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Bd. 11 Nr. 1/2 (2023): Arbeit

Abstract

Im Unterschied zu Themen wie Konsumption, Reproduktion oder städtischer Alltag spielen in der Stadtforschung das Verhältnis von Stadt und Lohnarbeit, aber auch die städtische Formation von Arbeitsverhältnissen, Arbeitskämpfen und Arbeitsorten nur eine geringe Rolle. Das gilt schon für die frühe Stadtforschung von Georg Simmel und die Chicago School of Sociology bis zu den Gemeindestudien der 1950er Jahre. Aber – und das mag auf den ersten Blick überraschen – es trifft auch auf die kritische Stadtforschung zu, die seit den 1970er Jahren insbesondere in der Soziologie und in der Geographie eine wichtige Rolle spielte. Gleichzeitig beziehen sich zeitdiagnostische Grundannahmen der Stadtforschung ganz zentral auf veränderte Formen von Lohnarbeit und gesellschaftlichen Arbeitsverhältnissen. Zu einer Auseinandersetzung mit konkreten Arbeitsverhältnissen, Arbeitskämpfen und Arbeitsorten hat dies allerdings nur selten geführt. Dies gilt bislang auch für sub\urban. Auch bei uns sind Beiträge, die sich explizit mit der Transformation von Erwerbsarbeit und deren Auswirkungen auf Städte, mit den städtischen Dimensionen von Arbeitskämpfen oder mit den Orten der Erwerbsarbeit beschäftigen, bislang relativ selten gewesen.

Dass sub\urban diesen Themenschwerpunkt veröffentlicht, hat zum einen mit einem Unbehagen darüber zu tun, dass das Thema „Arbeit“ in der Stadtforschung bis heute einen geringen Stellenwert hat. Zum anderen haben sich in den vergangenen Jahren auch die Arbeitsverhältnisse in vielen Städten der Welt gewandelt. Dies trug sicherlich dazu bei, dass wir diese Leerstelle überhaupt identifiziert haben. Feministische und postkoloniale Kritiken hatten einen wichtigen Anteil daran, die impliziten Universalisierungen bisheriger Perspektiven auf Stadt zu kritisieren. Die klassische Stadtforschung versteht die Fabrik und den Betrieb als relativ große und relativ stark räumlich abgeschlossene Einheiten der Organisierung von Arbeit; sie nimmt sie implizit wie explizit als die Norm städtischer Arbeit an. Diese Sichtweise reproduziert nicht nur den Mythos des modernen „Normalarbeitsverhältnisses“ mit all seinen vergeschlechtlichten und rassifizierten Implikationen. Sie universalisiert zudem die Erfahrung einer kleinen Zahl von Städten zulasten einer „world of cities“ (Robinson 2011).

Der Schwerpunkt dieser Ausgabe stellt neuere Arbeitsverhältnisse, Arbeitskämpfe und -orte ins Zentrum, um ihnen mehr Sichtbarkeit zu verschaffen. Das betrifft neue Formen der Erwerbsarbeit wie Plattformarbeit oder Logistik in der Stadt.

Komplette Ausgabe Veröffentlicht:

Heft online lesen: sub\urban, Bd. 11 Nr. 1/2 (2023): Arbeit

Einleitung

  • Editorial

    Seiten 7-15

    Einleitung

    Im Gegensatz zu Themen wie Konsumption, Reproduktion oder städtischer Alltag spielen das Verhältnis von Stadt und Lohnarbeit und die städtische Formation von Arbeitsverhältnissen, Arbeitskämpfen und Arbeitsorten in der Stadtforschung nur eine vergleichsweise geringe Rolle. Dieser sub\urban Themenschwerpunkt hat einerseits mit einem Unbehagen darüber zu tun, dass diese Themen in der Stadtforschung bis heute einen geringen Stellenwert haben, andererseits mit einem Wandel der Arbeitsverhältnisse in vielen Städten der Welt. Unser Schwerpunkt stellt daher neuere Arbeitsverhältnisse, Arbeitskämpfe und -orte ins Zentrum, um ihnen neue Si…

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