Bd. 7 Nr. 3 (2019)

Kein Einzelfall. Über den Tod von Adel B., der während eines Polizeieinsatzes in Essen-Altendorf erschossen wurde

17.02.2020

Bild_Titel_für_Mitteilung2.jpgIm Sommer 2019 wird Adel B. im Essener Stadtteil Altendorf bei einem Polizeieinsatz erschossen. Zuvor hatte er angekündigt, sich selbst töten zu wollen. In der Presse wird er als „Deutscher mit algerischen Wurzeln“ beschrieben. Sein Wohnort Altendorf gilt als problematisches und gefährliches Viertel und wird entsprechend polizeilich bearbeitet. Polizei und Stadtpolitik in Essen bagatellisieren die Erschießung als Einzelfall, polizeiinterne Ermittlungen gegen einen Polizisten erkennen Nothilfe. Angehörige, Nachbar*innen und Aktivist*innen dagegen organisieren Proteste und fordern „Gerechtigkeit für Adel“. Wir argumentieren, dass sich in der Erschießung des Bewohners eines ‚Problemquartiers‘, eines Mannes mit zugeschriebenem Migrationshintergrund, der sich in einer psychischen Notsituation befand, verschiedene polizeiliche Selektivitäten auf fatale Weise verbinden. Basierend auf eigenen qualitativen Forschungen in Altendorf rekonstruieren wir, wie sich hier alltägliche und institutionalisierte Rassismen zu einem spezifischen sozialen Klima verdichten. Wir beleuchten, wie in dieser lokalen Konstellation rassistische Polizeipraktiken verleugnet werden. Gleichzeitig plädieren wir dafür, dass kritische Stadtforschung an der Dokumentation, Sichtbarmachung und Kritik rassistischer Polizeigewalt aktiv mitarbeiten sollte, um die öffentliche Anerkennung der Existenz institutionalisierter polizeilicher Rassismen zu stärken und dadurch daran mitzuwirken, die Artikulationsräume für Betroffene zu verbreitern.

Der hier veröffentlichte Magazinbeitrag erscheint auch in der nächsten Ausgabe.

Band 7, Heft 3 online!

05.12.2019

b7h3_small1.jpgEine neue Ausgabe von  s u b \ u r b a n ist erschienen. Das offene Heft schaut in die Ferne: in – von Deutschland aus gesehen – entfernt liegende Regionen, in Debatten der Stadtforschung, die vor entfernten Zeiten gestartet wurden, und in vermeintlich entfernte Disziplinen. In der Aufsatz-Rubrik richtet sich der Blick nach Spanien und nach Kolumbien sowie auf die Psychoanalyse. Für unsere Debatte haben wir einen der Klassiker der Gentrifizierungsforschung erstmals ins Deutsche übersetzt, der vor 40 Jahren erschienen ist. Im Magazin geht es um die Reform der Grundsteuer und auch der Rezensionsteil ist wieder prall gefüllt.

Wir wünschen viel Spaß beim Lesen!

Hier geht es zum Inhaltsverzeichnis und zum PDF des gesamten Heftes. Das Titelblatt der Ausgabe kann als Poster heruntergeladen werden.

 

Technische Neuerungen bei sub\urban

08.10.2019

Liebe Leser_innen,

vor unserem Heft zu Stadt und Digitalisierung, das in einem Jahr erscheint, möchten wir euch auf ein paar technische Neuerungen bei uns hinweisen:

Die eine oder der andere hat es vielleicht schon gemerkt: Wir nutzen ab jetzt – und ausschließlich – das Einreichsystem unserer open source-Software OJS, mit der wir unsere Homepage betreiben. Das bedeutet für euch: Wer etwas einreichen will, muss sich einmalig anmelden und die Formulare zur Eingabe von Daten nutzen. Dafür wird die Kommunikation insgesamt übersichtlicher. Das bedeutet für uns: deutlich vereinfachte Arbeitsabläufe. Danke für eure Unterstützung dabei!

Zur Anmeldung geht es hier oder über den Button „Beitrag einreichen“ auf unserer Homepage:
https://zeitschrift-suburban.de/sys/index.php/suburban/user/register

Mit dem Erscheinen der kommenden Herbstausgabe ändern wir unsere Creative Commons-Lizenz auf die Lizenz CC BY-SA (Namensnennung, Weitergabe unter gleichen Bedingungen). Konkret bedeutet der Umstieg auf CC BY-SA, dass bei einer Wiederveröffentlichung eines unserer Beiträge sämtliche Autor_innen sowie sub\urban als Quelle genannt werden müssen. Auch Kürzungen sind jetzt möglich. Anders als unsere frühere Lizenz schließt dieser Lizenztyp kommerzielle Nutzungen nicht von vornherein aus. Eine Wiederveröffentlichung eines Beitrags ist aber nur unter der gleichen Lizenz möglich (CC BY-SA), woran kommerzielle Verwerter_innen kein Interesse haben werden.

So viel von uns, schöne Grüße

die Redaktion von sub\urban
Kristine Beurskens, Laura Calbet i Elias, Antonio Carbone, Nina Gribat, Stefan Höhne, Johanna Hoerning, Jan Hutta, Justin Kadi, Michael Keizers, Yuca Meubrink, Boris Michel, Carsten Praum, Nikolai Roskamm, Nina Schuster, Lisa Vollmer

sub\urban-Lecture! Matthew Gandy: „Urban political ecology in prospect and retrospect“, DKG, 28.9., 16:15

03.09.2019

Unbenannt.PNGWir freuen uns die diesjährige s u b \ u r b a n-Lecture ankündigen zu können: Am Samstag, 28. September, 16:15-17:45, hält Matthew Gandy (University of Cambridge) seinen Vortrag „Urban political ecology in prospect and retrospect“ im Rahmen des Deutschen Kongress für Geographie an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (Raum: CAP3 – HS-2). Ein Besuch der Vorlesung ist leider nur im Rahmen der Konferenzteilnahme möglich. Der Beitrag wird aber in unserem Themenheft zur politischen Ökologie der Stadt 2020 erscheinen. Im Anschluss an den Vortrag laden wir zum gemütlichen Zusammensein bei Getränken.

Urban political ecology in prospect and retrospect

The contemporary theorization of the urban biosphere has reached something of an impasse between the perceived limitations of urban political ecology, the neo-Lefebvrian emphasis on planetary urbanization, and the rise of “new materialisms”. Similarly, the proliferation of various multidisciplinary approaches to urban ecology, based on a combination of methodologies derived from the physical and social sciences, has yet to produce a coherent degree of conceptual or epistemological integration. Leading urban ecologists have called for a “new ecological paradigm” that directly incorporates the “human dimension” into ecological processes. Running through these reformulations, however, is a continuing uncertainty about the analytical scope of contemporary ecology in relation to the specific cultural, historical, and material dimensions of urbanization.

Kritische Perspektiven auf Stadt und Digitalisierung

14.06.2019

Die derzeitige Rede von der „digitalen Revolution“, der „digitalen Gesellschaft“ oder dem „digitalen Kapitalismus“ schlägt sich auch in Diskussionen um Stadt nieder. „Smart Cities“, „Informational Cities“ oder „Cyber Cities“ gelten als Trends der Stadtentwicklung; zahlreiche Alltagserfahrungen werden einer „Digitalisierung“ unterworfen und digitale Technologien schreiben sich in die Regierung des städtischen Raums ein. Die Beispiele dafür umfassen „Smart Homes“ und „smarte“ Straßenbeleuchtungen und Verkehrsinfrastrukturen, Gesichtserkennung an Bahnhöfen, Apps zur Bewertung städtischer Orte und Dienstleitungen, digitale Sharing-Angebote, nachbarschaftsbezogene soziale Netzwerke, die sogenannte „Gig-Economy“, die Überlagerung von virtueller und realer Welt in einer „Augmented Reality“ bis hin zu digital vernetzten Infrastrukturen. Zu den Versprechen der Digitalisierung gehören eine zunehmende Demokratisierung durch neue Möglichkeiten der Partizipation und des Dialogs, eine höhere Effizienz durch geringere Kommunikations- und Transaktionskosten und damit ein Beitrag zu einer ökologisch nachhaltigen Stadt sowie eine immer stärker zielgerichtete, da individualisierte Steuerung und Produktion. Diesen stehen Bedenken hinsichtlich einer immer weiter fortschreitenden Ökonomisierung sowie der ökonomischen Interessen, die hinter dieser Entwicklung stehen, aber auch bezüglich der Überwachung und zunehmenden Erschöpfung der individuellen und natürlichen Ressourcen gegenüber. Nicht zuletzt erscheinen bei der Suche nach Forschungsgeldern die Themen Digitalisierung und Stadt eine vielversprechende Kombination zu sein. Die Digitalisierung schlägt dabei auch auf die Methoden der Stadtforschung durch: Erst durch hohe Rechenleistung und big spatial data sind manche Analysen möglich, soziale Medien verändern das Quellenmaterial und crowd research die Rolle der_des Wissenschaftler_in.