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Luft sehen, sprechen, schützen Das Anthropozän der (post-)politischen Stadt

Autor/innen::

Friederike Landau , Alexandra Toland

Abstract

Der Beitrag verbindet die Diskussion um die postpolitische Stadt mit der zunehmenden wissenschaftlichen und aktivistischen Auseinandersetzung mit dem Anthropozän, ein Konzept, das die ökologischen und sozialpolitischen Implikationen menschlichen Handelns auf die Erdoberfläche beschreibt. Anhand von drei ausgewählten Fallstudien erkunden wir, wie die spezifisch anthropogene, also menschengemachte, Krise urbaner Luftverschmutzung in künstlerischen Positionen problematisiert wird. Im Kontext des potenziellen Vormarschs von Postpolitik besprechen wir, wie der ambivalente Diskurs des Anthropozäns einerseits Depolitisierung begünstigt und andererseits neue Möglichkeiten für die Repolitisierung globaler Umweltherausforderungen ermöglicht.


Erstens zeigen wir anhand von Amy Balkins Projekt „Public Smog“ (USA), wie künstlerischer Aktivismus nicht nur internationale Luftemissionshandelsregimes subvertieren kann, sondern durch das Aktivieren von Vorstellungskraft für bessere Luft affektive Utopien erschaffen kann. Zweitens beleuchten wir die Performance „Project Dust“ des chinesischen Künstlers Nut Brother, der selbstgesammelte Smogpartikel zu einem Backstein goss und Luftverschmutzung damit gleichzeitig als harte Tatsache und Anlass zur Sorge vermittelt. Drittens diskutieren wir den teils kommerziellen Ansatz des niederländischen Konzeptkünstlers und Designers Daan Roosegaarde, der mit seiner „Smog-Free“-Produktreihe innovative Lösungen für das Problem anthropogener Luftverschmutzung bereitzustellen versucht. Die künstlerischen Projekte umreißen die Streitbarkeit des öffentlichen Gutes Luft und fordern mit affektiven Mitteln zur Politisierung der postpolitischen, luftverschmutzten Stadt auf.