Diese Debatte ist am 24.04.2020 in Bd. 8, Nr. 1/2 (2020) erschienen.

Die Debatte widmet sich dem Zusammenhang von sozialer und ökologischer Wohnungsfrage. Einem offenen Aufruf zur Einreichung von Beiträgen von Lisa Vollmer und Boris Michel sind erfreulich viele Wissenschaftler_innen und Aktivist_innen nachgekommen. Andreas Koch verweist darauf, dass die ökologische Frage nur im Rahmen einer politischen Ökologie zu verstehen ist, die die Kommodifizierung des Wohnens und die Dominanz bürgerlicher Wohnideale gleichermaßen konzeptualisiert. Lukas Häfner beschäftigt sich mit der Flächeninanspruchnahme als ökologischem Aspekt der Wohnungsfrage, der eng mit Einkommenshöhen und Wohnformen und damit sozialen Aspekten der Wohnungsfrage zusammenhängt. Auch Anton Brokow-Loga und Miriam Neßler stellen die Frage nach Flächengerechtigkeit als Frage der Verteilung von Wohnflächen. Michael Mießner und Michael Naumann zeigen, dass sich die Wohnungsfrage nicht nur in der Stadt stellt, sondern auch auf dem Land. Sie schlagen daher mögliche Themen einer kritischen Landforschung vor. Katrin Großmann erläutert, wie das ökologische Instrument der energetischen Modernisierung in seiner Ausgestaltung in Deutschland zu residentieller Segregation beiträgt. Sören Weißermel und Rainer Wehrhahn zeigen am Beispiel des einkommensschwachen Stadtteils Gaarden in Kiel die Konfliktfelder, die durch eine stadtpolitisch motivierte, aber privatwirtschaftlich umzusetzende energetische Sanierung entstehen. Klaus Geiselhart beschreibt anhand von konkreten Neubauprojekten in München einige Versuche, soziale und ökologische Ansprüche an das Wohnen zu integrieren. Bernhard Hohmann, Thomas Höflehner und Andrea Jany diskutieren ein Projekt, das unterschiedliche Akteure der Stadt Graz zusammenbringt, um Dachgärten als Gegenmittel zu Flächenversiegelung und Flächenkonkurrenz auf Wohngebäuden, aber auch für Gemeinschaftszwecke zu realisieren. Schließlich stellt Marc Amann das geplante Wohnprojekt „Neustart Tübingen“ vor, in dem eine ganze Nachbarschaft entstehen soll, die sozialen und ökologischen Idealen des Wohnens verpflichtet ist. So ist eine breite Palette unterschiedlicher Aspekte der ökologisch und sozial gedachten Wohnungsfrage zusammengekommen. Wir freuen uns darauf, diese Aspekte in künftigen Ausgaben zu ergänzen und in einer Replik zusammen zu binden. Weitere Einreichungen sind also herzlich willkommen.

Stadtökologie statt Ökologie

Andreas Koch

167-176

Common Ground

Lukas Häfner

177-182

Eine Frage der Flächengerechtigkeit!

Anton Brokow-Loga, Miriam Neßler

183-192

Nachhaltiges Wohnen auf dem Dorf?

Matthias Naumann, Michael Mießner

193-198

Dachgärten im Geschosswohnbau

Bernhard Hohmann, Thomas Höflehner, Andrea Jany

229-236