Kein Einzelfall Über den Tod von Adel B., der während eines Polizeieinsatzes in Essen-Altendorf erschossen wurde

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Moritz Rinn
Jan Wehrheim
Lena Wiese

Abstract

Im Sommer 2019 wird Adel B. im Essener Stadtteil Altendorf bei einem Polizeieinsatz erschossen. Zuvor hatte er angekündigt, sich selbst töten zu wollen. In der Presse wird er als „Deutscher mit algerischen Wurzeln“ beschrieben. Sein Wohnort Altendorf gilt als problematisches und gefährliches Viertel und wird entsprechend polizeilich bearbeitet. Polizei und Stadtpolitik in Essen bagatellisieren die Erschießung als Einzelfall, polizeiinterne Ermittlungen gegen einen Polizisten erkennen Nothilfe. Angehörige, Nachbar*innen und Aktivist*innen dagegen organisieren Proteste und fordern „Gerechtigkeit für Adel“. Wir argumentieren, dass sich in der Erschießung des Bewohners eines ‚Problemquartiers‘, eines Mannes mit zugeschriebenem Migrationshintergrund, der sich in einer psychischen Notsituation befand, verschiedene polizeiliche Selektivitäten auf fatale Weise verbinden. Basierend auf eigenen qualitativen Forschungen in Altendorf rekonstruieren wir, wie sich hier alltägliche und institutionalisierte Rassismen zu einem spezifischen sozialen Klima verdichten. Wir beleuchten, wie in dieser lokalen Konstellation rassistische Polizeipraktiken verleugnet werden. Gleichzeitig plädieren wir dafür, dass kritische Stadtforschung an der Dokumentation, Sichtbarmachung und Kritik rassistischer Polizeigewalt aktiv mitarbeiten sollte, um die öffentliche Anerkennung der Existenz institutionalisierter polizeilicher Rassismen zu stärken und dadurch daran mitzuwirken, die Artikulationsräume für Betroffene zu verbreitern. 

Artikel-Details

Zitationsvorschlag
Rinn, M., Wehrheim, J. und Wiese, L. (2020) „Kein Einzelfall: Über den Tod von Adel B., der während eines Polizeieinsatzes in Essen-Altendorf erschossen wurde“, sub\urban. zeitschrift für kritische stadtforschung, 8(1/2), S. 263-276. doi: 10.36900/suburban.v8i1/2.556.
Rubrik
Magazin
Autor/innen-Biografien

Moritz Rinn

Moritz Rinn hat Politikwissenschaft studiert. Seine Arbeitsschwerpunkte sind städtische Konflikte, Stadtentwicklungspolitik, Politiken des Sozialen und Sozialstaatlichkeit.

Jan Wehrheim

Jan Wehrheim hat Sozialwissenschaften und Entwicklungspolitik studiert und lehrt und forscht seit vielen Jahren in Bereichen der Stadt-, Devianz- und Techniksoziologie.

Lena Wiese

Lena Wiese hat interdisziplinäre Sozial- und Migrationswissenschaften studiert und forscht insbesondere in Bereichen zu Stadtentwicklungspolitik, Konfliktsoziologie und Polizei.