise Zahnrad- bzw. Seilbahnen, und am Fuße der Siedlung Cantagalo steht ein mehrgeschossiger Aufzug. Mit diesen Strukturen wird zwar offiziell das Ziel verbunden, den Bewohner_innen den Zugang zu den am Berghang gelegenen Siedlungen zu erleichtern. Der Bezug zur touristischen Inwertsetzung ist jedoch unübersehbar, denn die Bahnen und der Aufzug führen auch zu Aussichtsplattformen und anderen touristischen Attraktionen.[19] Am Eingang zur favela Cantagalo in Ipanema machen z. B. Angestellte der Stadt vorbeikommende Tourist_innen auf die Möglichkeit aufmerksam, die Aussichtsplattform am oberen Ende des Aufzugs bzw. die favela zu besuchen. Auch für die Umsetzung dieser Infrastrukturprojekte wurden zahlreiche Bewohner_innen umgesiedelt (vgl. Freeman 2012, Steinbrink 2013, Comitê Popular 2014a).

Seit der UPP-Präsenz eröffnen in den zentral gelegenen favelas Vidigal, Chapéu Mangueira und Babilônia sowie in Santa Marta immer mehr Back­packer Hostels und im Zusammenhang mit der WM zunehmend auch bed and breakfast-Unterkünfte in Privathaushalten.[20] Die Gäste sind fast aus­schließ­lich internationale Touristen oder ausländische Studierende. In Vidigal eröffnete im Dezember 2013 zudem das Hotel Mirante do Arvrão, das Suiten zu Preisen von bis zu 400 Reais pro Nacht anbietet, und an Wochen­en­den werden sogenannte baile funk partys mit Eintrittspreisen zwischen 70 und 200 Reais veranstaltet, die immer mehr brasilianische, aber auch inter­nationale Gäste in die favelas locken.

Infolge dieses neuen „favela chic“ (Freire-Medeiros 2008), der verbesserten Sicherheitslage, der medialen Aufmerksamkeit und der zunehmenden Popularität des favela-Tourismus (Steinbrink et al. 2012) ist die Zahl inter­nationaler Gäste, die nun auch für längere Zeit in den Siedlungen verweilen, dort Unterkünfte beziehen und konsumieren, gestiegen. Diese neuen Konsumentengruppen fragen höherwertige Produkte nach und sind in der Lage, höhere Preise für das Dienstleistungsangebot zu zahlen, das sich mittlerweile auch – zumindest in der ersten befriedeten favela Santa Marta – zunehmend an touristischen Interessen ausrichtet. So kommt es durch den Tourismus zu allgemeinen Preissteigerungen bei Dienstleistungen und Konsumgütern (vgl. Ost/Fleury 2013).

Unabhängig davon, ob diese Entwicklungen neue Ein­kom­mens­mög­lich­keiten für die Bewohner_innen mit sich bringen und ob der Tourismus zu einer Entstigmatisierung der favelas beitragen kann (vgl. LeBaron 2014) ist festzustellen, dass mit der Touristifizierung eine allgemeine Aufwertung der Siedlungen stattfindet, die nun auch für Bevölkerungsgruppen interessant werden, für die das Leben in einer favela lange unvorstellbar war.

3. Zuzug anderer sozialer Gruppen und Boden- und Immobilienspeku­la­tion: Die erhöhte Nachfrage nach Wohnraum und die spekulativen In­ves­ti­tionen im Kontext der Megaevents haben in den vergangenen Jahren insgesamt zu stark gestiegenen Preisen für Grundstücke und Immobilien in Rio de Janeiro geführt, insbesondere in zentralen Lagen und attraktiven Stadtteilen wie Leblon, Ipanema und Copacabana. Dass dabei auch die Pazifizierungen von wesentlicher Bedeutung sind, konnten Frischtak/Mandel (2012) nachweisen. Für Wohngebiete, die an neu befriedete favelas grenzen, haben sie einen sprunghaften Anstieg der Immobilienpreise um 5 bis 10 % ermittelt. Die Wertsteigerungen fallen umso höher aus, je näher die jeweilige Immo­bi­lie an den befriedeten Siedlungen liegt.

Auch innerhalb der favelas selbst ist es mit den Befriedungen zu drastischen Steigerungen der Immobilien- und Mietpreise gekommen; aus favelas in der Südzone wird teilweise von bis zu 400 % berichtet (vgl. Freeman 2012: 96 und 121, Rodrigues 2013: 9). Aufgrund der Lage, der ver­bes­ser­ten Sicherheitssituation und des rasanten tourismusinduzierten Image­wandels wird Wohnraum in den favelas auch für neue Nach­fra­ger­grup­pen interessant. So lässt sich beobachten, dass vermehrt internationale Student_innen und andere Nicht-Brasilianer_innen auf der Suche nach günstigen Unterkunftsmöglichkeiten in zentraler Lage in die favelas ziehen (vgl. Freeman 2012: 121, Jansen 2012). Aber auch Personen aus der brasilianischen Mittelschicht weichen angesichts der hohen Miet- und Le­bens­hal­tungs­kosten in den formellen Bereichen der Südzone auf die nahegelegenen Hügel aus.

Nicht nur die wachsende Nachfrage, sondern auch die sich abzeichnende Formalisierung von Grundstücken ist für die verstärkten Immobilienkäufe und -spekulationen verantwortlich. Für rund 23 % der Immobilien in Rios favelas ist die Vergabe individueller Besitztitel geplant (Forte 2013). Diese könnten von den neuen Eigentümer_innen zwar als Sicherheit für Kredite genutzt werden, um Investitionen in produktive assets zu tätigen (im Sinne einer Aktivierung von dead capital; vgl. De Soto 2000). Die forma­li­sierten Grundstücke gewinnen aber automatisch an Attraktivität für Investor_innen, so dass Verkauf (etwa aufgrund sozioökonomischer Zwangslagen) und Wegzug wahrscheinlicher werden.[21] Ähnlich wirkt die mit der Formalisierung einhergehende Erhebung von Grundsteuern (Williamson 2014). Insbesondere für Mieter_innen bedeutet das höhere Wohnkosten. Solche Mietpreissteigerungen führen möglicherweise zu einer größeren Belegungsdichte oder zum Umzug in günstigere (randstädtische) Wohnlagen.

Vieles deutet darauf hin, dass die genannten Faktoren in verschiedenen befriedeten favelas zu weitreichenden Gentrifizierungsprozessen beitragen.

Es lässt sich festhalten, dass die Befriedungsaktionen weit über den kurzfristigen Zweck hinausgehen, die Sicherheitslage und das damit verknüpf­te Image der Stadt für die Events zu verbessern. Im Sinne der nach innen gerichte­ten Zielsetzung der Festivalisierung werden die Events vielmehr als Kata­ly­sator eingesetzt, denn sie legitimieren und ermöglichen das milliardenschwere Befriedungsprogramm, das wirkmächtige Entwicklungsdynamiken in Gang setzt. Es deutet sich an, dass diese letztlich vor allem externen privatwirtschaftlichen Interessen und weniger den Bewohner_innen nutzen. Die befriedeten favelas sind somit nicht nur ‚Problemgebiete‘ einer gelungenen Stadtinszenierung: Viele sind als neu eroberte Investitionsräume auch ‚Zielgebiete‘ einer neoliberalen Stadtpolitik Rio de Janeiros.

  1. 5. Schlussbetrachtung

Dieser Aufsatz hat eine Perspektive auf den stadtpolitischen Umgang mit marginalisierten Stadtgebieten entwickelt, die sich auch auf andere städtische Kontexte zukünftiger Megaevents im Globalen Süden übertragen lässt.

Die offiziellen Begründungen für die Austragung von Megaevents werden regelmäßig in die Narration einer nachhaltigen städtischen Entwicklung und einer social legacy eingebettet.[22] Verantwortliche Politiker_innen wie Planer_innen beteuern unermüdlich die positiven Folgewirkungen der Events für alle Bewohner_innen der Gastgeberstadt. Die kritische Mega­event­for­schung hat jedoch gezeigt, dass die Großereignisse vor allem als stra­te­gisches Instrument einer Stadtpolitik eingesetzt werden, die kei­nes­wegs auf gesellschaftlichen Ausgleich ausgerichtet ist. Dieses Spannungsverhältnis ent­puppt sich insbesondere im Globalen Süden zunehmend als wesentliches Charak­te­ris­ti­kum der Megaevent-Inszenierungen. Wie gezeigt wurde, liegt ein Zugang zum Verständnis dieser Spannung insbesondere in der Analyse des planungspolitischen Umgangs mit Wohngebieten einkommenschwächerer Gruppen in diesen ‚neuen‘ Ausrichterstädten.

Auch Rio verfolgt seit den 1990er Jahren eine Strategie der Stadt­ent­wick­lung und Eigenvermarktung mithilfe von Megaevents. Wie in anderen Austragungsorten im Globalen Süden rücken auch hier die im­mensen sozialen Ungleichheiten in den Fokus, die in den zahlreichen favelas im Stadt­gebiet ihren räumlichen Ausdruck finden. Die Siedlungen stellen ent­­sprech­­end der Eventlogik eine mehrdimensionale Her­aus­for­de­rung dar; sie werden als bauliches ‚Arrangierungsproblem‘ sowie als mas­sives Sicher­heits- und Imageproblem gedeutet. Im Umgang damit setzen die po­li­tisch Verantwortlichen zum einen auf die gängige Methode von Abriss und Umsiedlung, zum anderen auf eine Strategie der Pazifizierung und Auf­­wer­tung. Die jeweiligen Maßnahmen werden der social-legacy-Rhetorik entsprechend als Verbesserung der Lebensbedingungen der lokalen Bevölkerung kommuniziert.

Unser Beitrag hat gezeigt, dass die stadtpolitischen Interventionen in den favelas vor allem eine Öffnung dieser Gebiete für den formellen Boden- und Immobilienmarkt, den Einzelhandel und den Tourismus vorbereiten, und damit die Erschließung bisher weitgehend ungenutzter Marktgebiete. Sowohl die Umsiedlungen als auch die befriedungsbedingten Aufwertungs- und Verdrängungsprozesse in den favelas lassen sich als Formen der „accumulation by dispossession“ (Harvey 2003) bezeichnen. Die sich bereits jetzt abzeichnenden Folgen sind weitreichende urbane Transformationen. Es ist davon auszugehen, dass sich die in Rio auffällig kleinteiligen sozialräumlichen Fragmentierungen bzw. die „Exklusion im Zentrum“ (Rothfuß 2012) zugunsten einer noch stärkeren sozialen Spaltung zwischen Zentrum und randstädtischer Peripherie auflösen. Kriminalität, Armut und andere gesellschaftliche Probleme verlagern sich lediglich. Die Ausdehnung exklusiver Wohn- und Konsumzonen im Zentrum mündet in den Umzug unterer Einkommensgruppen in städtische Randlagen – häufig mit gravierenden Auswirkungen auf ihre Existenzsicherung.

Die beobachtbaren Prozesse rund um die Großereignisse deuten an, dass die Festivalisierungspolitik Rio de Janeiros in erster Linie an den spekulativen Marktinteressen einer globalen rentier class[23] orientiert ist: Zentral gelegene Wohngebiete marginalisierter Bevölkerungsgruppen werden durch staatliche Intervention zunehmend in lukrative Investitionsräume um­ge­wandelt, die überschüssiges Kapital aufnehmen können und neue Ren­di­te­mög­lich­keiten versprechen (vgl. Desai/Loftus 2013, Harvey 2013). Gegen­über dieser Inwertsetzungslogik geraten die Interessen einkommens­schwäche­rer Stadt­be­wohner_innen immer weiter ins Hintertreffen, obgleich es genau diese Menschen sind, welche die Folgen der Globalisierung dieser neoliberalen Festivalisierungspolitik schon jetzt am stärksten spüren. Deshalb ist es bereits heute, nur wenige Monate nach Abpfiff der WM, angemessen, von einer anti-social legacy der Megaevents in Rio de Janeiro zu sprechen.

Endnoten

  1. [1] Nachdem bei den Olympischen Spielen in Peking 2008 etwa 3,6 Milliarden TV-Zuschauer das Ereignis verfolgten und bei der WM 2010 in Südafrika etwa 3,2 Milliarden Menschen eingeschaltet hatten, wurde für die WM 2014 in Brasilien ein neuer Rekordwert erwartet (Burns 2014).
  2. [2]So fanden die Olympischen Sommerspiele 2008 (Peking) und die Expo 2010 (Shanghai) in China statt, die FIFA-WM 2010 wurde in Südafrika ausgetragen und die Commonwealth Games 2010 (Delhi) in Indien. 2014 wurde schließlich die Fußball-WM in Brasilien ausgetragen, wo – in Rio de Janeiro, Austragungsort von sieben WM-Partien – auch die Olympischen Spiele 2016 stattfinden werden.
  3. [3]Global-strategische, regional- und nationalpolitische sowie makroökonomische Kontexte werden in diesem Aufsatz zwar ebenfalls angesprochen, bedürfen jedoch einer eigenen detaillierten Betrachtung.
  4. [4]Dieser Katalog umfasst weitreichende Maßgaben u.a. hinsichtlich Ein- und Aus­rei­se­be­stim­mung­en, Sicherheitsmaßnahmen und Strafverfolgung, Ausbau von Sportinfrastruktur, Verkehrs- und Kommunikationswesen, Sicherung von Eigentums- und Markenrechten, Bestimmungen des Gesundheitswesens sowie finanztechnischer und steuerrechtlicher Fragen rund um die Events.
  5. [5]Einer aktuellen Analyse zufolge war dieser Impuls in Johannesburg weniger wirksam als befürchtet, macht sich jedoch in anderen südafrikanischen Städten deutlich bemerkbar (Haferburg et al. 2014).
  6. [6]Im Jahr 2015 zelebriert die Stadt außerdem ihre Gründung vor 450 Jahren.
  7. [7]Barcelona gilt nach der im Zusammenhang mit den Olympischen Spielen von 1992 erfolg­ten Umgestaltung des Hafengebietes und anderer zentraler Flächen als Erfolgsmodell für die Restrukturierung von Städten und für die ,Revitalisierung‘ (bzw. Gentrifizierung) von Stadtteilen im Kontext von Megaevents. So kommt es nicht von ungefähr, dass unter der Federführung Cesar Maias katalanische Berater eingeladen wurden, um die Ver­ant­wortlichen in Rio bei der Formulierung einer neuen Stadtentwicklungsstrategie sowie bei der strategischen Vorbereitung der Olympia-Bewerbungen zu unterstützen. Nach zwei erfolglosen Bewerbungen 2004 und 2012 gelang es der Stadt allerdings erst im dritten Anlauf, die Austragungsrechte für die Olympischen Spiele 2016 zu gewinnen (vgl. Sánchez et al. 2004, Gaffney 2010a).
  8. [8]Carlos Vainer lehnt sich hier an Giorgio Agambens (2005) Konzept des state of exception an, das auf einer Auseinandersetzung mit dem Schmittschen Begriff des ‚Aus­nah­me­zu­stands‘ beruht.
  9. [9]Beispielsweise verfügen die demokratisch nicht legitimierten Organisationen Brasil 2016 und die Autoridade Público Olímpico (Public Olympic Authority), die für die Umsetzung der Projekte mit Olympia-Bezug zuständig sind, über das Recht zur Enteignung von Grundstücken (vgl. Gaffney 2010a).
  10. [10]Der Unmut unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen über diese Politik des Aus­nah­me­zu­stands schlug sich deutlich in den sozialen Protesten im Umfeld des Confederations Cups 2013 sowie im Vorfeld und während der WM 2014 nieder.
  11. [11]Soares Gonçalves (2006) zeichnet den stadtpolitischen Umgang mit den favelas im Laufe des vergangenen Jahrhunderts nach und zeigt, wie die favelas fast durchgängig als Gegenstück zur „Stadt“, als Orte des Aussätzigen, Illegalen und Unerwünschten be­han­delt wurden: Bereits in den 1930er und 1940er Jahren waren Umsiedlungen eine gängige Methode, um die mit den Siedlungen assoziierten Probleme zu überwinden. Nachdem in den 1950er Jahren vermehrt soziale Unterstützungsmaßnahmen für die Bewohner_innen durchgeführt worden waren (etwa durch kirchliche Organisationen und Sozialarbeit), kamen ab den 1960er Jahren wieder verstärkt repressive Maßnahmen zum Einsatz. In dieser Zeit gab es u. a. eine Kampagne, in deren Rahmen 27 favelas mit rund 42.000 Einwohner_innen abgerissen wurden. Ab den späten 1970er Jahren wurden dann Maßnahmen ergriffen, um die favelas stärker in die Stadt zu integrieren (vgl. Soares Gonçalves 2006). Auch das Infrastrukturprogramm Favela Bairro in den 1990er Jahren ist in diesem Zusammenhang zu sehen (vgl. Pamuk/Cavallieri 2004).
  12. [12]Bus rapid transit-Systeme sind Schnellbusverbindungen mit eigener Fahrspur. In Rio de Janeiro sind drei BRT-Strecken geplant, um die olympischen Standorte und andere zentrale Bereiche der Stadt miteinander zu verbinden.
  13. [13]Neben Protesten hatten die Bewohner_innen der favela mit Unterstützung von Archi­tekt_innen und Stadtplaner_innen einen eigenen alternativen Bebauungsplan für die Sied­­lung entwickelt. Dieser hätte sich – so ihre Argumentation – mit den geplanten Bau­maß­nah­men für die Olympischen Spiele in Einklang bringen lassen und eine infrastrukturelle Ver­bes­se­rung des Gebietes unter Berücksichtigung sozialer und ökologischer Aspekte ermöglicht. Außer­dem sah der Plan eine Minimierung der Umsiedlungen und die Relokalisierung der be­trof­fen­en Bewohner_innen innerhalb der Siedlung vor – und hätte bei Umsetzung deutlich weniger Kosten verursacht als die Umsiedlung der Bewohner_innen (vgl. Associação de Mora­dores e Pescadores da Vila Autódromo 2012, Vainer et al. 2013).
  14. [14]In den sogenannten bid books für Olympia 2016 werden die Einzugsbereiche der olym­pischen Standorte in den kartographischen Darstellungen jeweils durch ‚Ringe‘ ver­an­schaulicht. Neben Implikationen für die räumliche Konzentration eventrelevanter baulich-infrastruktureller Maßnahmen liefern diese auch Hinweise auf Gebiete, für die im Eventkontext erhöhter Sicherheitsbedarf besteht (vgl. Rio 2016 Candidate City [Vol. 2] 2009).
  15. [15]Morar Carioca ist ein städtisches Infrastrukturprogramm, das bis zum Jahr 2020 zur ‚Reurbanisierung‘ der favelas beitragen soll. Es werden u. a. die Einrichtung neuer technischer Infrastrukturen, soziale Einrichtungen, Grünanlagen und öffentliche Plätze zur Freizeitgestaltung finanziert (vgl. Osborn 2013).
  16. [16]Dieser Trend wird in favelas ohne UPP in der Nord- und Westzone sowie in der an­grenzenden Region Baixada Fluminense und der Nachbarstadt Niterói beobachtet.
  17. [17]Auf der offiziellen Homepage wird die UPP folgendermaßen beschrieben: “managed under the principles of Police of Proximity […] based on the partnership between local residents and law enforcement institutions […] [and] guided by dialogue and respect to the culture and uniqueness of each community” (Governo do Rio de Janeiro 2014).
  18. [18]Darüber hinaus werden im Zusammenhang mit der Ankündigung von Maßnahmen unter Morar Carioca oftmals auch Umsiedlungspläne bekanntgegeben und legitimiert (vgl. Osborn 2013). Beispielsweise droht gegenwärtig den Bewohner_innen der favela Vila União die Umsiedlung, obwohl für das Wohngebiet ursprünglich infrastrukturelle upgrading-Maßnahmen im Rahmen von Morar Carioca vorgesehen waren (vgl. Waldron 2014).
  19. [19]Schätzungen zufolge sind rund 30 % der Nutzer_innen der Seilbahn in Complexo do Alemão an Werktagen Tourist_innen, an Wochenenden sind es sogar bis zu 60 % (Frenzel 2013).
  20. [20]In diesen vier favelas gibt es derzeit jeweils 15 bis 20 Hostels, die überwiegend von Nicht-Brasilianer_innen betrieben werden. Die Anzahl an Privatunterkünften ist weitaus höher, sie werden vor allem von favela-Bewohner_innen angeboten. (Für die Informationen zu den aktuellen Entwicklungen im Beherbergungsgewerbe in den favelas bedanken wir uns herzlich bei Lena Jehle, Universität Osnabrück.)
  21. [21]Harvey (2013: 20) kommentiert die Situation folgendermaßen: „[…] the problem is that the poor, beset with insecurity of income and frequent financial difficulties, can easily be persuaded to trade in that asset for a cash payment at a relatively low price [...]. My bet is that, if present trends continue, within fifteen years all those hillsides now occupied by favelas will be covered by high-rise condominiums with fabulous views over Rio’s bay, while the erstwhile favela-dwellers will have been filtered off to live in some remote periphery.“
  22. [22]Eine einfache Wortzählung in den bid books von Rio de Janeiro für Olympia 2016 veranschaulicht die Bedeutung der beiden Begriffe für die Argumentation der Veranstalter_innen: ‚sustainability/sustainable‘ und ‚legacy‘ tauchen mehr als 120 Mal bzw. mehr als 200 Mal in den insgesamt rund 430 Seiten starken Dokumenten auf.
  23. [23]Der Terminus rentier class bezeichnet eine Gesellschaftsschicht, die ihr Einkommen (hauptsächlich) aus Kapitalerträgen bezieht.

Autor_innen

Malte Steinbrink, Sozialgeograph, arbeitet zu Fragen der Entwicklungs- und Mo­bi­li­täts­forschung mit Fokus auf sozialer Ungleichheit und urbaner Entwicklung im Glo­balen Süden.

malte.steinbrink@uni-osnabrueck.de

 

Daniel Ehebrecht arbeitet zu sozialer Ungleichheit und informeller Stadtentwicklung im Globalen Süden.

daniel.ehebrecht@posteo.de

 

Christoph Haferburg befasst sich mit räumlich-sozialer Differenzierung, Megaevents sowie mit stadtbezogener Governance-, Konflikt- & Risikoforschung.

sefu@gmx.net

 

Veronika Deffner, Sozialgeographin, hat in Brasilien zu Reproduktions­mecha­nis­men sozialer und räumlicher Ungleichheit gearbeitet und beschäftigt sich aktuell mit Migration und dem Urbanen in den Golfstaaten.

veronika.deffner@nus.edu.sg

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ISSN: 2197-2567

s u b \ u r b a n. zeitschrift für kritische stadtforschung